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Analyse [Geschlossen] Grösste globale Energiekrise seit der Ölkrise in den 1970er Jahren

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Blackwater
(@deepblackforest)
Super Großmeister Admin
Beigetreten: Vor 9 Jahren
Beiträge: 2893
Themenstarter  

Wir befinden uns derzeit (April 2026) in der schwersten globalen Energiekrise seit den Ölkrisen der 1970er Jahre – und nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) sogar in der größten Energie-Sicherheitskrise der Geschichte. Der IEA-Direktor Fatih Birol bezeichnete sie als „größte globale Bedrohung für die Energiesicherheit in der Geschichte“ und größer als die beiden Ölkrisen der 1970er Jahre zusammen plus die Gas-Krise nach dem russischen Überfall auf die Ukraine 2022.

Ursache der aktuellen Krise

Der Auslöser ist der laufende Krieg im Nahen Osten (US-israelische Militäroperationen gegen Iran und die iranische Reaktion). Iran hat die Straße von Hormus blockiert oder stark eingeschränkt – der wichtigste Öl- und LNG-Transportweg der Welt (ca. 20 % des globalen Ölhandels und ein großer Teil des LNG). Dazu kommen Angriffe auf Energieinfrastruktur in der Golfregion. Das hat zu einem beispiellosen Angebotsschock geführt: Globale Ölversorgung um ca. 11 Millionen Barrel pro Tag (mbpd) reduziert – mehr als doppelt so viel wie bei beiden Ölkrisen der 1970er Jahre zusammen.

Die EU-Kommission und die IEA sprechen von einem „long-lasting energy shock“. Es gibt bereits Vorbereitungen auf Rationierung, Freigabe von Notreserven und massive Einsparappelle (z. B. Homeoffice, weniger Autofahren).

Vergleich mit den Ölkrisen der 1970er Jahre (Daten)

Hier ein direkter Vergleich der Schlüsselzahlen:

Kriterium 1973 (Ölkrise) 1979 (Zweite Ölkrise) 2026 (Aktuelle Krise) Bewertung
Versorgungsausfall ca. 5–9 % der Weltproduktion ca. 7 % der Weltproduktion ca. 11 mbpd (~20 % des globalen Öl- und LNG-Handels) 2026 deutlich größer (doppelt so stark wie 1970er zusammen)
Ölpreis-Anstieg von ~3 $ auf über 12 $ (x4) Preise verdoppelt Brent von ~66 $ auf 100–116 $ (bis zu +60–75 % in Wochen) 2026 schärfer und schneller
Dauer (bisher) Monate (Embargo) Monate (Revolution) Seit Feb./März 2026 andauernd, „long-lasting“ erwartet Noch offen, aber potenziell länger
Betroffene Märkte Vor allem Öl Vor allem Öl Öl und Gas/LNG (Hormus) 2026 breiter
Wirtschaftlicher Kontext Hohe Ölabhängigkeit Hohe Ölabhängigkeit Weniger Ölintensität, aber Europa immer noch importabhängig Heute resilienter, aber Schock massiver
 
 

Quellen für historische Daten: IEA, Al Jazeera, Historische Vergleiche (z. B. Columbia University, Federal Reserve).

  • Aktuelle Preise (Stand 7. April 2026):
    • Brent-Rohöl: ca. 104–113 $/Barrel (nach Spitzen über 116 $).
    • Europäisches Erdgas (TTF): ca. 50 €/MWh (deutlich höher als vor der Krise, aber volatil; im März stark gestiegen).
    • In Deutschland: Benzin- und Dieselpreise spürbar höher (Zapfsäulen in Berlin und Wien zeigen klare Anstiege).

Auswirkungen auf Europa und Deutschland

Europa ist besonders verwundbar, weil es stark auf Importe angewiesen ist (trotz Diversifikation weg von Russland). Gaslager sind ungewöhnlich niedrig (unter 30 % in manchen Ländern), Strompreise steigen, und die Industrie leidet. In Deutschland haben Wirtschaftsinstitute die Wachstumsprognose für 2026 bereits halbiert (auf ca. 0,6 %). Die EU prüft Rationierung, zusätzliche Notreserven und Einsparpläne.

Die Krise verstärkt die ohnehin bestehenden Stagflationsrisiken (hohe Energiepreise + schwaches Wachstum), genau wie in den 1970er Jahren.

Wichtige Unterschiede zu den 1970er Jahren (warum es „anders, aber nicht besser“ ist)

  • Positiv: Moderne Volkswirtschaften sind weniger ölintensiv (Ölverbrauch pro BIP-Einheit ca. halb so hoch wie 1973). Es gibt strategische Reserven (IEA hat die größte Freigabe aller Zeiten gestartet), mehr erneuerbare Energien und LNG-Terminals.
  • Negativ: Der Schock ist volumetrisch größer, trifft gleichzeitig Öl und Gas, und die globale Konkurrenz um LNG (besonders mit Asien) ist brutal. Europa hat keine schnelle Alternative zur Hormus-Route.

Fazit: Ja – es ist die größte Energiekrise seit (und nach vielen Experten sogar größer als) den Ölkrisen der 1970er Jahre. Der Versorgungsausfall ist historisch einmalig groß, die Preise schießen in die Höhe, und die EU bereitet sich auf eine längere Belastung vor. Ob sie „die größte aller Zeiten“ bleibt, hängt davon ab, wie lange die Hormus-Blockade und der Konflikt andauern. Die IEA und EU-Kommission warnen eindringlich: Das ist kein kurzer Schock, sondern eine strukturelle Herausforderung für die Energiesicherheit.



   
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