Ein kurzer Start in das Thema. Stand Juni 2023 haben wir ja nun rückläufige Inflationszahlen. Die Faktoren dafür sind ein bunter Strauss an Dingen, die Zinserhöhungen spielen dabei nicht unbedingt die Hauptrolle, eher die wirtschaftliche Eintrübung in der Eurozone und nun auch in Deutschland.
Die Inflationsrate in Deutschland wird im Mai 2023 voraussichtlich +6,1 % betragen. Gemessen wird sie als Veränderung des Verbraucherpreisindex (VPI) zum Vorjahresmonat. Damit ist die Inflationsrate im Mai 2023 weiterhin rückläufig (April 2023: +7,2 %, März 2023: +7,4 % und Februar 2023: +8,7 %).
https://www.destatis.de/DE/Themen/Wirtschaft/Preise/Verbraucherpreisindex/_inhalt.html#
Man liest nun bei einigen Analysten wie Dr. Daniel Stelter, dass das nur die Vorstufe zu einer viel höheren Inflation sein wird. Wissen tut das niemand, aber es wäre ein klassisches Szenario:
Wirtschaftliche Eintrübung, Rezession und deflationärer Trend. Unternehmen gehen in die Pleite oder zumindest in die Schieflage, Verbrauchervertrauen bricht ein (und damit der Konsum) ... etc.
Darauf wird dann wieder mit Geldschleusen öffnen reagiert und dann geht es richtig los. Ist ist ein klassische Szenario, wie es jedes VWL Buch beschreibt.
Ich HOFFE es kommt anders - für uns alle. Aber schauen wir mal. Ich wollte die Gelegenheit nutzen um das mal wieder zu dokumentieren.
Im idealen Fall kommen wir wieder leicht davon und haben einfach eine langfristig erhöhte Inflation zum Entschulden der Staatshaushalte, die aber in der Breite für Wohlstandsverluste sorgen wird.
Der U-Krieg ist darin natürlich auch eingepreist.
Leider hat es mir beim letzten Mal den Rechner gecrasht, als ich hierauf kommentieren wollte. Ich hoffe, ich bekomme die Sachen nochmal zusammen...
Generell ist das Thema Inflation viel wichtiger für Otto Normalbürger als viele andere Themen, die täglich durch die Medien gezerrt werden. Leider geschieht Inflation meistens langsam und schleichend, d.h. man bemerkt es nicht sofort. Mittel- und langfristig ist das soziale Sprengpotential aber sehr gross!
Die Inflationsrate in Deutschland wird im Mai 2023 voraussichtlich +6,1 % betragen. Gemessen wird sie als Veränderung des Verbraucherpreisindex (VPI) zum Vorjahresmonat. Damit ist die Inflationsrate im Mai 2023 weiterhin rückläufig (April 2023: +7,2 %, März 2023: +7,4 % und Februar 2023: +8,7 %).
Wichtig: die Inflationsrate ist rückläufig im Vergleich zu den Vormonaten, aber trotzdem noch 6.1% höher als der Mai 2022. Von Entwarnung würde ich hier noch lange nicht sprechen. Ich will gar nicht anfangen von all den Möglichkeiten, wie elegant man den statistischen Warenkorb für seine Zahlen anpassen kann...
Man liest nun bei einigen Analysten wie Dr. Daniel Stelter, dass das nur die Vorstufe zu einer viel höheren Inflation sein wird. Wissen tut das niemand, aber es wäre ein klassisches Szenario:
Ich finde es immer wieder faszinierend, wie die Wirtschaftswissenschaftler versuchen, für ihre Wissenschaft eine Exaktheit zu definieren. Also: Leitzinsen erhöhen = Inflation geht nach unten.
Aus meiner Sicht (Wirtschaft im Nebenfach; generell sehr wirtschaftlich interessiert - sowohl mikro- als auch makroökonomisch) sind dort viel zu viele Variablen im System, als dass diese Gleichung so einfach aufgehen kann. Natürlich will ich nicht in Abrede stellen, dass es durchaus auch schlaue Köpfe bei der FED/EZB oder der BIZ (dort wohl noch am ehesten) gibt. Trotzdem haben sich viele der Modelle, welche im Vorfeld berechnet wurden, meist als falsch herausgestellt. Hier verweise ich gerne nochmal auf die Bücher von Nassim Taleb, der das gut beschreibt.
Unternehmen gehen in die Pleite oder zumindest in die Schieflage
Ich denke, dass wir einige Zombieunternehmen im Markt haben, welche sich bisher durch die niedrigen Zinsen noch über Wasser halten konnten. Hier ist eine Marktbereinigung durchaus angebracht, auch wenn dies kurzfristig schmerzhaft sein kann. Es bleibt spannend in diesem Bereich in den nächsten Monaten.
Darauf wird dann wieder mit Geldschleusen öffnen reagiert und dann geht es richtig los. Ist ist ein klassische Szenario, wie es jedes VWL Buch beschreibt.
Der Screenshot bzgl. den 1920er Jahren ist (vermutlich) nicht ganz vergleichbar. Damals haben die Reparationszahlungen aufgrund der Versailler Verträge sowie die Besetzung des Rheinlandes durch Frankreich dazu geführt, dass man versucht hat die Schulden weg zu inflationieren. Kann man (aus meiner Sicht) nicht wirklich mit der heutigen Situation vergleichen.
Ich HOFFE es kommt anders - für uns alle. Aber schauen wir mal. Ich wollte die Gelegenheit nutzen um das mal wieder zu dokumentieren.
Das hoffe ich auch ganz stark! Danke für die Screenshots und das Dokumentieren. Ich lehne mich mal aus dem Fenster und sage voraus, dass keine der Prognosen für 2024 stimmen wird (egal von welchem Institut). Aber wer bin ich schon? 😜
Im idealen Fall kommen wir wieder leicht davon und haben einfach eine langfristig erhöhte Inflation zum Entschulden der Staatshaushalte, die aber in der Breite für Wohlstandsverluste sorgen wird.
Den Zentralbanken kommen aus der Nummer nicht so einfach raus. Die Geldmenge ist viel zu sehr aufgeblasen worden, und nun will der Geist nicht mehr zurück in die Flasche. Das ist wie der Drogenabhängige, der jedes Mal eine grössere Dosis braucht, um einen Kick zu bekommen. Ich sehe leider keine guten Optionen für eine sanfte Lösung.
Also: Leitzinsen erhöhen = Inflation geht nach unten.Niemand wird bestreiten, dass es noch weitere Variablen in der Gleichung gibt, aber bisher war für mich unstrittig, dass es kausale Zusammenhänge zwischen "niedrigen Zinsen - Geldmengenausweitung - Inflation" gibt.Aus meiner Sicht (Wirtschaft im Nebenfach; generell sehr wirtschaftlich interessiert - sowohl mikro- als auch makroökonomisch) sind dort viel zu viele Variablen im System, als dass diese Gleichung so einfach aufgehen kann.
Natürlich konzentriert man sich auf die Stellschrauben, welche die größte Wirkung erzielen. Warum sollte man sich auch um die Stellschrauben kümmern, die nur im ppm-Bereich verändern?
aber bisher war für mich unstrittig, dass es kausale Zusammenhänge zwischen "niedrigen Zinsen - Geldmengenausweitung - Inflation" gibt.
Ja und nein. Die Geldmengenausweitung ist ja nicht erst seit 2020 so, sondern schon seit 2007/08 oder wenn man noch weiter zurückgeht seit 1971.
In den 2010er Jahren haben sind die Leitzinsen nur noch nach unten gegangen, aber es gab trotzdem keine Inflation. Hierzu muss man Inflation natürlich definieren. In manchen Asset-Klassen (Aktien, Immobilien) gab es eine Asset-Inflation, aber Lieschen Müller hat das nicht betroffen beim Kauf eines Brotes oder Butter (ist trotzdem angestiegen).
Die Frage aus meiner Sicht wäre dann: warum ist das ganze gedruckte Geld nicht vorher in der Realwirtschaft angekommen? Also wenn die Kausalkette wirklich "niedrige Zinsen - Geldmengenausweitung - Inflation" ist? Ich persönlich glaube, dass die Kausalkette so nicht mehr stimmt. Das Geld kam nicht in der Wirtschaft als Kredite an, sondern ist in den Händen von Gruppen gelandet, die eh schon genug Geld hatten.
Aber hey - das ist natürlich wieder nur weipi's Sicht der Dinge. Habe weder einen Dr.- noch Professoren-Titel in Wirtschaft 😉
aber es gab trotzdem keine Inflation.Ahaa 🤔
...
gab es eine Asset-Inflation
Die Frage aus meiner Sicht wäre dann: warum ist das ganze gedruckte Geld nicht vorher in der Realwirtschaft angekommen?Du hast die Frage weiter oben selbst beantwortet. Du investiert dein Geld doch auch dort, wo man das beste Chance-Risikoverhältnis dafür erhält.
Oder anders beantwortet: weil die verdammten Gäule nicht saufen wollten, obwohl man sie zur schönsten Wasserquelle geführt hat.
Ahaa 🤔
Mensch presskoppweck. Deshalb hatte ich doch weiter oben geschrieben: "Hierzu muss man Inflation natürlich definieren" 🙂 Also sprechen wir über Kerninflationsrate oder Asset-Inflation.
Du investiert dein Geld doch auch dort, wo man das beste Chance-Risikoverhältnis dafür erhält.
D.h. du meinst, dass die Banken die Kohle lieber an die gut Situierten geben, als an den darbenden Unternehmer?
Kerninflationsrate oder Asset-InflationJeder der bis vor einem guten Jahrzehnt auch nur ein bisschen VWL am Hut hatte, konnte aus dem Stehgreif die Definition des volkswirtschaftlichen Begriffes Inflation auswendig aufsagen: Inflation ist die jährliche Veränderung im Verhältnis von umlaufender Geldmenge zu BIP.
Die Österreicher (Böhm-Bawerk, Hajek, Mieses ...) haben das sogar noch rigoroser gesehen.
Du willst mir doch hoffentlich dieses komische 'Beruhigungskonstrukt für das Wahlvolk' namens VPI nicht als Inflation verkaufen wollen.
dass die Banken die Kohle lieber an die gut Situierten gebenOh du barmherziger Samariter. Derjenige ist Lieblingskreditnehmer, der die größte Wahrscheinlichkeit liefert, dass die Bank das Geld zurück erhält. Und je schlechter die Zeiten, desto rigoroser das Risikomanagement.
Das ändert aber nichts daran, dass es auch Zeiten gab, wo die Unternehmen nur wenig investieren wollten.
Du willst mir doch hoffentlich dieses komische 'Beruhigungskonstrukt für das Wahlvolk' namens VPI nicht als Inflation verkaufen wollen.
Genau deshalb fragte Waldorf, wie man Inflation denn definieren möchte. Frage drei verschiedene Wiwi's und erhalte vier Antworten auf diese Frage 😉 Oder stelle die Frage einem Keynes-, einem Österreicher- und einem MMT-Anhänger. Jeder wird dir das vermutlich etwas anders beantworten.
Alleine die Messung der Inflation bietet Spielraum für zig verschiedene Interpretationen ( https://en.wikipedia.org/wiki/Inflation#Measures) Die Angelsachsen verwenden aber z.B. den CPI sowie den PPI dafür.
VWLer sind aus meiner Sicht halt die Theoretiker im Elfenbeinturm. Ohne zig Modellannahmen funktioniert da gar nichts. Wenn die Modelle mal auf die Realität treffen, dann geht's eher aus wie der berühmte Spruch von Mike Tyson: "Everybody has a plan, until he gets punched in the mouth"
Nehmen wir aber mal die VWL-Definition von oben:
statista.com - USA: Bruttoinlandsprodukt (BIP) in jeweiligen Preisen von 1980 bis 2022 und Prognosen bis 2028 - side-note: finde die Vorhersage bis 2028 schon wieder lustig. Wir können nicht vorhersagen, wie morgen das Wetter wird, aber glauben zu wissen wie hoch das BIP/GDP in 2028 sein soll...
https://de.tradingeconomics.com/united-states/money-supply-m2
https://fred.stlouisfed.org/series/M2SL
Wenn ich Geldmenge M2 und BIP mal vergleiche, hätte es bereits in 2021 zu einem deutlichen Anstieg der Inflation kommen müssen. Also zumindest laut der VWL-Definition. Deshalb ist die Verständigung darüber, was genau man mit Inflation definiert, so wichtig.
Daten für die Euro-Zone sind etwas schwieriger zu bekommen, da man dort die BIPs aller EU-Länder (mit dem Euro als Währung) vergleichen müsste zur Geldmenge der EZB.
Habe bei der kurzen Recherche noch zwei sehr gute Links gefunden: brokervergleich.de - Entwicklung von Geldmengen und Aktienmärkten. Dort wird der Einfluss von M1 und M2 auf die Aktienmärkte (USA sowie Europa) analysiert. Hier müsste man zudem noch die Steigerung der Produktivität mit betrachten um ein besseres Gesamtbild zu bekommen.
2. Link: hayek-institut.at - Auswirkungen der Inflation - Inflation aus Sicht der Österreicher (auch sehr lesenswert)
Side-note: der grosse Fokus auf das BIP/GDP hat seine eigene Tücken. (nachhaltigkeit.info - klick, deutschlandfunk.de - klack, Gegensicht: sueddeutsche.de - kluck) Nur ein paar davon:
- Bildungs- und Gesundheitsausgaben werden im BIP nur als Konsum und nicht als Investition in Humankapital gewertet
- Veränderungen des Naturkapitalstocks durch Umweltverschmutzung oder Ressourcenknappheit werden nicht berücksichtigt
- Ausgaben für Aufräumarbeiten nach einem Öltankunfall zählen zum BIP, auch wenn die Natur dadurch einen Schaden erleidet
- Kriminalität kann sogar zu einer Steigerung des BIP führen, weil Polizeieinsätze und Besitzschäden zu Ausgaben führen.
Aber gut, es ist besser als nichts. Andere Diskussion...
Derjenige ist Lieblingskreditnehmer, der die größte Wahrscheinlichkeit liefert, dass die Bank das Geld zurück erhält. Und je schlechter die Zeiten, desto rigoroser das Risikomanagement.
Valid point. Wobei ich beim Thema Risikomanagement von Banken auch ein paar Dinge erzählen könnte (Stichwort: 110% Finanzierungen von Immobilien bis vor nicht allzu langer Zeit)
Hier wäre auch mal ein Vergleich von Banken in den USA und Europa sinnvoll. Also wer mehr Geld für die Wirtschaft zur Verfügung stellt. Und klar: es ist auch ein ganz anderes Umfeld mit Venture Capital in der EU vs. den USA. Again: other discussion.
Jungs tolles Datenmaterial hier! Große Klasse! Wir haben in dieser Community bald jedes irgendwie relevante Thema abgedeckt was Finanzen angeht! Weiter so!!!!
wie man Inflation denn definieren möchte.Was würde ich zumindest ausschließen? Für eine volkswirtschaftliche (gesamtwirtschaftliche) Betrachtung ist der CPI ungeeignet, da er nur einen kleinen Aspekt betrachtet.
Mir erscheint die alte Kennziffer (Veränderung Geldmenge/BIP) weitaus besser geeignet. Die Diskussion, welche Randbedingungen man bei Geldmenge und BIP ansetzt, ist doch eher eine sekundäres Problem. Die Varianzen, die sich dadurch ergeben, sind weit geringer als die Unterschiede CPI zu (Veränderung Geldmenge/BIP).
ür eine volkswirtschaftliche (gesamtwirtschaftliche) Betrachtung ist der CPI ungeeignet, da er nur einen kleinen Aspekt betrachtet.
Ich gebe dir ja Recht. Dummerweise orientieren sich die Währungshüter (FED) aber durchaus am CPI. Schau dir die Ergebnisse von gestern an in den USA, und wie der Aktienmarkt rasant gestiegen ist nachdem die Erwartungen besser ausgefallen sind als erwartet.
Selbst die Leute bei der FED nutzen den CPI/PPI als einen Faktor für die Anpassung der Leitzinsen.
Die Varianzen, die sich dadurch ergeben, sind weit geringer als die Unterschiede CPI zu (Veränderung Geldmenge/BIP).
Ich versuche es mal von einem anderen Gesichtspunkt: Max Mustermann mit einem Job im Niedriglohnsektor trifft der CPI/PPI (bzw. VPI/PPI auf deutsch) deutlich härter als den Gutsituierten mit 6/7-stelligem Portfolio und eigenem Wohneigentum. Von daher finde ich die Kerninflationsrate durchaus wichtig.
Die Grafiken für die Erzeugerpreisindizes sind interessant:
Energie immer noch bei 208 Punkten im April 2023 (im Vergleich zu 100 Punkten in 2015)
Stell dir vor, das ZK der SED wolle den Mangel an Südfrüchten dadurch lindern, dass es Salatgurken als Spreewaldbananen verkauft. Selbst ein Salatgurkenfan würde sich da verarscht vorkommen, wie soll sich da erst ein Bananenliebhaber fühlen.
Von daher finde ich die Kerninflationsrate durchaus wichtig.So lange man CPI nicht Inflation sondern Verbraucherpreisindex nennt, hab ich nix dagegen diesen Indikator für gewisse Dinge zu nutzen.
Selbst die Leute bei der FED nutzen den CPI/PPI als einen Faktor für die Anpassung der Leitzinsen.Die machen auch sonst Dinge, über die wir den Kopf schütteln. Selbst Millionen Fliegen können irren ...
Stell dir vor, das ZK der SED wolle den Mangel an Südfrüchten dadurch lindern, dass es Salatgurken als Spreewaldbananen verkauft. Selbst ein Salatgurkenfan würde sich da verarscht vorkommen, wie soll sich da erst ein Bananenliebhaber fühlen.
Ich mag deine plastischen Vergleiche 🙂
Die machen auch sonst Dinge, über die wir den Kopf schütteln. Selbst Millionen Fliegen können irren ...
Sagte er und investierte in iShares und Vanguard ETFs 😉 (PS: nicht, dass ich das anders machen würde...)
Energie immer noch bei 208 Punkten im April 2023 (im Vergleich zu 100 Punkten in 2015)
Das richtige Wählen des Betrachtungszeitraums hilft immer seine Botschaft rüberzubringen:
Von 2014 auf 2015 sind die Preise für ein Barrel Öl um fast 50% gefallen. Im Vergleich zu 2014 würde das also ganz anders aussehen.
Ich denke Öl hat einen grossen Anteil an dem Energepreisindex.


