Assalamu Aleykum,
im Quran heißt es: „O ihr, die ihr glaubt, fürchtet Allah und lasst, was künftig an Zinsnehmen anfallt, bleiben, wenn ihr gläubig seid. Wenn ihr es nicht tut, so erwartet Krieg von Allah und seinem Gesandten.“ (Sura 2:278-279)
Auch in der Bibel lesen wir u.a.: „wenn er auf Wucher leiht, Wucherzins nimmt – sollte der leben? Er soll nicht leben; er hat alle diese Greuel getan, darum soll er unbedingt sterben; sein Blut sei auf ihm!“ (Hesekiel 18:13)
Dr. Yavuz Özoguz stellt in dem kurzen Vortrag die These auf, dass die wahren Ursachen globaler Konflikte nicht auf oberflächliche Gründe wie Rassismus oder Religion zurückzuführen sind, sondern auf unser Geldsystem selbst, das auf Zinsen beruht. Er belegt seine Behauptung mit einer sehr interessanten Argumentation und zieht dabei Verbindungen, die vom exponentiellen Wachstum des Zinseszinseffekts bis hin zum zionistischen Projekt im nahen Osten reichen. Sehr empfehlenswert!
Auch in der Bibel lesen wir u.a.: „wenn er auf Wucher leiht, Wucherzins nimmt
Hier wird ja oft die Frage gestellt, ob unter dem mosaischen Gesetz Zins an sich verboten war oder nur der Wucher, der dann zu definieren wäre. Ist nicht ganz einfach zu sagen, da die Kinder Israels das Gesetz oft übertraten und gerade die Priester (Geistlichkeit) fleissig vorne mit dabei waren. Manche Dinge ändern sich eben nie...
Aber interessant ist, dass es Gottes Anweisung einst war, ein sogenanntes "Jubeljahr" alle ca. 50 Jahre abzuhalten. Alle Schulden wurden erlassen, alle Sklaven waren wieder frei usw. Also ein Reset. Und das zeigt viel mehr wie einfach nur ein Gesetz. Es zeigt das klar war, dass eine Gesellschaft am Ende wegen exponentiellem Wachstum und ungleicher Verteilung zerstört wird.
Die Einführung des menschengemachten Sozialismus ist damit natürlich noch nicht zu begründen.
________________
Das Erlassjahr (hebräisch שנת היובל shnat hajovel, deutsch ‚das Joveljahr‘, auch ‚Halljahr‘, ‚Jobeljahr‘, ‚Jubeljahr‘, ‚Freijahr‘ oder ‚Jahr der Freilassung‘) ist ein Gebot der Tora (Lev 25,8-55 EU): Jedes 50. Jahr (nach dem siebten von sieben Sabbatjahren, also in dem Jahr nach jeweils 49 Jahren) sollten die Israeliten ihren untergebenen Volksangehörigen einen vollständigen Schuldenerlass gewähren, ihnen ihr Erbland zurückgeben (Bodenreform) und Schuldsklaverei aufheben.
________________
Das heutige Zinssystem halte ich persönlich als Ex-Banker einer ehemals grossen Investmentbank nicht mehr für das eigentlich größte Problem. Ich sehe in dem OTC Derivatemarkt, der mindestens(!!) das 10-20-fache des Welt BIP umfasst die eigentliche Bombe. Nur hat das niemand auf dem Schirm, der sich nie damit befasst hat. Und auch die, die es wissen können nur abschätzen, da das ganze OTC und damit unreguliert ist.
Das exponentielle Wachstum des heutigen Geldsystems an sich stellt seit dem Scheitern des Bretton-Woods Abkommen ca. 1970/71 weniger ein Problem da, da durch Inflationierung die Ausweitung der Geldmenge vorgesehen ist und gleichzeitig das Geld langsam entwertet wird. Wenn dieser Prozess kontrolliert abläuft, dann gelingt das ganz gut. Hauptproblem derzeit: Exzessive Schuldenaufnahme.
Aus theologisch-wirtschaftlicher Sicht, Stichwort "Islamic Banking" muss man wirklich mit Versand vorgehen und Grundsätze anwenden, denn:
MAN KANN DEN ZINS NICHT UMGEHEN.
Bringt mir nur irgend ein Beispiel von jemand, und ich zerfetz euch das im Schlaf. Meistens haben die Leute einfach keine Ahnung was hinter dem System steht.
Lösung:
Was viele tun ist, die Grundsätze hinter etwas zu sehen. Man kann heute nur schwer Geld halal gemäss anlegen? Ok, dann legen wir es marktbreit an und spenden mehr als Kompensation. Grundsatz: Es geht eigentlich darum das Leid von Menschen durch Zins oder nicht-halal Firmen zu veringern. Wenn man das nicht kann, dann muss man das tun worauf man einen Impact hat.
Das wäre nur ein Beispiel.
Dr. Yavuz Özoguz
Ihn mag ich übrigens ganz gerne und stimme in vielen Punkten zu. Bin seit der Schliessung der "Blauen Moschee" in Hamburg erst auf ihn aufmerksam geworden. Er hat eine sehr angenehme Art und Weise und ist sehr bedächtig.
Was viele tun ist, die Grundsätze hinter etwas zu sehen.
Das finde ist logisch, sinnvoll und mit Verstand gedacht. Gegenprobe: Schauen was die Leute machen die stur sind. Es wird meistens sehr unlogisch und lächerlich bis peinlich.
So einen Thread finde ich als Aussenstehender interessanter als irgendwelche Überlieferungen von anderen Protagonisten und Apologeten. Soweit ich verstanden habe, folgen viele Muslime nun also Überlieferungen mehr als dem Koran, was ich so auch nicht wusste. Danke für diesen Erkenntnismehrwert!
Aber Blackwater stellt mehr den Koran heraus, was mir offen gesagt logischer erscheint. Die Überlieferungen sind doch wie das sogenannten "neue Testament" der Bibel erst viel später aufgeschrieben worden?! Widersprüche zum Koran sind da fast schon sicher, auch wenn ich mich nicht damit auskenne, so gehe ich davon fast aus.
folgen viele Muslime nun also Überlieferungen mehr als dem Koran, was ich so auch nicht wusste
gibt es oft leider. das hat auch mit Kultur und Traditionen zu tun und viele können sich nicht mehr ändern und sagen dann dies und das war schon immer so.
Eigentlich sagt niemand, dass "Überlieferung über dem Koran" steht aber im Alltag passiert das doch öfter.
Ich denke manchmal dass wenn gebildete Konvertiten dazu kommen, dann kann es besser werden. Und wenn ich hier sehe was Bruder Martin schon alles macht und wie viele gebildete neue Konvertiten kommen, dann habe ich Hoffnung 😊 SubhanAllah! Aber was ich noch sagen wollte, in Deutschland ist alles nochmal schlimmer als anderswo. Andere haben es schon gesagt, ich sage es auch. TIKTOK 🙄
Soweit ich verstanden habe, folgen viele Muslime nun also Überlieferungen mehr als dem Koran, was ich so auch nicht wusste.
Aber genau das ist falsch und nicht richtig. Aber stimmt, viele tun das. Der Quran ist Nr.1 und sozusagen safe, Überlieferungen sind nicht unwichtig aber es ist ein sehr großer Abstand dazwischen. Manche haben aber die "Überlieferung" als Religion und nicht wirklich den Monotheismus. Leider wahr.
Ich finde es auch interessant, wie das für einen Nichtmuslim von aussen aussieht. Darüber sollten manche auch einmal nachdenken.
Hier wird ja oft die Frage gestellt, ob unter dem mosaischen Gesetz Zins an sich verboten war oder nur der Wucher, der dann zu definieren wäre.
Soweit ich weiß, gibt es nur ein Zinsverbot für Juden untereinander, aber für nicht-Juden soll man lediglich nicht Wucherzinsen fordern:
„Wenn du meinem Volk Geld leihst, einem Armen, der bei dir wohnt, so sollst du an ihm nicht handeln wie ein Wucherer; du sollst ihm keinen Zins auferlegen.“ (2. Mose 22:24)
„Wenn dein Bruder verarmt neben dir und sich nicht mehr halten kann, so sollst du ihm Hilfe leisten, er sei ein Fremdling oder Gast, damit er bei dir leben kann. Du sollst keinen Zins noch Wucher von ihm nehmen, sondern sollst dich fürchten vor deinem Gott, damit dein Bruder neben dir leben kann. Du sollst ihm dein Geld nicht auf Zins geben noch deine Nahrungsmittel um einen Wucherpreis.“ (3. Mose 35-37)
„Du sollst deinem Bruder keinen Zins auferlegen, weder Zins für Geld noch Zins für Speise, noch Zins für irgend etwas, das verzinst werden kann. Dem Fremden darfst du Zins auferlegen, deinem Bruder aber sollst du keinen Zins auferlegen […]“ (5. Mose 23:20-21)
Das Erlassjahr
Das ist interessant. Ich hab davon mal vor ein paar Jahren gehört. Würde mich interessieren, inwieweit das dann tatsächlich umgesetzt wurde.
Das heutige Zinssystem halte ich persönlich als Ex-Banker einer ehemals grossen Investmentbank nicht mehr für das eigentlich größte Problem. Ich sehe in dem OTC Derivatemarkt, der mindestens(!!) das 10-20-fache des Welt BIP umfasst die eigentliche Bombe.
Ich halt mich hier mal raus, weil ich nicht wirklich viel darüber weiß. Danke für die Ergänzung. Sehr gut möglich, dass du Recht hast.
Soweit ich verstanden habe, folgen viele Muslime nun also Überlieferungen mehr als dem Koran, was ich so auch nicht wusste.
Wie die beiden Schwestern schon geschrieben haben, ist das leider wirklich oft der Fall. Allerdings kann man auch keinesfalls sagen, dass Überlieferungen und islamische Tradition insgesamt keine Rolle spielen. Im Gegenteil: Sie ergänzen den Quran an den Stellen, wo er keine Einzelheiten nennt - ohne dabei auf der selben Stufe zu stehen.
Der Quran geht bei vielen wichtigen Angelegenheiten nicht ins Detail - sei es allein schon die Säule des Glaubens, nämlich das fünfmalige Gebet am Tag (der Quran erwähnt übrigens nur 3 Gebetszeiten), auch wie die Gebetswaschung genau durchgeführt wird, was im Gebetsruf (Adhan) gesagt, oder die konkreten Regeln zur Almosensteuer (Zakat).
Ich nenn zur Verdeutlichung vielleicht auch mal ein etwas kontroverseres Beispiel, wie die Hadd-Strafe bei Diebstahl. Im Quran steht: „Der Dieb und die Diebin: trennt ihnen ihre Hände ab als Lohn für das, was sie begangen haben, und als ein warnendes Beispiel von Allah.“ (Sura 5:38). Hier stellen sich im Prinzip unendlich viele Fragen: Ab wann genau? Bei wem genau? Auch wenn jemand aus Hunger oder Armut gestohlen hat? Muss der Wert des Diebstahls eine bestimmte Schwelle überschreiten? Was ist wenn der Dieb bereut hat? Die ganze Hand bis zum Handgelenk abtrennen? Und und und.
Nehmt mir diese Aussage jetzt nicht übel, aber wenn man den Vers für sich genommen wortwörtlich versteht, dann geht das fast schon richtig in eine unmenschliche, satanische Richtung. In der Praxis wird diese Strafe allerdings so gut wie nie bei Dieben angewendet, weil islamische Richter fast immer irgendeinen Entschuldigungsgrund aus der Sunnah finden.
Zudem erwähnt der Quran an mehreren Stellen ausdrücklich die Sunnah des Propheten (s.) – und dass er für uns ein schönes Vorbild ist. Ohne die Sunnah wüssten wir jedoch kaum etwas über seinen edlen, barmherzigen Charakter. Ich möchte an dieser Stelle jetzt nicht zu weit ins Detail gehen, das dürfte für den Moment genügen.
Widersprüche zum Koran sind da fast schon sicher
Nicht nur fast schon sicher, sondern zu 100% sicher und Hadithwissenschaft ist ein sehr kompliziertes Thema.
Das ist interessant. Ich hab davon mal vor ein paar Jahren gehört. Würde mich interessieren, inwieweit das dann tatsächlich umgesetzt wurde.
Laut dem Alten Testament der Bibel lief das immer dann gut, wenn die Kinder Israels einen König hatten der Gott ergeben war und darauf achtete, dass die durch Propheten übermittelten Gebote eingehalten wurden und nicht umgangen, heute würde man sagen gecheatet wurden.
Aber leider ist das Alte Testament der Bibel ja auch ein Zeugnis dafür, wie oft es schlechte Könige gab und das Volk die Gebote übertrat bis hin zu Götzendienst. Das war immer wieder das Problem. Und dass sie nach Umwegen suchten und oft Gesetze nur zum Schein einhielten, was letztlich Heuchelei war. Garade dieser Punkt ist sehr evidend und sticht heraus und auch die Aussagen Gottes dazu. Da kann man noch heute viel daraus lernen.
Nicht nur fast schon sicher, sondern zu 100% sicher und Hadithwissenschaft ist ein sehr kompliziertes Thema.
Das sollte einen zumindest schon zum Nachdenken bringen wie man solche Texte dann gewichtet.
Zudem erwähnt der Quran an mehreren Stellen ausdrücklich die Sunnah des Propheten
Das stimmt. Andererseits ist es auch so, dass die Sunnah des Propheten (für Nichtmuslime: das ist die überlieferte (oft regelmässige und empfohlene) Handlungsweise könnte man sagen. Die Sunnah des Martin ist es morgens Kaffee zu trinken, um ein Beispiel zu machen) ja auch im Quran enthalten ist. Also natürlich nur sehr wenig im Vergleich zu den Hadithen, ganz klar.
Worauf ich hinaus will ist, dass man sich durchaus fragen kann, ob der Quran damit externe spätere Schriftquellen legitimiert. In diese Fallen sind die Christen bekanntlich auch schon getappt.
Weil Du Dich das fragen wirst: Ich bin mir nicht final sicher. Sonst würde ich es schreiben.
Natürlich erklärt der Quran nicht alles bis ins Detail. Aber es kann durchaus auch "Part of the Game" sein dass es so ist. Gott ist schliesslich der Prüfer der Herzen.


