„Euer Herr sagt; „Ruft Mich an, so erhöre Ich euch. (…)“
Qur’an 40:60
Wann ist es soweit?
Die meiste Zeit unseres Lebens verbringen wir wohl mit warten. Warten auf besondere Tage, Zeiten und Ereignisse. Ein Mädchen wartet auf ihren 18. Geburtstag. Manche wartet auf die Liebe ihres Lebens. Ein Pärchen wartet auf die lang ersehnte Geburt ihres Kindes, ein junger Mann auf seine erste große Beförderung. Kinder warten auf die Anerkennung ihrer Eltern – manchmal ein Leben lang. Viele Menschen warten auf ihre lang ersehnte Rente. Alte und kranke Menschen warten auf den Tod. Das Leben ist ein langes Warten auf Dinge die sicher eintreten werden und Dinge, die nie eintreten.
Das Warten ist mit der Zeit verbunden. Zeit ist eine Dimension und physikalische Größe. Und wir erinnern uns, Physik ist eine eindeutig bestimmbare Wahrheit. Ich war nicht gut in Physik, aber ich liebte schon immer Wahrheit, selbst wenn es für einen Menschen nahezu unmöglich ist, in ihre großen Fussstapfen zu treten, die sie in der Weltgeschichte der Menschen hinterlassen hat. Und wenn so manche Welle über sie schwappte, so sind ihre Abdrücke noch im feuchten Sand der Zeit zu sehen. Aber sie ist klar und definiert, wenn es um die Fundamente der Welt geht. Und Zeit ist eine der Dimensionen, die für uns klar und deutlich ist, in der unsere Leben ablaufen. Die Zeit beschreibt die Abfolge von Ereignissen, hat eine eindeutige, nicht umkehrbare Richtung.
Eine Definition von Zeit ist diese: „Aus einer philosophischen Perspektive beschreibt die Zeit das Fortschreiten der Gegenwart von der Vergangenheit kommend und zur Zukunft hinführend. Nach der Relativitätstheorie bildet die Zeit mit dem Raum eine vierdimensionale Raumzeit, in der die Zeit die Rolle einer Dimension einnimmt. Dabei ist der Begriff der Gegenwart nur in einem einzigen Punkt definierbar, während andere Punkte der Raumzeit, die weder in der Vergangenheit noch der Zukunft dieses Punkts liegen, als „raumartig getrennt“ von diesem Punkt bezeichnet werden.“
Zeit ist messbar und sie läuft von A nach B ab, wobei A für uns die Gegenwart, das Jetzt ist. Nach der Definition wie sie Wikipedia beschreibt, gibt es aber auch eine Vogelperspektive. Nur eben nicht für den Menschen. Jede Existenz, die einen Anfang hat, kann diese Perspektive außerhalb der Dimension Zeit nicht einnehmen. Für den Menschen bleibt Raumzeit ein nicht erfahrbares Theorem, welches aber nicht widerlegbar ist.
Würden wir weit genug von der Erde weg sein, so könnten wir Dinge auf der Erde sehen, die aus irdischer Sicht in der Vergangenheit liegen. Dazu gibt es entsprechende Berechnungen, die sich über Entfernungen und Lichtgeschwindigkeit im Raum berechnen lassen. Aber auch diese Betrachtung ist nicht relativ. Denn auf der Erde existieren wir jetzt und aufgrund dessen, dass Lichtgeschwindigkeit – eine fundamentale Naturkonstante – 299.792.458 m/s im Vakuum beträgt (im materiellen Raum wie Luft oder Glas ist sie geringer), werden wir beispielsweise in einer weit entfernten Galaxie erst später gesehen. Zu dem Zeitpunkt, an dem man uns dort sieht, sind wir nicht mehr existent. Dementsprechend ist das was man jetzt dort sieht, die Vergangenheit auf der Erde. Und so fällt auch auf die Erde Licht von Sternen, die es längst nicht mehr gibt.
Zeit für sich genommen ist eine solch große Dimension, dass sie schon seit es Menschen gibt zu faszinieren versteht. Allerdings wusste der Mensch bis vor nicht allzu langer Zeit noch nicht, dass alleine der bislang sichtbare Teil unseres Universums 93 Milliarden Lichtjahre gross ist und dass es laut Wissenschaftlern mehr als eines davon gibt. Noch vor wenigen hundert Jahren dachten die meisten Menschen, dass das Universum beziehungsweise das was sie davon sahen, die Sterne am Himmel, einfach ein Himmelszelt sind. Ähnlich wie eine Leinwand im Kino. Die Erkenntnis, dass das nicht so ist kam erst später. Nun stellen wir uns im Kino einmal vor wir würden entdecken, dass wir in den Film reingehen könnten…
Für alle Menschen die aufgeschlossen, mutig und interessiert waren, muss die Erkenntnis dass das Universum ein riesiger Raum ist, ein Faszinosum gewesen sein und ist es bis heute. Denn gerade die Größe wirft Fragen über Raum und Zeit auf, was das „nichts“ ist, ob wir alleine sind, was der Sinn von alle dem ist und ob es unser eigenes Bewusstsein außerhalb oder ohne unseren Körper gibt. Und immer wieder stellt sich die Frage, welche Rolle es spielt wie wir gelebt haben oder nicht und was wir mit „unserer“ Zeit angefangen haben. Hat unser Leben eine Bedeutung oder ist es nur ein bedeutungsloser biologischer Prozess in einem Fluss von Zeit, während die Uhr des Universums weiter läuft? Wird unser Ruf ins Universum erhört werden? Und gibt es eine Antwort?
Alles was wir in der physischen Welt sehen, hat einen Anfang und eine Ursache. Der erste Hauptsatz der Thermodynamik besagt, dass die Energie in einem abgeschlossenen System konstant ist. Außerdem kann Energie weder erschaffen noch vernichtet werden, sondern nur in verschiedene Formen der Energie umgewandelt oder übertragen werden (Studysmarter.de).
Aussagen, die das negieren sind deutlich schwächere philosophische Gedankenexperimente, als die Aussagen über einen geistigen und unsichtbaren Bereich und das Wesen einer Schöpfermacht. Warum werden wir noch sehen. Ich schreibe hier ganz bewusst „das Wesen“. Was ich damit meine sind Details darüber, wie wir sie in Religionen finden. Diesen Gedanken wollen wir im ersten Schritt erst einmal so stehen lassen. Darüber, dass alles einen Anfang hatte und dass dieser mit enormer Energie zu tun hat, darüber gibt es überhaupt gar keine Zweifel. Auch in der heutigen Wissenschaft nicht. Die Frage ist stets nur, gibt es einen Willen, eine Intention? Das würde eine Intelligenz voraus setzen.
Fakt ist, dass kein geistig gesunder Mensch auf der Erde eine Intelligenz hinter intelligent gemachten Dingen negiert. Beispiele gäbe es hier viele. Kausalität wird nicht bestritten.
Nur die Ableitung, die daraus folgt, ist dann nicht ganz so einfach. Es ist pure Logik den Gedanken zu übertragen, nur müsste man sich dann ganz andere Fragen stellen und dazu sind viele Menschen nicht bereit. Das ist völlig in Ordnung, denn diese Entscheidung muss und soll jeder selber treffen. Das ist „part of the game“.
Wenn man sich diesen Fragen ernsthaft stellt, dann hat man abgesehen von der aus anderen Gründen – soziologischen, wie schon Ludwig von Bertalanffy sagte und wie man eigentlich auch immer klar vor Augen geführt bekommt – diese Optionen:
Mit diesem Artikel versuche ich einmal ganz unaufgeregt auf die Möglichkeiten einzugehen, wie immer mit dem Wunsch und der Hoffnung, dass es der oder dem ein oder anderen eine kleine Hilfe ist. Und wie immer gilt, es ist stets ein laufender Prozess, auch für mich selbst. Meine eigene Reise ist auf diesem Blog über Jahre mit Hauptfragmenten dokumentiert.
„Rufe zu mir, dann will ich dir antworten und dir große und geheimnisvolle Dinge zeigen, von denen du nichts weißt!“ Jesaja 33,3 HFA
„Wehe denen, die in ihren eigenen Augen weise sind und die sich selbst für verständig halten!“
Jesaja 5,21
Wie ihr vielen Artikeln und auch meiner Einleitung des Artikels entnehmen könnt, haben wir ein grundsätzliches Problem und das ist unsere Begrenztheit auf Raum und Zeit. Diese Begrenztheit ist sogar sehr klar definiert, weil unser Leben auch noch kurz ist und wir selbst auf so einem winzigen Planeten wie der Erde uns nicht wirklich frei bewegen können. Es gibt auch keine Schwarmintelligenz beim Menschen, Wissen muss individuell hart erarbeitet werden und Erfahrungen umso mehr. Unsere Kraft ist begrenzt. Während ich diesen Artikel schreibe, wird mir das einmal mehr klar. Werde ich in 30 oder 40 Jahren solche Artikel schreiben? Vielleicht. Wahrscheinlich aber nicht, weil ich vermutlich die Kraft dazu nicht mehr habe oder bereits nicht mehr bin. Also tue ich es jetzt.
Der aus der Jesajarolle angeführte und leider oft von religiösen Gemeinschaften missbrauchte Text ist keine Aufforderung das Denken zu unterlassen. Er ist im Kontext eine Warnung vor mangelnder Demut und Dankbarkeit! Menschen, denen es an beiden mangelt gehören auch nicht zu den oben genannten vier Gruppen und es macht wenig Sinn mit ihnen zu diskutieren, egal ob sie nun religiöse oder nicht religiöse Menschen sind.
Ein rein wissenschaftliches Erklärungsmodell des ganzen Seins der physischen Welt basiert im Wesentlichen Stand heute auf der Urknalltheorie und was das Leben auf der Erde angeht auf der Evolutionstheorie. Dass es am Anfang eine gewaltige Energie gab, das bejaht auch die Wissenschaft. Ohne eine riesige Menge Energie ist das Urknallmodell nicht zu erklären. Nur labelt die Wissenschaft diese „Energie“ (oder deren Verursacher) nicht als „Gott“ und das ist ok, denn man hat eben wissenschaftliche Grundsätze und „Gott“ gehört sozusagen zu einem fachfremden Bereich, der Religion. Was die Evolutionstheorie angeht so lässt sich sagen, dass diese durchaus umstritten ist und nicht so ein „Fakt“ in allen Details, wie das gerne dargestellt wird. Aber um diese Probleme soll es an dieser Stelle nicht gehen. Interessanter ist die Frage nach der Vereinbarkeit der Urknalltheorie aus finalem Auslöser mit den einzig relevanten Glaubens- und Erklärungsmodellen von Bibel und Qur’an. Warum?
Bekanntlich gibt es unendlich viele weitere Glaubens- und Erklärungsmodelle über die Bibel und den Qur’an hinaus. Aber selbst wenn wir die größeren Konzepte nehmen, so sind diese sehr philosophischer Natur und wenig auf einen Ursprung oder einen Schöpfer fokussiert. Sie geben Erklärungen zu seinem Sinn und Zweck – wie beispielsweise die Lehre der Wiedergeburt. Wie der Buddhismus sind auch Hinduismus, Taoismus und viele andere „Erfahrungsreligionen“, ihr Kern ist kein Theismus und damit geht es auch nicht um die Fragen, die einen Schöpfer und Gott betreffen. Das ist übrigens einer der Gründe, warum sie im Westen so beliebt sind, auch wenn Menschen bei diesen Religionen gerne „cherrypicking“ betreiben.
Es ist enorm wichtig das zu verstehen! Hat man das erst einmal verstanden wird klar, warum es im Wesentlichen nur das Erklärungsmodell des Christentum und des Islams und seiner Derivate im Bereich Religion gibt. Das Judentum ist eine Religion für Juden (hatte ich an anderer Stelle bereits erklärt), die anderen großen Religionen drehen sich nicht um einen Schöpfergott. Es bleiben noch einige kleinere Religionen übrig, die an sich sehr interessant für das Eigenstudium sind, aber keinen Universalanspruch haben können, da zu speziell und durch andere Probleme konterkariert. Ich will andere Religionen hier nicht reduzieren oder zu stark vereinfachen, nur reicht ein Blogartikel nicht um das zu erklären (mehr dazu in unserer Community).
Vereinfacht gesagt ist es so: wenn es einen Schöpfer, einen Urquell von allem gibt (das halte ich für einen Fakt wie oft erklärt) und wir davon ausgehen, dass er einen Plan mit uns Menschen hat, einen Wunsch und eine Intention (das wäre zu bedenken?!), dann ist die Frage wie man diesen Willen herausfinden kann und dann muss es eine Verbindung zu uns geben. Abhängig von dem Erklärungsmodell für diese Welt, würde dieser Schöpfer mit uns auf eine bestimmte Weise kommunizieren. Das Erklärungsmodell ist entscheidend um zu verstehen, wie Gott mit dem Menschen in Verbindung ist. Denn je nach Modell haben wir eine entsprechende Erwartungshaltung. Ich glaube ich hätte mir selbst vor Jahren mal gewünscht, dass mir das jemand so erklärt. Denn ist bestechend logisch, wie wir noch sehen werden.
Erwartungshaltung gegenüber Gott
Wenn ich Gott vermenschliche, dann habe ich eine andere Erwartungshaltung an Gott als wenn Gott eine transzendente allmächtige Kraft ist. Aber Gott ist keine unpersönliche Kraft, er ist eine Persönlichkeit.
Wenn diese Welt nur eine Prüfung ist, eine Art Matrix (sagt das AT und der Qur’an) und alles ungeschehen gemacht werden kann, wenn Zeit nur für uns gilt, dann ist es egal was auf der Erde passiert. Entscheidend ist, dass wir unseren Schöpfer suchen, anrufen, anbeten. Nicht mal unser jetziges Leben hätte eine Relevanz, nur unser Seelenzustand. Die ersten Christen glaubten genau das, als sie in den Arenen Roms ermordet wurden. Millionen Muslime glauben das heute. Dementsprechend hat man eine Erwartungshaltung die auf das Jenseits ausgerichtet ist und nicht auf das Diesseits.
„Wahrlich, das Jenseits ist besser für dich als das Diesseits.“ Qur’an – 93:4
„und besser der Tag des Todes als der Tag der Geburt.“ Prediger 7,1, Textbibel, 1899
Das Leben hier kann schön sein, für Milliarden Menschen bedeutet es aber Leid. Egal auf welcher Seite wir stehen, wenn das Leben hier alles ist, werden wir daran klammern. Wenn wir aber unseren Schöpfer gefunden haben, werden wir keine Angst haben loszulassen.
Wenn ich heute an das Bücherregal gehe, dann finde ich nur zwei relevante Bücher die sagen, dass sie „Gottes Wort“ sind, also eine Art Willenserklärung und eine Erklärung für und an diese Welt. Diese Bücher haben den Lauf der Welt nachhaltig verändert und waren und sind für Milliarden von Menschen von Bedeutung. Bei aller Kritik und Forschung daran, wozu ich auch schon oft beigetragen habe, so lässt sich doch ein roter Faden erkennen und dieser zieht sich vereinfacht gesagt von dem Alten Testament der Bibel (Torah, Propheten) zu den Evangelien und von dort zum Qur’an. Die heutigen Bibelbücher des Paulus fallen etwas aus dem Rahmen, andere Bibelbücher gibt es dank der Kirche nicht mehr. Wir können festhalten, dass es eine in sich stimmige Erklärung durch gut 85% des Gesamtschriftwerkes gibt, die ich wie folgt zusammenfassen würde (ich spare bewusst Verweise auf hunderte Textstellen aus, bei Interesse gerne in unserer Community):
Es gibt einen Schöpfer aller Dinge. Er ist auch der Schöpfer von Raum und Zeit, so wie dieses und aller Universen. Er hat keinen Anfang und kein Ende. Er ist allmächtig und allwissend. Er wird in 99 Namen des Qur’an beschrieben, wovon fast alle auch schon in der Bibel vorkommen. Wir werden nie alles über ihn erfahren. Sein EINER Name ist verborgen. Seine größten Eigenschaften sind Liebe, Barmherzigkeit, Güte, Weisheit, Macht und Gerechtigkeit. Er hat dem Menschen immer wieder Botschafter gesendet um seinen Willen erklären zu lassen. Er ändert sich nicht. Diese Welt ist eine Prüfung (heute würden wir Matrix sagen). Er liebt Menschen, die ihn suchen. Menschen, die sanftmütig und demütig sind. Obwohl er von uns Milliarden von Lichtjahren, Universen und Dimensionen weg ist, ist er nur einen Gedanken entfernt. Das Gebet ist die Verbindung zu ihm. Es gibt mindestens eine parallele Welt zu der physischen Welt, die Geistige. Die Welt der Geistwesen, wie es die Engel sind.
Jeder, der neu auf diesem Blog ist könnte nun meinen, das ist einfach mal so zusammen gesponnen. Kann jeder schreiben. Aber dem ist nicht so, das ist die Essenz von allem was jeder selbst nachlesen kann. In Bibel, Qur’an, und vielen weiteren Quellen, die ich auf dieser Webseite und im Forum angegeben habe. Es gibt über manche Details Kontroversen oder unterschiedliche Darstellungsweisen. Aber das ist im Prinzip der Kern. Interessant dürfte auch noch sein, dass wenn man einen solchen generalistischen Ansatz nimmt, man auf wenig Probleme trifft. Beispielsweise widerspricht der Qur’an nicht der Urknalltheorie oder der Evolutionstheorie. Bei der Bibel wäre es ein Stück weit eine Frage der Lesart und es gibt hier durchaus grosse Unterscheide, wie Bibelwissenschaftler und Theologen die Bibel was die Genesis angeht erklären und interpretieren. Aber das an dieser Stelle nur am Rande. Wenn man bereit ist sich auf die Suche einzulassen, die Vogelperspektive einzunehmen, dann erkennt man sehr klar warum Christentum und Islam letztlich die einzigen Erklärungsansätze sind, die überhaupt in Betracht zu ziehen sind. Alles andere ist zu exklusiv (Judentum) oder wirft mehr Fragen als Antworten auf. Oder es lässt einen leer zurück.
Jesus, der Monotheismus, Paulus und Mohammedﷺ
Warum ich mich persönlich gegen das Christentum entschieden habe, sollte in einem Artikel wie diesem nicht fehlen. Mir ist wichtig, dass sich Christen hier nicht angegriffen fühlen. Genauso wenig wie ich nicht angegriffen werden möchte. Jeder soll bei einer passenden Gelegenheit seinen Standpunkt darlegen können. Es ist eine persönliche Entscheidung und „jeder wird seine eigene Last tragen“. Ich versuche so einfach wie möglich klar zu machen, was das Kernproblem ist:
Nach dem Alten Testament der Bibel ist der reine Monotheismus die Kernlehre. Gott hat alles gemacht, er ist Retter, Richter, König und alleiniger Gott und nur er darf angerufen und angebetet werden. (Dazu gibt es viele Texte, ich halte das an dieser Stelle aber einfach und kurz. Mehr gerne im Forum). Gott ändert sich nicht und jegliche Abweichung vom Monotheismus war stets die schwerste Sünde. In den christlich-griechischen Schriften ändert sich das nach und nach. In den Evangelien Matthäus, Markus (das älteste) und Lukas lehrte Jesus noch den reinen Monotheismus, ca. 80-85% den Inhalts sind eigentlich sehr islamisch. Wer die Evangelien schrieb weiss man nicht. Aber mit Johannes ist das klar, was man als Exaltation bezeichnet. Jesus steigt nach und nach zu einer Art „Gott“ auf, bekommt göttliche Eigenschaften. Später, ab der Apostelgeschichte wird er sogar angerufen (um Hilfe bitten). Im Verlaufe der Paulusbriefe vergeistigt sich das Thema immer mehr und viele Aussagen stehen im Widerspruch zu Jesu Lehre aus den Evangelien. Das hatte ich immer wieder thematisiert. Letztlich führte das in der Konsequenz zum Vorläufer der Dreieinigkeitslehre, Jesus ist auch Gott. Es ist das, was heute als „Kyriologie“ in der christlichen Theologie bekannt ist. Diese steht im krassen Widerspruch zu direkten Aussagen Gottes im Alten Testament.
Nach den Lehren des Paulus von Tarsus ist das Annehmen und Anerkennen von Jesus Christus als König und Retter heilsentscheidend. Es ist das, was Christentum ausmacht. Nach den Aussagen von Gott im Alten Testament ist der reine Monotheismus heilsentscheidend. Der aufmerksame Leser (oder Leserin) erkennt das Problem. Ich muss mich entscheiden. Es ist die Schlüsselfrage, alles andere könnte man als dem untergeordnet betrachten.
Wenn die Dreieinigkeitslehre aber stimmt, also dass mindestens Gott Jesus ist und Jesus Gott, dann würde es natürlich passen. Die Aussagen aus dem AT und NT beziehen sich dann auf ein und dieselbe Person. Aus meiner heutigen Sicht würde ich sagen, dass unitarische Christen (Christen, die sagen dass Jesus nicht Gott ist) falsch liegen müssen, wenn die ganze Bibel „Gottes Wort“ ist. Ich habe das immer und immer wieder durchforscht und durchdacht, wie viele vor mir. Es ergibt nur Sinn mit der Dreieinigkeitslehre oder man verwirft die Briefe und Lehren des Paulus.
Ich habe mich nach langer Überlegung für Letzteres entschieden. Denn der Monotheismus ist etwas, was so eindeutig und klar von Gott selbst im Alten Testament immer wieder ausformuliert wurde, dass ich die Dreieinigkeitslehre (oder Zweieinigkeit mit Jesus) ablehnen muss. Paulus hat Jesus nie kennen gelernt. Nach eigener Aussage erschien er ihm und gab ihm neue Anweisungen. Das kann man glauben oder nicht. Das wäre nicht einmal das Problem, wenn die Lehren nicht so grundlegend abweichen würden, so dass sie im Widerspruch zu Gottes eigenen Aussagen stehen (und zu denen von Jesus vorher).
Etwa 600 Jahre später, im Alter von 40 Jahren fand ein tief spiritueller Mann mit Namen Mohammedﷺ eine Wahrheit wieder, wie wir sie aus dem Alten Testament der Bibel kennen und die fast verloren gegangen wäre, weil sie so verdreht wurde. Mohammedﷺ sagte, dass er dieses Wissen von dem Engel Gabriel erhielt. Und um es kurz zu machen: es harmoniert, es ist nichts Neues in der Kernlehre und konterkariert nicht alte göttliche Aussagen, sondern es geht auf die alten Pfade zurück. Die Offenbarung des Qur’an ergänzt fehlende Punkte aus der Bibel, die erst 1300-1400 Jahre später der Menschheit bekannt wurden. Und Mohammedﷺ nahm für sich nie in Anspruch „heilig“ zu sein, wollte nie verehrt und angebetet werden. Hatte sogar Zweifel und Ängste, so wie alle echten Propheten vor ihm. Er hat die Welt verändert. Deswegen ist nicht alles richtig, was fast 2 Milliarden Muslime heute tun, aber darum geht es dabei nicht. Es geht darum, ob die Kernaussagen einer Offenbarung stimmen oder nicht.
Bevor wir nun zu der Frage „warum Islam“ kommen und was „Islam“ überhaupt sein soll (darüber in dem kommenden al Fatiha Artikel mehr) ein kleiner Gedanke.
Es sollte mit dem obigen Kasten klar werden, was einer der Kernunterschiede zwischen Christentum und Islam ist. Beide sind die einzig relevanten religiösen Aussagen in dieser Welt, da andere Religionen entweder zu speziell oder zu irrelevant für eine „Weltlösung“ sind oder gar keinen Gottesbezug haben, wie die großen anderen Weltreligionen, bei denen es um Selbsterfahrungen und Selbsterkenntnis geht. Wenn die Welt aber erschaffen wurde und der Erschaffer einen Plan hat und sich dem Menschen mitteilen wollte, dann führt der Weg letztlich zum Christentum oder Islam. Denkbar sind 1000 andere Wege, aber aus den in diesem Artikel genannten Gründen kann man sich das sparen. Man wäre letztlich nicht besser dran wie bei einer agnostischen (nicht wissend) oder einer atheistischen Position (es gibt keinen Gott).
Die Frage „warum Islam“ wird häufig gestellt und natürlich nicht nur mir. Aber bei dieser Gelegenheit gebe ich einen persönlichen Gedankenansatz dazu. Der erste Teil des Artikels war dazu da, so einfach wie möglich die gedankliche Herleitung zu dem Schöpfungsmodell darzulegen und wird sicher für jeden nachvollziehbar sein, der frei von Narrativen und Sozialisierung sich abends unter den Sternenhimmel begibt und ernsthaft über die von mir behandelten Fragen und Gedanken in Demut nachdenkt. Jemand, der das nicht tun kann oder will, wird einen Artikel wie diesen ohnehin nicht lesen. Und nochmals, das ist ok. Jeder trifft für sich eine Wahl und das sollte jedem zugestanden werden. Das sagt auch die Bibel und der Qur’an. Es liegt nicht an Erkenntnis, Zeichen und Wundern (die der Schöpfung beispielsweise), sondern viele Menschen wollen es einfach nicht. Ihr Herz sagt nein.
Der Schöpfer lässt alle Menschen wissen, dass er sich wünscht, dass sie von ihren eigenen Wegen, ihrer eigenen Philosophie, umkehren und sich auf den Weg „nach Hause“ machen. Aber die Wahl bleibt frei, wir alle wurden mit freiem Willen ausgestattet. „Its part of the game“.
Wenn man an diesem Punkt angekommen ist, dass man innerlich zu seinem Schöpfer ja sagt, beginnt zu akzeptieren, dann beschäftigt man sich mit Religion. Und wird enttäuscht. Über das Christentum hatte ich schon viel geschrieben. Machtmissbrauch, Sekten, Menschenkult und vieles mehr. Ist das „im Islam“ besser? Nein, nur anders. Ich habe „im Islam“ bewusst in Gänsefüsschen gesetzt, denn was heisst überhaupt „im Islam“?
„Im Islam“
Der Islam ist keine Institution wie die katholische Kirche. Es ist ein weiter Überbegriff über viele Menschen, Gruppen, Moscheegemeinden, Kulturen und Völker, die einen Bezug zu den Aussagen des Qur’an haben. „Der Islam“ selbst ist der Monotheismus und basiert auf 5 Säulen:
– Das Glaubensbekenntnis (sich zu Gott bekennen. Selbst der Zusatz „Mohammedﷺ ist sein Prophet“ kam erst etwas später hinzu – ein Thema für ein anderes Mal).
– Das Gebet.
– Das Fasten.
– Armenspende (Zakat).
– Die Pilgerfahrt nach Mekka (sofern einem möglich).
Der Islam kennt im Verhältnis zu anderen religiösen Weltanschauungen einen relativ niedrigen Konformitätszwang. Man fühlt sich in jeder Moschee der Welt sozusagen daheim, um mal ein Beispiel zu machen. Sichtbare konforme Erkennungszeichen wären heute wohl nur das Gebet, Moscheen als Architekturzeugnisse und der Hijab bei Muslimas (wobei auch hier, ein weites Feld über die Kulturen hinweg).
Der Islam hat viele Besonderheiten, die der aussenstehende Leser (oder Leserin) nicht kennen. Eine davon lässt sich mit einem im Islam weit verbreiteten Satz sagen: „Islam is perfect, Muslims are not.“ Darauf wollen wir eingehen.
Mit dem Islam wird heute vieles an Gewalt und Schandtat verbunden. Das liegt einerseits an den Medien, es liegt aber auch an vielen Menschen die sich Muslime nennen, aber Schande über ihre Religion bringen. Kultur und Traditionen sind in vielen Ländern tief vermischt mit der Religion. Nur Wissen über die Religion hilft zu erkennen, was Kultur und was Religion ist. Und damit dem Missbrauch vorzubeugen, den es in jeder Religion gibt. Das ist viele eigene Artikel wert. An der Stelle kann ich nur persönlich sagen: ich dachte auch mal etwas über den Islam zu wissen. Über Jahre. Mal ein paar Qur’an Suren hier, mal Hörensagen da, dann die armen verschleierten Frauen, die unterdrückt werden und dann der IS. Dazu Geschichten aus Deutschland von und über Migranten, wer kennt das nicht. Das liesse sich lang auswalzen.
Ob eine Religion richtig oder falsch ist, lässt sich an ihrem Kern erforschen, nicht am Verhalten ihrer „Bekenner“. Nach dem Verhalten von Menschen die sich Christ, Adventist, Zeugen Jehovas, Mormonen oder Muslime nennen müssten alle Religionen falsch sein und keine wahr. Es gibt in allen Religionen gute und schlechte Menschen. Menschen, die ihre Religion leben und praktizieren und welche die es nicht tun. Ich habe das lange untersucht und kann jedem das Gleiche empfehlen. Die Wahrheit über eine Religion kann man nur in ihrem Kern finden. Andersherum ist eine nette Gemeinschaft von guten Menschen kein Beweis für die Wahrhaftigkeit einer Religion.
Was den Islam angeht, so würde ich heute sagen, dass ich die Hälfte meines Lebens falsch lag. Allerdings waren die Hürden sich damit zu beschäftigen auch wirklich hoch. Ob es die eigene Herkunft und Sozialisierung war, mein Umfeld und vieles mehr. Aber letztlich findet alles seinen Weg, was es finden soll. So wie dieser Artikel seine Leserinnen und Leser findet.
Es folgten Jahre des Nachforschens und Nachdenkens. Was sagt die Religion wirklich? Was steht in ihren Schriften, wie wird das erklärt? Welchen Kontext hat es? Welche Antworten liefert alles? Und bei der Wahrheitssuche muss man unbedingt die Vogelperspektive einnehmen. Es geht nicht darum, was mir passt, was zu meiner Zeit und meiner Sozialisierung passt. Wenn eine Religion Gott gewollt ist, dann kann der Massstab nicht menschlicher Zeitgeist sein oder gar eigener Hedonismus. Das erfordert die Demut, die immer wieder in den Schriften erwähnt wird. Werde ich akzeptieren was ich finde? Das muss ich vorher mit „ja“ beantworten, sonst werde ich auf dieser Reise nichts Neues finden.
Warum aber Islam?
Diese Frage würde ich wie folgt beantworten. Wenn man die Schritte aus dem Artikel durchdacht und durchlebt hat, dann stellt sich folgende Frage:
In welcher Religion wird Gott direkt wirklich angebetet? Und zwar so, wie es schon eh und je geschah? In welcher Religion ist der Gottesbezug am größten? Welche Religion liefert Antworten auf die Ursprungsfrage, auf die Sinnfrage, auf die Theodizee Frage? Welche Religion ermöglicht eine tiefe Spiritualität, nicht selbstzentriert, sondern zum Schöpfer hin?
Es gibt sicher einige kleinere Religionen, wo man das auch sagen könnte. Diese sind aber dann exklusive Sonderfälle wie das Judentum oder alte persische monotheistische Religionen, um einmal zwei Beispiele zu nennen. Wenn es aber Gott gibt, dann muss er sich auf einem Weg finden lassen, der für alle Menschen auffindbar ist und ein in sich stimmiges Konzept hat und eine Kontinuität in theologischen Aussagen. Verschiedene Interpretationen von theolischen Nebenfragen gibt es immer, aber die Kernpunkte können nicht eine Facette oder Frage der Betrachtungsweise sein: wer ist Gott? Was passiert nach dem Tod? Was ist der Sinn dieses Lebens? Warum gibt es Leid auf der Erde? Hier darf man erwarten, dass Gott klare Aussagen für den Menschen gemacht hat und das nicht Diskussionsrunden überlässt oder wie er Qur’an sagt „sie raten und vermuten ja nur“.
Der Islam, damit meine ich nicht Traditionen, Kulturen, mal gehört oder bei GalileoTV gesehen, ist reiner Monotheismus. Es gibt nur einen Gott. Man betete Gott direkt an ohne weitere Zwischenebenen. Man bittet Gott alleine um Hilfe und um Vergebung. Letztlich kann man als Alternative auch die Evangelien Matthäus, Markus und Lukas lesen und findet direkt 80% islamischen Kontext – von Jesus! Der Islam hat viele Vorteile wie Kulturen, Communities, schöne Moscheen und Gelehrte mit viel Wissen. Aber es sind Add-Ons, sie sind nicht konstituierend. Den Islam kann man ganz für sich alleine leben, man ist nur mit seinem Schöpfer. Und nichts, wirklich nichts, hat mich mehr befreit, fasziniert und berührt. Allah genügt mir (Qur’an 39:38).
Selbst wenn ich nun den Bruder Jesu Jakobus aus dem NT zitiere, so finde ich die Umsetzung dieser Lehren heute im Islam wie nirgendwo sonst wieder: “Ein reiner unbefleckter Gottesdienst vor Gott dem Vater ist der: Die Waisen und Witwen in ihrer Trübsal besuchen und sich von der Welt unbefleckt erhalten; 7 So seid nun Gott untertan. Widersteht dem Teufel, so flieht er von euch. 8 Naht euch zu Gott, so naht er sich zu euch. Reinigt die Hände, ihr Sünder, und heiligt eure Herzen, ihr Wankelmütigen.” (Jakobus 1:27; 4:7,8)Oder wie es in Micha 6:8 heisst: “Es ist dir gesagt, o Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert: Was anders als Recht tun, Liebe üben und demütig wandeln mit deinem Gott?”
In vielen Artikel auf Blackwater.live habe ich immer wieder gerne die Bibel zitiert und werde es weiterhin tun. Denn so wird klar, wie islamisch tausende von Kernaussagen der Bibel sind und dass ein Großteil der christlichen Religion, von Sekten und Sondergemeinschaften ganz zu schweigen, weit davon weg ist.
Man könnte die Überlegung auch noch weiter herunterbrechen: das Universum hat einen allmächtigen Schöpfer. Es kann nicht falsch sein den anzubeten, der alles gemacht hat! Es kann aber sehr wohl falsch sein anzubeten, was er erschaffen hat. Und genau das sagen die Schriften.
Der Islam ist eine Religion, aber keine Institution wie christliche Kirchen. Der Islam ist in seiner Kernaussage klar und einfach und doch birgt er in sich ein Universum an Wissen. Er lässt sich auf einen kleinen Regenschauer an Taten wie das Bekenntnis zu Gott, Gebet, Fasten und Gutes tun beschränken, ist aber gleichzeitig ein tiefer Ozean der Spiritualität.
Das Interessanteste ist, dass man zum Islam nicht dadurch findet, dass man Mitglied in irgendeinem Club wird oder irgendwelchen Menschen „followed“. Das Label Islam ist eigentlich nur ein Label für Menschen mit einer Bedeutung, die sich erst auf den zweiten Blick erschliesst. Alleine das sollte einem zu Denken geben: zum Islam konvertiert man, indem man bei vollem Bewusstsein und reiner Intention sich in einem persönlichen Moment zu Gott bekennt. Es ist ein Bund zwischen dem Schöpfer und einem selbst und die wichtigste Erklärung des Lebens (mehr dazu im kommenden al Fatiha Artikel). Von nun an ist man auf diesem Weg. Es wird Höhen und Tiefen geben. Man wird fallen, Fehler machen. Aber es ist immer jemand da, der vergibt wenn wir weiter machen. Wie ein kleines Kind das laufen lernt. Es stolpert manchmal und fällt, aber die starke Hand des Papas ist da. Das Kind lernt durch das Fallen und wird besser. Der Mensch lernt durch Fehler und wird besser. Das ist das islamische Konzept von „Soul Making„. Jeder befindet sich auf diesem Weg an einem anderen Punkt, daher machen Vergleiche keinen Sinn. Aber egal wie schwach man ist und wie viele Probleme man hat, es ist wichtig auf dem richtigen Weg zu sein. Das ist doch das Entscheidende. Mit diesen Gedanken im Hinterkopf können wir uns die Fragen von vorhin nochmals anschauen:
Nicht zu wissen ist kein Fehler, es dabei zu belassen schon. Jeder Weg führt letztlich irgendwo hin, aber wenn das Kriterium „Wahrheit“ ist, dann muss man schon bereit sein etwas zu „bezahlen“. Das ist kein Freelunch. Man muss bereit sein sich Fragen zu stellen, vor deren Antwort man vielleicht Angst hat, weil es Konsequenzen haben wird. Aber es ist eben auch der ultimative Test. Es zeigt sich, dass Menschen selten wirklich Antworten haben wollen, sie wollen hören was ihnen gefällt.
Wenn man schon denkt richtig zu sein, dann muss man unbedingt immer wieder das „Modell“ überprüfen. Dazu fordert der Islam auf, immer weiter nach Wissen zu streben. Und die Quellen sind unerschöpflich. Letztlich kann man sich bei einer Überprüfung des eigenen Glaubens aber folgende Fragen stellen:
Wird ein anderer Weg mich meinem Schöpfer näher bringen? Oder werde ich in eine endlose Leere fallen? Gibt es eine bessere Erklärung für die grossen Fragen des Lebens als die, die ich schon habe? Gibt es ein stimmigeres Konzept? Die Unwägbarkeiten des Unglaubens sind stets grösser als die des Glaubens.
Zeit. Wann ist es Zeit? Und für was? Zeit ist im Fluss. Unsere Gegenwart, der Moment eines Wimpernschlags, ein Lächeln, ein Atemzug, alles Zeit-Punkte auf dem Weg vom Jetzt in den nächsten Moment. Und in den nächsten Moment. Bis es auf einmal vorbei ist. Menschen leben und denken oft so, als wenn sie ewig Zeit hätten, als wenn das Leben unendlich lang hier wäre. Nicht umsonst sagten schon die Schriften des Alten Testaments: „Lehre uns bedenken, daß wir sterben müssen, auf daß wir klug werden.“ Psalm 90:12, Lutherbibel, 1912.
Im alten Testament der Bibel war noch völlig klar, was später in der Bibel verdreht werden sollte. Alle Menschen müssen sterben. So sagt auch der Qur’an dann:
كُلُّ نَفْسٍ ذَاۤىِٕقَةُ الْمَوْتِۗ ثُمَّ اِلَيْنَا تُرْجَعُوْنَ
Kullu Nafsin Dhā’iqatu Al-Mawti Thumma ‚Ilaynā Turja`ūna.
„Jede Seele wird den Tod kosten. Hierauf werdet ihr zu uns zurück gebracht.“ (29:57)
Der Qur’an verweist an vielen Stellen auf den Tod und eine finale Gerechtigkeit und der rote Faden zum Alten Testament der Bibel lässt sich sehr klar sehen. Nur ist die Botschaft nun nicht nur an die Kinder Israels gerichtet, sondern an alle Menschen. Das Wesen des EINEN Gottes ist das gleiche. Der Mensch ist aufgefordert nachzudenken und eine weise Entscheidung zu treffen. Diese Welt ist eine Prüfung und Gott, der im Verborgenen ist, beobachtet unsere Schritte. So sagte es auch einst Jesus Christus über Gott. Der selbe Jesus Christus, der auch darüber sprach: „Und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht zu töten vermögen; fürchtet vielmehr den, der Seele und Leib verderben kann in der Hölle!“ (Matthäus 10:28)
Es gäbe viele weitere Texte, die klar spätere reformistische christliche Vorstellungen konterkarieren und dazu braucht es nicht einmal das Alte Testament der Bibel, sondern Jesu Worte. Gerade das lässt auch den weiteren Schluss zu, dass der Qur’an später nicht ohne Grund kam, sondern es wurden Dinge nochmals richtig gestellt.
Heute haben insgesamt 4 Milliarden Menschen die direkte Möglichkeit die Wahrheit zu erfahren, weil sie mit christlichen und islamischen Inhalten sozialisiert wurden. Und so gut wie jeder andere Mensch hat davon schon einmal gehört, so dass das die Suche und Sehnsucht anstossen könnte. Könnte…
Wie immer steht es jedem frei an das „Universum“ zu glauben, seine Yogagemeinschaft oder das fliegende Spaghettimonster. Man kann auch selbst ernannten Führern oder dem Klerus nachlaufen, Greta Thunberg und ihrer alternativen Höllenerzählung von 2030 oder einem Lichtheiler für 200,00 USD die Stunde. Man kann dem Kosmos huldigen und die positive Energie anbeten. Geht alles, es steht jedem frei. Es hat aber Folgen, die wir heute schon sehen. Eine Gesellschaft, in der sich „richtig und falsch“ immer mehr auflösen, Menschen einsam und depressiv sind, Ängste haben. Eine Gesellschaft die verroht, in der die Nächstenliebe und die Liebe zum Guten verschwindet. Eine Gesellschaft die sich auf immer weniger Konsens einigen kann, die immer weiter in Bruchstücke zerfällt, obwohl sie sich so sehr an Sicherheit und Stabilität klammert. Alles Schöne und Gute wird verfallen, weil es immer weniger definierbar ist. Eine Gesellschaft der seelischen Vereinsamung und des Hedonismus. Eine Gesellschaft der Ablenkung und des Rauschs. Letztlich wird das Experiment „wir können es besser“ scheitern. Wir können es nicht, das bekommen wir Tag für Tag vor Augen geführt.
Eltern können nicht einmal mehr ihrem kleinen Kind mit reinem Herzen beantworten, wer all die Schönheit einer Blumenwiese im Frühling gemacht hat, wer sich das Lieblingstier ausgedacht hat, woher all diese Liebe kommt. Was muss das für ein Schlag in das Herz dessen sein, der alles als eine Liebeserklärung für uns Menschen erdacht hat? Und doch ist es nur eine kleine Erinnerung. Ein Weckruf.
Es ist im Menschen veranlagt, das er anbeten will. Genauso das Wissen um seinen Herrn. So beschreibt es das Konzept der Fitra im Islam. Bei kleinen Kindern ist das noch recht deutlich zu erkennen, es verblasst dann aber mehr und mehr mit der Sozialisierung. Man kann lange weglaufen, wie einst der Prophet Jona, der im Alten Testament und im Qur’an beschrieben wurde. Er lief vor seiner Aufgabe weg, Menschen heute laufen vor ihrem Schöpfer weg. Und solange wir das tun, wird diese Leere nicht verschwinden. Auch wenn wir sie mit anderen Dingen füllen. Es wird immer Momente geben, in denen wir alleine sind. Oder wir sehen den Sternenhimmel oder eine kleine Blaumeise landet auf unserem Balkon. Das sind die kleinen Erinnerungen, dass es da noch etwas Größeres gibt und wir vielleicht einmal nachdenken sollten. Und da unsere Zeit begrenzt ist, sollten wir damit nicht zu lange warten.
Ja, wir leben in einem freien Land. Und das hat unglaubliche Vorteile. Denn auch das Leben hier lässt sich dadurch geniessen, es gibt viele schöne Dinge an denen wir uns freuen können. Das ist alles ok und gut, solange wir dankbar sind. Niemand erwartet von uns Askese, auch Gott nicht. Wir sollen uns freuen und glücklich sein. Und wenn das nicht geht, dann haben wir eine Hoffnung, wenn wir richtig gewählt haben. In jedem Land der Welt gibt es andere Lebensumstände und Herausforderungen. In einem freien und wohlhabenden Land zu leben bringt die Herausforderung mit sich zu wählen. Eine politische Partei, die Farbe des Autos, kaufen oder mieten und was wir morgen essen wollen. Es ist aber auch die Wahl anzubeten oder nicht. Und vor allem wen.
Wählen wir weise.
قَالَ سَلٰمٌ عَلَيْكَۚ سَاَسْتَغْفِرُ لَكَ رَبِّيْۗ اِنَّهٗ كَانَ بِيْ حَفِيًّا
Er sagte; „Frieden sei mit dir. Ich werde für dich meinen HERRN um Vergebung bitten. Denn ER ist mir gegenüber immer großzügig gewesen.
Qur’an, Sure Maryam (Maria), 47. Übersetzung nach Amir Zaidan