Insgesamt stört mich die aktuelle Tendenz, überall mehr Staat zu fordern.
Dass das Problem sich durch Zwangsmietsenkungen oder Verstaatlichung lösen lässt, halte ich für eine Illusion.
Ich sehe das genau so. Es ist Populismus und löst das eigentliche Problem nicht.
Und nebenbei auch für wirtschlichen Schwachsinn, da man dann die Wohnungen, die man vor einigen Jahren billigst verscherbelt hat jetzt zu Höchstpreisen wieder zurückkauft.
Unterschreibe ich zu 100%. Ich kenne diverse Beispiele, wo Wohnungen entweder zu Schleuderpreisen an grosse Immobilienkonzerne verscherbelt oder gleich abgerissen wurden. Das ist noch nicht allzu lange her (2000 - 2005). Es wurde dort bewusst eine Wohnungsknappheit erzeugt, und es wurden auch nur wenige Neubauten zugelassen um die Mieten auf einem möglichst hohen Niveau zu halten. Der ganze Witz an der Geschichte: es sind dieselben Politiker / Parteien, die damals den Abriss und die Knappheit forciert haben, welche heute nach Mietendeckel etc schreien. (das Beispiel ist aus einer Universitätsstadt mit knapp über 100k Einwohnern)
Man kann die Verteilung knapper Güter marktwirtschaftlich regeln
Das ist leider nur die halbe Wahrheit. Wie @lichtenberg99 weiter oben geschrieben hat, gibt es nur noch wenige sehr grosse Fische im Bereich Immobilienkonzerne. Damit geht die Verteilung eher in Richtung Monopol bzw. Oligopol, was dazu führt, dass Preise nicht mehr vom Markt geregelt werden. Hinzu kommt, dass Immobilien in den vergangenen Jahren (Jahrzehnten) teilweise für Spottpreise an diese Konzerne verkauft wurden. Private Interessenten oder Mieter haben damals gar keine Möglichkeit bekommen, die Wohnungen zu erwerben (oder nur für deutlich mehr Geld).
Ich denke wir müssen allerdings eines beachten: jeder von uns wohnt woanders in DE (oder nicht mehr in DE) und hat dadurch seine persönliche Sichtweise auf den Bereich Immobilien. Die von mir beschriebenen Sachverhalte haben sich natürlich nicht in München oder Frankfurt zugetragen...
Ich kann mit meinem Wissen zwar nicht beurteilen warum wir bei der Wohnungssituation dahin gekommen sind wo wir jetzt stehen, ich sehe aber sehr wohl die Auswirkungen und diese gefallen mir überhaupt nicht. Ich kenne selbst zwei junge Familien mit jeweils zwei kleinen Kindern, die ihre Wohnung einfach nicht mehr finanzieren können, obwohl beide berufstätig sind. Die Rede ist hier von ganz normalen 70 - 80m² Wohnungen in einer 500.000 Einwohner Stadt und nicht von irgendwelchen abgehobenen Luxusobjekten. Diese jungen Menschen sind eigentlich gezwungen in andere, billigere Wohnungen zu ziehen, die sich vielleicht in Gebieten befinden, in denen man nicht so gerne wohnen möchte. Eigentlich kann es doch nicht sein, dass Familien mit zwei Fulltime Jobs ihre Wohnungen und damit auch ein Stück weit ihr Leben nicht mehr bezahlen können.
Ich kenne selbst zwei junge Familien mit jeweils zwei kleinen Kindern, die ihre Wohnung einfach nicht mehr finanzieren können, obwohl beide berufstätig sind.
Habe den entscheidenden Punkt mal fett markiert. Wenn beide Eltern berufstätig sind, sollte doch genug Geld reinkommen, damit man sich Miete und die Lebenshaltungskosten leisten kann. Leider ist Deutschland in einigen Bereichen zum Niedriglohnland verkommen. Steuern und Abgaben tun ihr übriges.
Weisst du, ob und wie viel die Mieten in den letzten Jahren für die Wohnungen erhöht wurden? Aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass der (damals) neue Eigentümer meiner Wohnung gleich erstmal eine nicht erlaubte Mieterhöhung von über 30% machen wollte. Konnte das Ganze zum Glück ohne Anwalt mit Verweis auf den Mietspiegel klären.
Das ist übrigens einer der (wenigen) Vorteile von Wohnungsgenossenschaften: die Preise sind vergleichsweise moderat und wird nicht versucht, jeden Cent herauszuquetschen.
@weip321
Ich weiß nur, dass vor ungefähr zwei Jahren eine saftige Mieterhöhung kam. Angeblich wegen Modernisierung der Wohnungen. Die genaue Höhe kenne ich leider nicht aber von da ab ging es irgendwie bergab. Die finanzielle Situation der beiden Familien war schon vorher eher angespannt. Deine Aussage zum Thema Niedriglohn kann ich voll und ganz bestätigen.
Auch im Anbetracht der noch ausgesetzen Insolvenz in DE sehe ich in den nächsten 2-3 Jahren eine massive Pleitewelle kommen. Aber das ist, wie immer, nur meine persönliche Meinung.
Die Insolvenzmeldepflicht für bilanzielle Überschuldung ist seit dem 01.05.2021 wieder aktiv. Die Insolvenzmeldepflicht für Zahlungsunfähigkeit seit Anfang 2021, wusste nur fast niemand weswegen es dort noch so einige Strafen geben wird wegen Insolvenzverschleppung...
Also wir können uns auf einen heißen Sommer/Herbst gefasst machen 🙂
Die Insolvenzmeldepflicht für bilanzielle Überschuldung ist seit dem 01.05.2021 wieder aktiv.
Interessant. Danke für die Info!
Also wir können uns auf einen heißen Sommer/Herbst gefasst machen
Da bin ich mir sicher. Ich weiss nicht, wie es aktuell in DE aussieht, aber ich habe Beispiele aus drei anderen Ländern. Dort habe ich bereits viele leere Gewerbeimmobilien gesehen. Habe gestern erst mit einem Freund (Unternehmer) gesprochen, und auch er hat vermehrt mit Kunden zu tun welche aktuell nicht zahlen können. O-Ton: "entweder wir bekommen längere Zahlungsfristen, oder wir gehen in Insolvenz". Wohlgemerkt: der Kunde hat eine fast vierstellige Anzahl an Mitarbeitern und Standorte in mehreren Ländern.
Kann man hier sehr gut beobachten: https://www.insolvenzbekanntmachungen.de/cgi-bin/bl_suche.pl
Ich weiss nicht, wie es aktuell in DE aussieht, aber ich habe Beispiele aus drei anderen Ländern.
Ich habe auch keine Infos aus erster Hand - aber bei uns wurde das durch die Tricks des Vertragsbruch (was anderes ist die Aussetzung einer Insolvenzmeldepflicht nicht) und die Hoffnung auf Hilfezahlungen (die oftmals bis heute nicht angekommen sind) kaschiert. Jetzt wird es auch voll auf unsere Banken zurollen.
Kann man hier sehr gut beobachten: https://www.insolvenzbekanntmachungen.de/cgi-bin/bl_suche.pl
Sehr cool. Danke für den Link!
Wie @lichtenberg99 weiter oben geschrieben hat, gibt es nur noch wenige sehr grosse Fische im Bereich Immobilienkonzerne. Damit geht die Verteilung eher in Richtung Monopol bzw. Oligopol, was dazu führt, dass Preise nicht mehr vom Markt geregelt werden.
"Wenn die Tatsachen nicht mit der Theorie übereinstimmen – umso schlimmer für die Tatsachen"
Die Mehrzahl der vermieteten Wohnungen gehört Privatpersonen, Immokonzerne haben bundesweit gesehen nur eine geringe Bedeutung (13%).
Selbst im Negativbeispiel Berlin stehen die Immokonzerne deutlich hinter den landeseigenen Baugesellschaften. Da haben wir noch nicht mal genossenschaftliche Träger berücksichtigt. Wenn wir in Berlin so was wie ein Oligopol haben, dann sind die Hauptoligopolisten die landeseigenen Baugesellschaften und Genossenschaften. Die Privaten sitzen nur am Katzentisch. Man könnte zum Schluß kommen, dass Berlin mehr um private Investoren werben sollte, schließlich sind die dort deutlich unterrepräsentiert.
Haufe hat diesbezüglich Zahlen, zwar zwei Jahre alt, aber so schnell verändert sich der Wohnungsbestand nicht:
https://www.haufe.de/immobilien/entwicklung-vermarktung/marktanalysen/zwei-von-drei-deutschen-mietwohnungen-in-privater-hand_84324_485658.html
PS: Interessant, wie schnell wir von einer Immoblase zur aktuellen Mangellage gekommen sind.
@presskoppweck Das Problem in Berlin ist sicher nicht ein Oligopol, das Problem ist, dass es einfach zu wenig Wohnungen gibt und die Chancen neue zu bauen, systematisch ignoriert werden (z.B. der ehemalige Flughafen in Tegel, auf dem jede Menge Wohnungen hätten gebaut werden können.
... das Problem ist, dass es einfach zu wenig Wohnungen gibt ...
Keine Bange, nicht mehr lange.
Das Problem löst sich doch durch die Vergesellschaftung der Aktiengesellschaft Deutsche Wohnen 🤮
@deepblackforrest : Danke für diesen Smiley
Haufe hat diesbezüglich Zahlen, zwar zwei Jahre alt, aber so schnell verändert sich der Wohnungsbestand nicht:
https://www.haufe.de/immobilien/entwicklung-vermarktung/marktanalysen/zwei-von-drei-deutschen-mietwohnungen-in-privater-hand_84324_485658.html
Danke für den Link! Ich hätte den privaten Unternehmen in der Tag einen grösseren Marktanteil zugetraut.
PS: Interessant, wie schnell wir von einer Immoblase zur aktuellen Mangellage gekommen sind.
Um zum eigentlichen Thema zurückzukommen. Anbei die Entwicklung der Immobilienpreise in den letzten 45 Jahren: https://www.deutschlandinzahlen.de/tab/deutschland/finanzen/preise/immobilienpreisindex (Basis ist 1990 mit 100 als Index)
Bis 2010 war das einigermassen flach, dann stieg es stärker an bis 2015, und seitdem ist es nur noch Wahnsinn. 75% Steigerung zwischen 2014 und 2019 - ist bestimmt keine Blase. Dieses Mal ist alles anders 🙂
75% Steigerung zwischen 2014 und 2019 - ist ...
... etwas weniger wie der SuP500 in dem Zeitraum gemacht hat. Bis heute ist selbiger bei 140% angelangt.
Also ein klares "sell" für den sehr usalastigen MSCI World!
Gehste mit shorten 😉
Oder glaubste dass die Druckerpresse weiter rotiert?
@presskoppweck Mit dir zu diskutieren macht, für mich keinen Sinn. Wie man S&P500 im gleichen Atemzug mit der Preisentwicklung von Wohnimmobilien in DE nennen kann, erschliesst sich mir leider nicht. Macht vermutlich nur in deinem Kopf Sinn.

