Liebe Community,
ich erbe demnächst etwas Geld in CHF von meinem Vater und möchte das klug anlegen. Ich habe bei der Schweizer Niederlassung von Swissquote ein Konto eröffnet und möchte davon, naja klar, Schulden bezahlen, und dann einen Teil als Altersvorsorge investieren. Ich bin nicht mehr ganz der Jüngste, da macht das Sinn.
Ich bin Schweizer (Wohnsitz DE) und von meinen Eltern eigentlich gewohnt, in das Vanguard Dickschiff "VT" zu investieren. Das geht in Deutschland nicht, über Swissquote aber schon. Nun frage ich mich, ob das eine kluge Idee ist, oder ob das steuerlich vom Aufwand her einen irrsinnigen Aufwand bedeutet, zumal die ja auch nicht thesaurierend, sondern ausschüttend sind. Der TER ist einfach unschlagbar.
Klar, ich kann auch in das UCITS-konforme SPDR IMI oder so investieren, aber ich wollte eure Meinung hören. Wir lassen unsere Steuer vom Steuerring erstellen, es sollte also irgendwie nicht zu komplex sein.
Ich erbe ca. 95t. Ich würde davon einen Teil der Schulden abzahlen (40t), dann im Haus Luft-Luft-Wärmepumpen installieren (weg vom Gas, ca 15t), dann einen Notgroschen (10t) und den Rest investieren.
Ach ja, und muss ich das Erbe irgendwo melden? Das ist in Deutschland bestimmt der Fall.
Herzlich Alioscha
Der TER ist einfach unschlagbar.
Der S&P500 (VOO) von denen ist mit 0.03 % p.A. noch günstiger. Typisch für reine US-Large-Cap-ETFs — extrem effizient, da der Markt hochkonzentriert und liquide ist.
🤣
Aber ganz offen, wir sind in so günstigen Bereichen (0.03% vs. 0.2%), da fällt das bei dem Startkapital (30.000 CHF) auch nicht mehr ins Gewicht.
In der Schweiz Geld anzulegen ist einfach eine Grundsatzfrage. Es macht nicht für jeden Sinn. Wer weiß dass er so oder so auf jeden Fall in Deutschland bleibt, keinen Auslandsbezug hat (mehrere Wohnsitze oder die Möglichkeit dazu), der braucht bei kleineren Beträgen sich m.E. den Mehraufwand nicht unbedingt zu machen.
Als Erbe (oder Vermächtnisnehmer) bist Du verpflichtet, den Erwerb innerhalb von 3 Monaten nach Kenntnis vom Erbfall dem zuständigen Finanzamt schriftlich anzuzeigen (außer ein Gericht im Falle des Todes des Erblassers das Testament eröffnet). Du musst Name, Adresse, Steuer-ID und Verhältnis zum Erblasser angeben und Gegenstand und grober Wert des Erwerbs. Du kannst das formlos per Brief oder E-Mail machen.
Da Dein Vater ja noch lebt, wird niemand sonst das im Regelfall melden, so meine Erfahrung in den meisten Fällen. Eine Kontrollmitteilung der Bank ist eher Zufall/Algo. Und Du liegst auch im Rahmen des Freibetrags der Erbschafts- und Schenkungssteuer.
Liebe Community,
Ich bin ganz geflasht von den Möglichkeiten der neuen Zeit 🤣
Ja, du musst das Erbe in Deutschland anzeigen. Als in Deutschland wohnhafter Erbe besteht eine Anzeigepflicht gegenüber dem Finanzamt innerhalb von drei Monaten nach Kenntnis des Erbfalls (§ 30 ErbStG), besonders weil der Erblasser in der Schweiz saß und Auslandsvermögen involviert ist.
Das Finanzamt entscheidet dann, ob eine Erbschaftsteuererklärung nötig ist. Bei ca. 95k CHF und enger Verwandtschaft (Vater) gibt es hohe Freibeträge (400.000 € für Kinder), sodass wahrscheinlich keine oder nur geringe Erbschaftsteuer anfällt. Aber die Anzeige ist Pflicht, sonst riskiert man Ärger. Dein Steuerberater kann das schnell erledigen.
Deine Aufteilung (40k Schulden + 15k Wärmepumpe + 10k Notgroschen)
Das ist sehr solide.
- Schulden tilgen, besonders teure, hat eine risikofreie "Rendite" in Höhe des Zinssatzes.
- Wärmepumpe: Gut fürs Klima, Energieunabhängigkeit und potenziell Förderung (BAFA/KfW prüfen – oft 20-40% Zuschuss möglich).
- 10k Notgroschen auf einem Tagesgeldkonto (aktuell ~3-4% Zinsen) ist angemessen.
Bleiben ca. 30k CHF zum Investieren.
Vanguard VT über Swissquote?
VT (Vanguard Total World Stock ETF) ist ein absolutes Dickschiff und prinzipiell eine der besten "One-ETF"-Lösungen weltweit (hohe Diversifikation, sehr niedriger TER ~0,07%).
Vorteile bei Swissquote:
- Du kannst ihn kaufen (US-domiciled).
- Sehr günstige Handelskonditionen bei Swissquote für ETFs.
Nachteile für dich als DE-Steuerresident:
- Ausschüttend: Die Dividenden werden ausgeschüttet und unterliegen der Abgeltungsteuer + Soli (plus evtl. Kirchensteuer). Swissquote zieht keine deutsche Steuer automatisch ab – du musst das in der Steuererklärung selbst machen.
- US-Quellensteuer: 15% auf Dividenden (kann teilweise angerechnet werden).
- Steueraufwand: Jedes Jahr Ausschüttungen + Kursgewinne bei Verkauf. Mit Steuerring ist das aber machbar, kein "Irrsinn".
- Kein automatischer Steuerabzug wie bei deutschen Brokern.
Viele Schweizer oder Grenzgänger fahren mit VT gut, besonders weil der TER unschlagbar ist und man den Steueraufwand gering hält. Aber es ist nicht optimal für deutsche Steuerpflichtige im Vergleich zu UCITS-thesaurierenden Alternativen.
Bessere Alternativen (UCITS)
Für deutsche Residenten sind meist irische UCITS-ETFs (thesaurierend) steuerlich eleganter wegen des Zinseszinseffekts durch Thesaurierung + Vorabpauschale. Gute Welt-ETFs:
- Vanguard FTSE All-World UCITS ETF (VWRL / IE00B3RBWM25 – ausschüttend oder accumulierend)
- iShares Core MSCI ACWI UCITS ETF
- SPDR MSCI ACWI (wie du erwähnt hast)
Diese sind in der EU reguliert, meist thesaurierend verfügbar und werden von vielen Brokern (auch Swissquote) angeboten. Der TER-Unterschied zu VT ist minimal (0,20% vs. 0,07%), aber der Steuervorteil durch Thesaurierung kann sich über Jahrzehnte lohnen.
Mein Vorschlag für dich
- Kern: Einen breiten Welt-ETF (All Country World).
- Bei Swissquote bleiben lohnt sich wegen der niedrigen Gebühren und einfachen Handhabung, besonders wenn du schon Kunde bist.
- Lass dir von deinem Steuerberater bestätigen, wie Swissquote-Steuernachweise in die deutsche Erklärung passen (sie stellen welche aus).
Langfristig (Altersvorsorge): Bleib bei 80-100% Aktien, wenn du die Volatilität aushältst. Mit Mitte/Ende 40+ kannst du später langsam in Anleihen mischen.
Für deutsche Residenten sind meist irische UCITS-ETFs (thesaurierend) steuerlich eleganter wegen des Zinseszinseffekts durch Thesaurierung + Vorabpauschale. Gute Welt-ETFs:
- Vanguard FTSE All-World UCITS ETF (VWRL / IE00B3RBWM25 – ausschüttend oder accumulierend)
- iShares Core MSCI ACWI UCITS ETF
- SPDR MSCI ACWI (wie du erwähnt hast)
Bist Du denn in D steuerpflichtig?
Müsstest Du dann nicht mit einem Schweizer Swissquote Konto dich selbst um die Abführung der "Vorabpauschale" kümmern?
Weiss einer der Experten hier Bescheid?
@lichtenberg99 Die Vorabpauschale muss man selbst abführen wenn man in Deutschland steuerpflichtig ist, weshalb die Empfehlung bei Schweizer Konten immer die ausschüttenden ETFs waren (bzw. ich empfehle das aus verschiedenen anderen Gründen ja ganz grundsätzlich).
Die einzig wirkliche Steueroptimierung ist es allerdings, wenn man in Deutschland nicht mehr steuerpflichtig ist 😉
@lichtenberg99 Die Vorabpauschale muss man selbst abführen wenn man in Deutschland steuerpflichtig ist, weshalb die Empfehlung bei Schweizer Konten immer die ausschüttenden ETFs waren (bzw. ich empfehle das aus verschiedenen anderen Gründen ja ganz grundsätzlich).
Ich bin auch eher Ausschütter :-). Hat auch den Vorteil, dass man schon mal einen Teil versteuert hat. Und dass man, wenn man mal wegziehen möchte oder muss, zukünftiger Behörden von welcher Regierung auch immer nicht mit absurden Steuersätzen auf unrealisierte Gewinne einem den Abgang "versüssen" kann.
Aber zu den ausschüttenden ETFs: Tatsächlich sicher ist man da nur, wenn man hoch ausschüttende Dividendenfonds nimmt, da die relevante Ausschüttungsquote über 70% vom Basiszinsatz von 3,2% (2,24%) liegen sollte. Das wird bei steigenden Basiszinssatz allmählich eng.
Ich packe tatsächlich den sicheren Teil meines Portfolios in die Schweiz - also langweilige Bundesanleihen. Da hat man auf wenigsten Admin Aufwand.
Alternativ z.B. bei Yuh auch deutsche Aktien, Yuh übernimmt sogar die Abführung der Kapitalertragssteuer auch wenn sie das als Verrechnungssteuer ausweisen.
Die einzig wirkliche Steueroptimierung ist es allerdings, wenn man in Deutschland nicht mehr steuerpflichtig ist
Ja. Mir kommt es tatsächlich bei den Schweizer Anlagen überhaupt nicht auf Steuerersparnisse an, sondern nur dass ich einen Teil meines Vermögens nicht im Zugriff der deutschen Behörden habe.
Vielen Dank für eure Antworten. Für mich ist das eben alles neu, plötzlich so viel Geld und irgendwie die Verpflichtung, es klug und umsichtig zu verwenden, es ist ja nicht wirklich mein eigenes Geld.
Ich überlege mir halt, das Geld gar nicht nach Deutschland reinzunehmen, sondern swissquote als Drehscheibe zu verwenden und die Altersvorsorge gleich dort zu lassen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich das Erbe auch dem Außenwirtschaftsamt anzeigen muss.
@lichtenberg99: "Alternativ z.B. bei Yuh auch deutsche Aktien, Yuh übernimmt sogar die Abführung der Kapitalertragssteuer auch wenn sie das als Verrechnungssteuer ausweisen."
Kannst du das bitte noch etwas genauer ausführen? Was meinst du mit deutschen Aktien? Dass du in deutsche Einzeltitel investierst, zb BASF, etc? Und was war da mit der Kapitalertragsteuer bei yuh?
@melanie-reichert: "Mit Mitte/Ende 40+ kannst du später langsam in Anleihen mischen."
Ich bin schon 50...
@Mrtn: nein, mein Vater lebt nicht mehr. Er hat auf dem Fußgängerstreifen gegen ein Motorrad verloren.
Kurz zusammengefasst, warum ausschüttende? Kannst auch nur einen Link zu den Begründungen setzen...


