DER GRÖSSTE ÖL-CRASH SEIT 35 JAHREN
... und Diesel in Deutschland kostet trotzdem €2,44
Da viele sich wundern werden, warum die Kraftstoffpreise nicht deutlich fallen (und das wird viele wundern), hier die Erklärung.
Du stehst an der Zapfsäule. Mittwoch. €2,44 pro Liter Diesel. €2,19 für Super E10. Beides Jahreshöchststand. Du zahlst, fluchst, fährst weiter. Abends die Schlagzeile: Ölpreis crasht um 20 Prozent. Größter Einbruch seit dem Golfkrieg 1991. 35 Jahre. Du denkst: Endlich. Morgen wird's billiger. Wird es nicht. WARUM?
Weil zwischen einem Preis auf deinem Bildschirm und einem Liter in deinem Tank eine Welt liegt. Im wörtlichen Sinn. 70 leere Supertanker vor Singapur. 150 blockierte Handelsschiffe vor einer Meerenge. 39 Tage Stillstand. Und eine Rechnung, die der Markt gerade komplett ignoriert. Trump hat am Dienstagabend eine zweiwöchige Waffenruhe mit dem Iran verkündet. Pakistan hat vermittelt. Der Iran garantiert freie Durchfahrt durch die Straße von Hormus. Für 14 Tage. Der Ölmarkt hat reagiert, als wäre der Krieg vorbei. WTI runter von $111 auf $96. Brent von $111 auf $92. Minus 20 Prozent. In Stunden. Der heftigste Ölpreis-Einbruch an einem einzigen Tag seit dem Golfkrieg 1991.
Zur Erinnerung: Vor dem Krieg Ende Februar lag WTI bei $72. Dann der Spike auf $126 Mitte März, als der Iran die Meerenge komplett dichtmachte. Jetzt $96 — und die Märkte feiern. Dass wir immer noch 33 Prozent über dem Vorkriegsniveau liegen, erwähnt gerade niemand. Die Straße von Hormus. Normalerweise passieren hier 20 Millionen Barrel pro Tag. 20 Prozent des weltweiten Öls. Seit dem 28. Februar ist sie dicht. Die iranische Revolutionsgarde hat den Durchgang verboten. Maersk, Hapag-Lloyd, CMA CGM — alle Transits eingestellt. Über 150 Handelsschiffe liegen vor der Meerenge vor Anker und warten. Die Ölproduktion am Golf ist um 10 Millionen Barrel pro Tag eingebrochen. Das ist die größte Unterbrechung der globalen Energieversorgung seit den Ölkrisen der 70er Jahre.
Und jetzt sagt ein X-Posting: Problem gelöst.
Wirklich? Vor der Küste Singapurs und Malaysias liegen 70 leere VLCCs — Very Large Crude Carriers. Supertanker, 320 Meter lang, zusammen 100 Millionen Barrel Ladekapazität. Die transportieren normalerweise persisches Öl nach Asien. Seit fünf Wochen stehen sie still. Hier fängt die Rechnung an.
Tag 1 nach Öffnung: Hormus ist offiziell offen. Aber bevor sich ein einziger Tanker bewegt, müssen Reedereien Kriegsrisiko-Versicherungen neu verhandeln, Crews mobilisieren, Routen freigeben lassen. Das dauert eine Woche. Mindestens.
Woche 2 bis 3: Die ersten Tanker starten Richtung Golf. Die 70 VLCCs vor Singapur brauchen vier Wochen allein für die Hinfahrt zum Persischen Golf. Vier Wochen, in denen kein einziges Barrel geladen wird.
Woche 4 bis 5: Die Schnellsten erreichen die Ladehäfen. Kharg Island, Ras Tanura, Fujairah. Beladen dauert ein bis zwei Tage pro Schiff — unter normalen Bedingungen. Bei 70 Tankern gleichzeitig herrscht Stau. Die Terminals sind auf 20 bis 30 Beladungen pro Woche ausgelegt.
Woche 6 bis 8: Erste beladene Tanker auf dem Rückweg. Richtung Asien. Drei bis vier Wochen Transit.
Woche 8 bis 12: Erste nennenswerte Lieferungen kommen an. Nochmal zum Mitschreiben: Der Ölpreis ist in Sekunden um 20 Prozent gefallen. Das physische Öl braucht 8 bis 12 Wochen, um überhaupt wieder zu fließen.
Und dabei rechne ich die Infrastrukturschäden nicht ein. Raffinerien im Persischen Golf wurden bombardiert. Reparaturkosten laut UN-Schätzung: 25 Mrd. USD. Zeitrahmen: Monate. Seit Wochen nutzen Tanker die Alternativroute über das Kap der Guten Hoffnung. 16 bis 32 Tage Umweg. Fast 1 Mio. USD Mehrkosten pro Fahrt. Diese Route verschwindet nicht über Nacht, weil ein Tweet eine Waffenruhe ankündigt. Logistik-Ketten brauchen Monate, nicht Minuten. Was heißt das an deiner Zapfsäule?
Diesel bei €2,44 fällt nicht nächste Woche. Nicht in zwei Wochen. Wahrscheinlich nicht vor dem Sommer. Tankstellen kalkulieren nach Lieferkosten, nicht nach Futures-Preisen. Und die Lieferkosten spiegeln die physische Welt wider und nicht den Optimismus an der Börse.
Was passiert an Tag 15? Eine Waffenruhe ist kein Friedensvertrag. Der Iran hat freie Durchfahrt für 14 Tage garantiert. Nicht für immer. Trump selbst hat gesagt, er wisse nicht, ob er den Krieg beende oder eskaliere. Das war kein Ausrutscher. Das war die wörtliche Antwort auf eine direkte Frage. 14 Tage. Das reicht nicht einmal, um einen einzigen Tanker von Singapur zum Golf und zurück zu bringen. Falls die Waffenruhe in einen echten Waffenstillstand übergeht, sehen wir eine langsame Normalisierung über vier bis sechs Monate. Falls sie scheitert, sind wir in 15 Tagen zurück bei $120. Und die 70 Tanker, die sich gerade auf den Weg machen, drehen wieder um. Beide Szenarien sind möglich. Der Markt hat sich für Optimismus entschieden. Nach fünf Wochen Anspannung, nach Spritpreisen, die jeden Tag neue Rekorde gesetzt haben, nach Schlagzeilen über Drohnenschläge und brennende Ölspeicher — da will man gute Nachrichten. Da will man glauben, dass es vorbei ist. Aber Hoffnung ist kein Geschäftsmodell. Nicht für Reedereien, nicht für Raffinerien und nicht an der Zapfsäule.
Wir haben 2020 alle den negativen Ölpreis gesehen. Minus $37 pro Barrel. Das war technisch erklärbar — Futures-Verfall plus Lagerkrise, eine Anomalie. 2008 der Spike auf $147 vor der Finanzkrise — demand-getrieben. Das hier ist anders. Ein geopolitischer Supply-Schock, der sich in Sekunden auf dem Chart auflöst, aber Monate braucht, um sich in der physischen Welt aufzulösen. Der Markt preist Erwartungen. Tanker transportieren Realität. Der Crash war überfällig. Die Risikoprämie war aufgeblasen. Dass die USA verhandeln, ist ein gutes Zeichen. Der Markt hatte Recht, einen Teil des Aufschlags abzubauen. Aber wer jetzt glaubt, $96 sei der neue Boden, hat die Logistik nicht verstanden. Solange kein einziger beladener Tanker in einem asiatischen Hafen anlegt, ist der aktuelle Preis eine Wette. Eine Wette auf eine Zukunft, die noch nicht existiert. 70 leere Supertanker vor Singapur. 150 Handelsschiffe vor der Meerenge. 10 Millionen Barrel pro Tag, die seit 39 Tagen fehlen. Und €2,44 an der Zapfsäule. Die Ticker sind grün. Die Häfen sind leer.
Danke Martin für die gute Erläuterung. Es ist wirklich erstaunlich, wie wenig "Phantasie" über die Zusammenhänge habe. Im Büro stellte sich am Freitag eine Führungskraft hin und meinte nur "Krise ist vorbei, jetzt ist wieder Frieden" und Auswirkungen auf die Supply-Chain gibt es nicht. Das sind immer die Momente, wo ich mich frage, nach welchen Kriterien Führungskräfte ausgewählt werden....
Das sind immer die Momente, wo ich mich frage, nach welchen Kriterien Führungskräfte ausgewählt werden....
Das frage ich mich auch seit Jahren, im Prinzip auf allen Ebenen. Ich habe mir das Ganze irgendwann nur noch mit dem Film "Idiocracy" erklären können. Keine Satire.
Der Chef der Internationalen Energieagentur sagt gestern wörtlich: Europa hat noch etwa sechs Wochen Kerosin. Danach werden Flüge nicht mehr verschoben. Sie werden gestrichen. Fatih Birol hat diesen Satz heute, der Nachrichtenagentur AP ins Mikrofon gesagt. Im Hauptquartier der IEA in Paris.
Seine Formulierung: "Bald werden wir die Nachricht hören, dass Flüge von Stadt A nach Stadt B wegen Kerosinmangel gestrichen werden." Sein Gesamturteil zur Lage: "Die größte Energiekrise, die wir je hatten." Der Mann, dessen Behörde 1974 gegründet wurde, um genau solche Krisen zu vermessen, sagt das. Nicht ein Analyst auf Social Media. Nicht ein Trader auf Bloomberg. Der Chef der IEA. Er ist nicht allein mit dieser Einschätzung. Claudio Galimberti, Chefökonom bei Rystad Energy, hat zwei Tage vorher bei CNBC gesagt: "Die Situation kann in den nächsten drei, vier Wochen systemisch werden. Heftige Flugstreichungen in Europa bereits ab Mai und Juni."
Die Fluggesellschaften haben den Schock längst in ihren Zahlen. Wizz Air hat im März gemeldet, dass allein der Kerosinschock 50 Millionen Euro Gewinneinbruch für 2026 bedeutet. Virgin Atlantic-Chef Corneel Koster hat vorgestern an die Financial Times gesagt, seine Fluggesellschaft werde dieses Jahr auch mit Treibstoff-Aufschlägen keinen Gewinn schreiben. Sein Satz: "Was auch immer am Golf passiert, ein Teil dieser Störung der globalen Energiepreise wird bleiben." Die US-Fluggesellschaften geben den Schock bereits an die Kunden weiter. Die Ticketpreise sind laut Consumer Price Index im März im zweistelligen Prozentbereich gestiegen, während die allgemeine Inflation einstellig blieb.
Noch bevor die Streichungen kommen, kommt der Aufschlag.
Warum Kerosin der Markt ist, der zuerst bricht, und nicht das Rohöl selbst: Kerosin ist eine eigene Kategorie im Raffinerie-Output, kein Restprodukt. Die Welt produziert keine beliebige Menge davon. Kerosin macht nur rund 9 Prozent der globalen Raffinerieleistung aus. Raffinerien optimieren ihren Produkt-Mix aktiv auf margenstärkere Ströme wie Diesel. Kerosin ist immer das Stiefkind im Raffineriewerk. Nordwest-Europa bezog vor dem Krieg 59 Prozent seines Kerosins aus der Hormus-Region. Diese Ströme sind seit dem 28. Februar faktisch abgeschnitten. Der Rest läuft über Indien und die USA, und beide Quellen sind dünn. Indien hat eigene Versorgungsprobleme, weil Golf-Rohöl nicht mehr ankommt. Die USA werden von asiatischen Käufern überboten, die sogar Tanker mitten auf dem Atlantik umdrehen lassen. Der IATA Jet Fuel Monitor zeigt die Eskalation in Zahlen. Ende Februar lag der Weltmarktpreis bei rund 95 Dollar pro Barrel. Bis zum 20. März bei 197 Dollar. Drei Wochen in Folge mit wöchentlichen Aufschlägen von 58,4 Prozent, 11,2 Prozent und 12,6 Prozent. In US-Dollar pro Gallone hat sich der Raffinerie-Preis verdoppelt, von 2,50 auf 4,88 in fünf Wochen. Zum Kontext: Rohöl Brent notiert heute bei rund 95 Dollar. Kerosin liegt deutlich darüber. Das nennt sich Crack-Spread, der Aufschlag, den Raffinerien verlangen, um Rohöl in fertige Produkte zu verarbeiten. Dieser Aufschlag bewegt sich auf Rekordniveau. Er sagt: Die Nachfrage nach fertigem Kerosin übersteigt die Raffinerie-Kapazität, die aktuell in der richtigen Geografie steht. Warum das nicht abflaut, sondern eskaliert: Flughäfen haben keine strategische Reserve wie die USA beim Rohöl. Die Lagerung bei Airlines, Flughäfen und Versorgern reicht weltweit typischerweise zwischen 30 und 60 Tagen. In Europa, wo 59 Prozent des Inputs plötzlich fehlen, ist dieser Puffer gerade abgeflossen. Der Krieg begann am 28. Februar. Wir sind heute bei Tag 47. Birols 6-Wochen-Frist bringt uns auf Tag 89. Das ist genau der Zeitraum, in dem Lager physisch leerlaufen, wenn der Nachschub nicht kommt. Birol bleibt bei der Einordnung nicht beim Kerosin stehen. Sein eigentlich gefährlichster Satz geht noch darüber hinaus. Iran hat ein System eingeführt, bei dem Schiffe gegen Zahlung einer Gebühr die Straße passieren dürfen. Birol warnt: Wenn sich dieses "Mautstellen-System" etabliere, drohe ein Präzedenzfall. Es könne auf andere Meerengen übertragen werden. Konkret nennt er die Straße von Malakka in Asien, durch die rund ein Viertel des Welthandels läuft. Sein Zitat: "Wenn wir es einmal ändern, wird es schwer, es zurückzubekommen." Das ist ein neues globales Handelsregime, öffentlich angedeutet vom Chef der Internationalen Energieagentur.
Die letzte Warnung eines IEA-Chefs auf dieser Stufe gab es nie, weil die IEA selbst erst 1974 als Reaktion auf das Ölembargo gegründet wurde. Das Embargo war der Anlass ihrer Existenz. Birol wählt jetzt bewusst dieselbe Stufe und setzt noch einen drauf. "Die größte Energiekrise, die wir je hatten." Größer als 1973. Größer als die Ölpreis-Spitze 2008. Größer als der Gas-Schock 2022. Wenn er sich irrt, ruiniert er seine 30-jährige Karriere. Er hat keinen Grund zu übertreiben. Ein schnelles Beenden des Krieges wäre aus meiner Sicht der einzige Ausweg aus diesem Szenario.
PS: Die EU Spitzen und auch das deutsche Wirtschaftsministerium unter Katharina Reiche meinen, das wäre alles nicht so. Wir werden es sehen...
Es dürfte nicht nur der größte Öl-Crash sondern auch der größte Energie-Crash und fossile Rohstoff Verknappung sein, den Öl und Gas sind nicht nur Energieträger sondern auch wichtige Rohstoffe für die Industrie und die Landwirtschaft (Dünger aus Ergdas).
Ich bin über den Fokus Bericht "Der globale Systembruch durch den Iran-Krieg wird zum Tsunami" Link auf den umfangreicheren Bericht der Gesellschaft für Krisenvorsorge (GfKV) http://www.gfkv.org gestoßen.
Link zu GfKV-Globaler-Systembruch-Die-vierte-systemische-Krise-und-ihre-Architektur.pdf
Neben dem weltweiten Engpass an Öl und Treibstoff gibt es auch einen Versorgungsmangel an LNG (Gas) und Düngemittel (aus Erdgas gewonnen). Dies führt zu signifikanten Preisanstiegen dieser Rohstoffe und insbesondere in den Emerging Markets zu (finanz-)wirtschaftlichen Problemen.
Hier eine Liste aus dem Bericht mit Bereichen die es betrifft, dem jeweiligen primären Risiko, dem aktuellen Status und den kritischen Kipppunkten:
Ein weiterer Mangel ergibt sich im Bereich Helium. Das Gas ist essenziell für Medizin, Chipindustrie und Forschung. Mal sehen wann das bedeutende Auswirkungen auf die Lieferfähigkeit von Computerbauteilen und die expansion von KI-Rechenzentren hat.
Die Situation betrifft also nicht nur ein Glied einer Lieferkette sondern die Glieder vieler Lieferketten. Die Welt ist vernetzt mit allen Vor- und Nachteilen, insbesondere wenn ein bedeutender Knotenpunkt für Energie und Rohstoffe blockiert ist.
Öl und Gas sind nicht nur Energieträger sondern auch wichtige Rohstoffe für die Industrie und die Landwirtschaft
Das scheint vielen oder sogar den meisten Menschen überhaupt nicht bewußt zu sein. Wenn ich in meinem Umfeld auf diese Tatsachen aufmerksam mache werde ich immer öfter als Schwarzseher bezeichnet. Den Satz "Dann fährt man halt mal öfter mit dem Fahrrad zum Bäcker und lässt das Auto stehen" höre ich mittlerweile fast jeden Tag. Es ist unglaublich.
Den Satz "Dann fährt man halt mal öfter mit dem Fahrrad zum Bäcker und lässt das Auto stehen" höre ich mittlerweile fast jeden Tag.
Und das sagen die einem, der das sowieso sehr oft macht. 🙄 😉 DAs ist echt grüne Verblödung. Anders lässt sich das ja nicht mehr erklären.
Das scheint vielen oder sogar den meisten Menschen überhaupt nicht bewußt zu sein. Wenn ich in meinem Umfeld auf diese Tatsachen aufmerksam mache werde ich immer öfter als Schwarzseher bezeichnet.
Das Spiel kennen wir ja auch schon länger. Nur die Themen wechseln. 😉
@himself63 Ja, echt verrückt irgendwie. Gerne auch mit der sanften Unterstellung dass es immer und für alle eine Wahlmöglichkeit gibt was die Art des Transportmittels angeht. Die alleinerziehende Mama die nach der Dreviertelstelle noch schnell die Familieneinkäufe erledigen muss trägt halt nicht mal eben föhlich pfeifend mit der Selbstgedrehte in der einen und dem Matchalatte in der anderen Hand ihre Besorgungen im Deuter Rucksack nach Hause.
Auch Schichtarbeit oder Verpflichtungen wie bspw. ich MUSS zum Zeitpunkt A an Ort B sein weil es sonst gravierende Auswirkungen auf geschäftliche Interessen, Reputation beim Kunden oder den Weitertransport (Flug) hat, machen es teilw. unmöglich auf die öffentlichen Verkehrsmittel in DE zurückzugreifen. Eine Zeitlang in Ländern wie Japan oder China unterwegs zu sein kann das Weltbild was Pünktlichkeit, Sauberkeit und gegenseitige Rücksichtnahme angeht ziemlich auf den Kopf stellen wenn man DE gewohnt ist. Aber, sorry but not sorry, für die meisten gehts halt hierzulande nicht komplett ohne Auto.
Bitte nicht falsch verstehen, und entschuldigt bitte für die vielen Klischees, ich habe nichts gegen Matchalatte, Raucher (jedem das Seine) und Rucksäcke aller Art. Und ich habe selbst auch ein Rad. Aber müssen halt nicht alle nur zum Bäcker oder in die Uni ums Eck.
Seis drum. Es wird noch ganz schön unangenehm für die meisten hier vermute ich. EZB könnte wohl auch zweimal erhöhen in diesen Jahr, Runde 1 schon Ende April vllt. (direkt in eine schwächelnde, ohnehin schon schrumpfende Witschaft hinein) Beste Voraussetzung für ein Land wie DE. Energielockdown incoming.🥴
Trotzdem, nicht aufgeben, Allen einen guten und friedlichen Start in die Woche.🙂
Am Freitag um 14:24 Uhr deutscher Zeit haben unbekannte Trader in einer einzigen Minute 760 Millionen Dollar gegen den Ölpreis gesetzt. 21 Minuten später twittert Irans Außenminister, dass die Straße von Hormuz wieder offen ist. Brent stürzt um bis zu 11 Prozent ab.
Das ist die dritte solche Wette innerhalb von vier Wochen. Insgesamt über 2,2 Milliarden Dollar. Jedes Mal Minuten vor einer Ankündigung, die "eigentlich" noch niemand kannte. Der konkrete Ablauf heute: Zwischen 14:24 und 14:25 Uhr werden 7.990 Brent-Kontrakte verkauft. In einer Minute. Laut Daten des Börseninformationsdienstes LSEG entspricht das einem Gegenwert von rund 760 Millionen Dollar. Es ist die mit Abstand größte Einzelbewegung in diesem Kontrakt an diesem Tag. Um 14:45 Uhr meldet Abbas Araghchi, Irans Außenminister, auf X, dass die Straße von Hormuz "vollständig geöffnet" ist für alle kommerziellen Schiffe, solange der Waffenstillstand mit Israel und den USA hält. Wenige Minuten später bestätigt Donald Trump die Nachricht auf Truth Social. Der Markt reagiert sofort. Brent fällt auf 88,73 Dollar. WTI fällt auf 84,44 Dollar. Heizöl minus 10 Prozent. Benzin minus 5 Prozent. Es ist der zweitgrößte Tagesverlust am Ölmarkt seit Kriegsbeginn. Wer auch immer diese Minute um 14:24 Uhr getroffen hat, hat innerhalb einer halben Stunde einen dreistelligen Millionenbetrag verdient.
Das ist kein Einzelfall. Es ist ein Muster. 23. März, 15 Minuten bevor Trump auf Truth Social eine Pause der Angriffe auf iranische Energieinfrastruktur ankündigt: 500 Millionen Dollar Wetten auf fallendes Öl. Der Preis stürzt danach um 15 Prozent ab. 7. April, Stunden bevor Trump einen zweiwöchigen Waffenstillstand mit Iran verkündet: 950 Millionen Dollar Wetten auf fallendes Öl. Der Preis stürzt um 15 Prozent ab. 17. April, Freitag: 760 Millionen Dollar, 21 Minuten vor der Hormuz Öffnung. Minus 11 Prozent. Drei Fälle. Vier Wochen. Jedes Mal Minuten vor einer Entscheidung, die an diesem Tag nur eine Handvoll Menschen auf dem Planeten kannte. Jedes Mal perfekt getimt. Jedes Mal in der richtigen Richtung. Die US-Aufsichtsbehörde CFTC, zuständig für den Terminmarkt, hat laut Bloomberg eine Untersuchung eingeleitet. Die beiden größten Ölbörsen CME und ICE wurden aufgefordert, ihre Handelsdaten herauszugeben. Die Ermittler fordern die sogenannten Tag 50 Kennungen an. Das sind die Identifikationsnummern, die jedem einzelnen Trade zeigen, welches Konto, welche Firma, welche Person dahintersteht. David Miller, Chef der CFTC Enforcement Abteilung, hat öffentlich erklärt, dass Insiderhandel im Energiemarkt "besonders schädlich" sei, weil er über die Inflation jeden Bürger trifft. Das Weiße Haus hat jede Beteiligung dementiert. Sprecher Kush Desai nannte die Anschuldigungen "grundlos und unverantwortlich". Und hier wird es systemisch. Der Ölpreis ist kein normaler Marktpreis. Er bestimmt Deine Heizkosten im Winter. Deine Tankrechnung jede Woche. Er bestimmt den Preis von Diesel, von Lebensmitteln, von fast jedem transportierten Gut. Er ist, gemeinsam mit dem Anleihemarkt, der wichtigste Inflationsindikator der Welt. Wenn dieser Preis nicht mehr durch Angebot, Nachfrage und Geopolitik gebildet wird, sondern durch eine Handvoll Akteure mit Insiderwissen über den nächsten Truth Social Post, dann funktioniert Preisbildung nicht mehr. Dann ist nicht der Markt kaputt. Dann ist der Informationsfluss vom Weißen Haus zum Markt kaputt. Und das trifft jeden. Nicht nur den Trader, der zu spät war. Sondern jeden Haushalt, der an der Tankstelle zahlt, und jeden Staat, dessen Notenbank auf Basis manipulierter Preissignale ihre Geldpolitik kalibriert. Mohamed El-Erian, ehemaliger Chef des weltgrößten Anleihefonds PIMCO, hat in den vergangenen Wochen wiederholt davor gewarnt, dass die Vermischung von Regierungskommunikation und Marktbewegung im Ölmarkt ein Vertrauensproblem erzeugt, das über einzelne Trades hinausgeht. Historisch gibt es dafür eine Parallele, die ungemütlich ist. Vor der Finanzkrise 2008 gab es über Jahre verdächtige Bewegungen in Put-Optionen auf Fluggesellschaften und Banken, immer wenige Tage bevor eine schlechte Nachricht öffentlich wurde. Damals hat niemand systematisch ermittelt. Die SEC hatte andere Prioritäten. Das Ergebnis ist bekannt. Heute hat die CFTC dieselben Werkzeuge, die sie damals hatte. Sie kann Handelsdaten ziehen. Sie kann Tag 50 Kennungen prüfen. Sie kann feststellen, welches Konto das Geld bewegt hat. Der Haken: Das Justizministerium hat seine Abteilung für öffentliche Integrität in den letzten Monaten von 36 auf 2 Juristen reduziert. Die SEC hat ihre Spitze der Enforcement Abteilung verloren. Die personellen Ressourcen für genau diese Art von Ermittlung sind auf einem historischen Tiefstand. Drei Trades. 2,2 Milliarden Dollar. Vier Wochen.


