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History Wie wurde Persien muslimisch?

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mrtn
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Wie wurde Persien eingentlich muslimisch? Da von evangelikalen Hetzseiten hier regelmässig haltlose Aussagen verbreitet werden, hier einmal die Zusammenfassung basierend auf den Geschichtsbüchern.

Ist sehr viel komplexer und ganz anders, als der Quark den man oft so liest 🙂

 

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Die Islamisierung Persiens, des heutigen Irans, war ein komplexer und langwieriger Prozess, der über mehrere Jahrhunderte andauerte und durch eine Vielzahl von historischen, religiösen, sozialen und wirtschaftlichen Faktoren geprägt wurde. Dieser Bericht bietet eine detaillierte Übersicht über die Entwicklung, basierend auf verschiedenen Quellen, die den Prozess aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten.
Historischer Kontext: Die muslimische Eroberung
Die Islamisierung begann mit der muslimischen Eroberung des Sassanidenreichs, die zwischen 633 und 651 unter dem Rashidun-Kalifat stattfand. Schlüssige Schlachten wie die von al-Qadisiyyah (636) und Nahavand (642) markierten den militärischen Erfolg der Muslime. Diese Eroberung war jedoch nur der erste Schritt; die tatsächliche Konversion der Bevölkerung war ein langsamer und gradueller Prozess, der weit über die militärische Phase hinausging.
Bis zum späten 10. Jahrhundert waren die meisten Perser muslimisch, wobei der Prozess über Jahrhunderte hinweg andauerte. Die Konversionsrate war während der Umayyadenzeit (7. Jahrhundert) mit etwa 10% relativ niedrig, stieg jedoch unter den Abbasiden (8.-11. Jahrhundert) erheblich an, von etwa 40% in der Mitte des 9. Jahrhunderts auf fast 80% bis zum Ende des 11. Jahrhunderts, wie Islamization of Iran - Wikipedia dokumentiert.
Religiöse und kulturelle Faktoren
Ein zentraler Faktor für die Islamisierung war die Ähnlichkeit zwischen dem Islam und dem vorherrschenden Zoroastrismus. Beispielsweise wurde Ahura Mazda, der höchste Gott im Zoroastrismus, oft mit Allah gleichgesetzt, und Ahriman, der böse Geist, mit Iblis, dem Teufel im Islam. Diese Parallelen erleichterten es muslimischen Missionaren, die islamischen Lehren zu erklären, wie Muslim conquest of Persia - Wikipedia betont.
Zoroastrier, die in industriellen und handwerklichen Berufen tätig waren, konvertierten häufiger, da ihre Arbeit im Zoroastrismus als unrein galt, was sie zu einer Konversion motivierte. Dies wird in mehreren Quellen, darunter The Reason for the Conversion of Persia to Islam - The Muslim Vibe, hervorgehoben.
Soziale und wirtschaftliche Anreize
Die Konversion zum Islam bot soziale und wirtschaftliche Vorteile, insbesondere für die Oberschicht und die Bauernschaft. Muslime waren Teil der herrschenden Klasse, und die Konversion konnte Zugang zu besseren sozialen und wirtschaftlichen Chancen bieten. Steuerliche Erleichterungen, wie die Befreiung von der Jizya (Steuer für Nicht-Muslime), waren ein weiterer Anreiz, insbesondere für die unteren Schichten.
Die Ansiedlung arabischer Stämme in persischen Städten, wie in Gorgan, wo Moscheen nach Stämmen wie Bajīla, Muḥārib und Quraysh benannt wurden, förderte die soziale Integration und die Verbreitung des Islam, wie The Reason for the Conversion of Persia to Islam - The Muslim Vibe beschreibt. Perser, die nach Irak migrierten und zurückkehrten, wie Salmān aus Isfahan während der Zeit von ‘Umar b. Khaṭṭāb, trugen ebenfalls zur Verbreitung des Islam bei.
Politische und dynastische Einflüsse
Die politischen Veränderungen spielten eine entscheidende Rolle bei der Islamisierung. Unter den Umayyaden, die eine arabisch-zentrierte Politik verfolgten, war die Konversionsrate niedrig, da die Konversion oft diskouragiert wurde, um die Einnahmen aus der Jizya zu maximieren. Dies führte zu einer Stagnation, wie in Islamization of Iran - Wikipedia erwähnt.
Unter den Abbasiden, die eine multikulturelle Politik verfolgten, stieg die Konversionsrate erheblich. Die Samaniden-Dynastie (9. Jahrhundert) war besonders einflussreich, da sie den sunnitischen Islam und die persisch-islamische Kultur förderte. Sie waren die ersten, die den Koran vollständig ins Persische übersetzten, was die Verständlichkeit und Akzeptanz des Islam erhöhte, wie in Islamization of Iran - Wikipedia dokumentiert.
Im 16. Jahrhundert führte die Safaviden-Dynastie die Zwölfer-Schia als Staatsreligion ein, was einen historischen Wandel markierte und die religiöse Landschaft Persiens dauerhaft prägte, wie Islamization of Iran - Wikipedia beschreibt.
Widerstand und Beharrung
Es gab erheblichen Widerstand gegen die Islamisierung, insbesondere in ländlichen Gebieten und unter der Bauernschaft, die als letzte Gruppen konvertierten. Zoroastrische Tempel existierten noch lange nach der Eroberung, und einige Regionen wie Gilan und Daylam blieben bis ins 9. Jahrhundert weitgehend nicht-muslimisch, wie The Reason for the Conversion of Persia to Islam - The Muslim Vibe betont.
Die Konversion war teilweise freiwillig, teilweise erzwungen, insbesondere in eroberten Städten, wo Zoroastrische Tempel zerstört wurden. Missionare, einschließlich Sufis, spielten eine wichtige Rolle bei der Verbreitung des Islam, insbesondere unter den Türken in Transoxiana und Cumania, wie The Reason for the Conversion of Persia to Islam - The Muslim Vibe beschreibt.
Zeitlicher Verlauf und Phasen
Die Konversion begann im 1. Jahrhundert der Hidschra und erreichte ihren Höhepunkt im 4. Jahrhundert, wobei die Mehrheit der Perser bis dahin muslimisch war, mit Ausnahme von Assyrern im Westen und kleinen Zoroastrischen Gemeinschaften in Yazd und Shiraz. Richard Bulliets Studie, die Namen wie Aḥmad b. Husayn b. Rustam analysierte, zeigt drei Phasen der Konversion: eine anfängliche Phase (10-15%), eine mittlere Phase (40-60%) und eine abschließende Phase (10-15%), mit einigen Nicht-Konvertierten, wie in The Reason for the Conversion of Persia to Islam - The Muslim Vibe dargestellt.
Zusammenfassung
Die Islamisierung Persiens war ein mehrstufiger Prozess, der durch militärische Eroberung, kulturelle Assimilation, wirtschaftliche Anreize und religiöse Ähnlichkeiten vorangetrieben wurde. Es dauerte etwa 3-4 Jahrhunderte, bis die Mehrheit der Perser muslimisch wurde, wobei die Konversion zunächst unter der Oberschicht und in städtischen Gebieten begann und sich später auf die ländliche Bevölkerung ausbreitete. Die Safaviden-Dynastie festigte schließlich die Dominanz der Schia im 16. Jahrhundert.
 
Tabelle: Überblick über die Islamisierung Persiens
Zeitraum
Ereignis
Konversionsrate
Hauptfaktoren
633–651
Muslimische Eroberung des Sassanidenreichs
Niedrig (10%)
Militärische Eroberung, Steuerdruck
8.–11. Jahrhundert
Abbasidenzeit, Samaniden fördern Islam
Steigt (40–80%)
Multikulturalität, Übersetzung des Korans
16. Jahrhundert
Safaviden machen Schia zur Staatsreligion
Hoch, überwiegend
Politische Entscheidung, religiöse Reform


   
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