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Islam☪️ Ali al-Husseini al-Khamene‘i ist tot

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mrtn
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Gar nicht so einfach dieser Tage, für all das was geschieht Worte zu finden. Vieles ist gesagt. Mit diesen News will ich so einfach wie möglich Anteil nehmen und ein paar Dinge für Nichtmuslime erklären, denen Ali al-Husseini al-Khamene‘i wahrscheinlich wenig sagt.

Eines sei gleich vorweg gesagt: Das Bild des Iran im Westen ist fast ausschliesslich durch Propaganda geprägt. Dahinter stehen mächtige Organisationen, die entweder von zionistischer Seite und/oder von US-evangelikaler Seite (Beispiel: opendoors) geprägt sind. Der Iran ist dunkel und böse, das wissen wir doch alle seit Filmen wie "Nicht ohne meine Tochter". Auch das diente letztlich der Propaganda. Seit 1979 ist der Iran böse, davor war alles schön und gut, weil der Schah ja pro westlich und ein Freund Israels war.

Das denkt die Mehrheit, auch in Deutschland. Dabei würden allgemein zugängliche Quellen schon ein ganz anderes Bild liefern. Der Iran selbst war bereits demokratisch, bis 1953 die CIA die Regierung geputscht hat, da diese für das iranische Volk gehandelt hat. Damals wollte der Westen das iranische Öl. Um das Volk zu unterdrücken, wurde das Schah-Regime aufgebaut und der mächtige Geheimdienst SAVAK installiert. Tolle Menschenfreunde waren das. Aber diese Geschichtsstunde könnt ihr in jedem Geschichtsbuch erhalten - kein Spezialwissen.

Die islamische Republik Iran war und ist auch kein Märchenparadies, das ist keine Frage. Und der Nahe Osten ist voll von Konflikten, von denen aber dast alle auf die Staatsgründung Israels zurück gehen. Das ist auch gut und ohne "betreutes Denken" erkennbar. Die islamische Republik Iran ist wohl das letzte große Widerstandsnest gegen Israel, alle andere Regierungen im Nahen Osten sind entweder gescheitert, pro-westliche Diktaturen und Monarchien oder unbedeutend.

Die islamische Republik Iran ist aber auch in vielerlei Hinsicht besonders. Der Iran ist das alte Persien, beheimatet eine uralte monotheistische Religion, den Zoroastrismus, den ich bemerkenswert finde. Der Quran selbst zeigt uns, dass zu vielen Nationen Propheten gesandt wurden, die namentlich nicht erwähnt sind und auch das Alte Testament der Bibel zeigt, dass es Diener (sogar Priester) des allein wahren Gottes auch vor der Zeit der Kinder Israels gab. Ein Beispiel ist der Vater der Frau Mose, Zippora (Sie ist die Tochter des Priesters Jitro (oder Reguel oder Hobab) von Midian und wurde von ihm dem Mose zur Ehefrau gegeben (Ex 2,16–21).

Der Islam zeigt uns (und auch das liebe ich am Islam), dass die Geschichte des Monotheismus nicht rein islamisch und nicht rein jüdisch war. Gott handelte mit vielen Menschen und Nationen, was wir aus Bibel und Quran wissen ist nur ein Teil der Story. Der Zoroastrismus in Persien ist wohl so ein Beispiel dafür. Im Iran gibt es auch Juden und Christen und anders als es pro-zionistische Portale behaupten, haben diese besondere Rechte im Iran, sind sogar in Beratungsgremien.

Die islamische Republik Iran ist heute das Zuhause des Shia-Islam, eine Untergruppe des Islam. Die Shia machen ca. 10-15% der Muslime weltweit aus und teilen sich wieder in verschiedene Untergruppen. In Deutschland gibt es kaum welche. Zuletzt wurde ihre wunderschöne blaue Moschee in Hamburg durch den deutschen Staat geschlossen und die Begründung war (im Gegensatz zu wirklich radikalen kleinen Sunni-Moscheen) abenteuerlich. Beweise wurden bis heute keine vorgelegt, man hört einfach nichts mehr davon. Ich habe in Hamburg Kontakte und ich kann nur eines sagen, wer Shia-Muslime für Islamisten hält, der hat defintiv keine Ahnung was "Islamisten" (was soll das eigentlich sein?) wirklich sind. Wenn es radikale und gefährliche Muslime im Sinne von Gewalt meint - dann kann man bei der Shia in Deutschland wirklich lange danach suchen.

Der schiitische Islam ist nicht mein Islam, auch wenn er einige Punkte hat, die ich sogar für fundierter halte als im sunnitischen Islam. Aber schiitische Muslime liegen mir sehr am Herzen, ich verstehe mich sehr gut mit ihnen und kann ihre Denkweise sehr gut nachvollziehen. Manche sind meine Freunde geworden. Man könnte diesen Islam im weitesten Sinne mit der katholischen Kirche im Christentum vergleichen. Er ist hierachisch und sehr organisiert, was wir im sunnitischen Islam ja so gar nicht kennen, wo im Prinzip jeder eine Moschee aufmachen kann (hat dann andere Nachteile wie wir alle wissen). Schiitische Geistliche haben eine extrem hohen Akademisierungsgrad, sehr viele bis zur Promotion. Das finde ich persönlich auch sehr angenehm.

Wie viele Iraner wirklich gläubige Shia sind, lässt sich kaum sagen. Wenn man nach den Pilgerzahlen von Ghom und anderen heiligen Pilgerstädten ausgeht, müssen es mindestens 30 Millionen sein (90 Millionen Einwohner gesamt). Der Iran wurde auch nicht einfach arabisch islamisiert wie manche Christen das meinen, sondern hat eine ganz eigene islamisch-persische Kultur, die noch heute neben der Ur-Kultur existiert. Ihr müsst mir das nicht einfach glauben, sondern könnt einfach mal nach den vielen YouTubern schauen, die das Land die letzten 2-3 Jahre bereist haben. Das liefert einen viel realistischeren Eindruck vom Iran, als es Hetzportale und die Journallie tun. Aber urteilt selbst nachdem ihr euch informiert habt. Der Iran ist nicht Afghanistan, nicht das Saudi-Arabien der 80er und auch nicht das, was Exil-Iraner meinen (die logischerweise fast alle nicht religiös sind und dazu noch Schah-Fans).

Für die Shia ist der Tod von Ali al-Husseini al-Khamene‘i einerseits erst einmal ein Grund zur Trauer. Andererseits starb er als Märyrer und verkroch sich gestern auch nicht in einem Bunker und floh auch nicht mit dem Flugzeug wie andere Herrscher unserer Zeit. Er lebte sein Leben lang im Widerstand und erduldete Haft und extreme Folter, wie auch sein Vorgänger Ruhollah Musawi Chomeini. Beide waren sehr volksnah, übrigens nicht nur gegenüber Muslimen, auch gegenüber Christen. Darüber findet ihr auch eine Menge Quellen. Das muss man anerkennen, das ist einfach eine andere Sorte Herrscher als viele selbstsüchtige Bonzen unserer Zeit es sind. Selbst wenn man kein Shia-Muslim ist und vielleicht auch Religion nicht mag. Aber das waren Männer, die Skin in the Game hatten und für ihre Überzeugungen lebten und starben.

Der Schah und seine Familie dagegen flohen 1979 und stahlen Millionen von Dollar dem iranischen Volk, das sie dann im Ausland verlebten. Die Frau des Schah (wird ja gerne von ZDF und Co. nun wieder befragt) führt ein Luxusleben in Paris. Reza Phalavi, den der Westen installieren will, lebt als Millionär in den USA. Er ist der älteste Sohn des ehemaligen Schahs von Iran, Mohammad Reza Pahlavi.

Was "die Iraner" heute wirklich mehrheitlich wollen bleibt natürlich unklar. Wie viele sind wirklich gläubige Shia? Wir wissen es nicht.

Wenn es nach mir persönlich ginge, dann sollen die Iraner, die westlich leben wollen, das tun. Und die, die nach dem Islam leben, sollen das auch dürfen. Im Islam hat jeder Mensch die freie Wahl sich zu entscheiden und die Konsequenzen zu tragen. Insofern ist ein Islamischer Staat eigentlich ein gewisser Widerspruch in sich, zumindest wenn er restriktiv ist.

Wird ein neues Regime im Iran installiert im Style des Schah-Regime, dann werden die Exiliraner von morgen Shia-Muslime sein. Das Geschrei in Deutschland wird dann gross sein, wenn Millionen nach Europa flüchten. Aber das ist wohl zu hoch für die europäische Rechte.

Heute gedenke ich als ganz normaler Muslim einem schiitischen Geistlichen, der das lebte, was er predigte. Von seinen Anfängen als junger Mann in Haft, Folter und Mißhandlung bis zu seinem Tod. Das kann, das muss ich respektieren. Das ist bei menschlichen Führern so selten, dass man es anerkennen muss.

Für den Iran und seine Menschen, egal welcher Religion, wünsche ich das Beste. Das wäre wohl zumindest Frieden, Wohlstand und auch im Sinne des Islam die freie Wahl ihrer Lebensführung.

 

 

„Die erste göttliche Offenbarung an den Propheten war: Lies! Es ist ein großer Verlust für eine Nation, mit Büchern unvertraut zu sein.“

-- Ali al-Husseini al-Khamene‘i 



   
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