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Analysen Venezuela und das Öl

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mrtn
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(@mrtn)
Super Großmeister Moderator Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 4 Jahren
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Ölpreise fallen -1% und Erdgaspreise fallen -4%, während die US-Futures-Märkte zum ersten Mal seit der Gefangennahme von Präsident Maduro öffnen. Die Energiepreise SINKEN inmitten einer großen Eskalation geopolitischer Spannungen.

Während Venezuela 303 MILLIARDEN Barrel Ölreserven hält, ist ein Großteil davon SCHWERES Rohöl. Texas und Louisiana haben auch "zufällig" 6 der GRÖSSTEN SCHWEREN Rohöl-Raffinerien der Welt.

 

 

Anfang der 2000er Jahre war Venezuela ein VIEL größerer Ölproduzent als die USA. Tatsächlich produzierte Venezuela mit fast 3,3 Millionen Barrel pro Tag dreimal so viel Öl. Bis 2020 war die Produktion Venezuelas auf nur noch 900.000 Barrel pro Tag zurückgegangen, während die USA 5 Millionen Barrel pro Tag erreichten.

Das ist entscheidend.

 

 

Erstens wurde Venezuela jahrelang von den USA mit schweren Sanktionen belegt. Dies führte zu einer veralteten Infrastruktur, die die Förderung von SCHWEREM Rohöl erschwerte. Die Förderung von Schweröl ist weitaus teurer als die von Leichtöl. Dazu sind fortschrittliche Techniken wie die Dampfinjektion erforderlich.

 

 

Das Bild unten hilft, dies besser zu verstehen. Das Fläschchen ganz links enthält schweres Rohöl, das oft eine zähflüssige Mischung ist. Je weiter man sich nach rechts bewegt, desto leichter wird das Rohöl und desto einfacher lässt es sich verarbeiten. Aber genau hier liegt der entscheidende Punkt für die USA.

 

 

Die USA sind unglaublich abhängig von schwerem Rohöl geworden. Im Jahr 1980 waren nur 10 bis 20 % der US-Rohölimporte schweres Rohöl.

Heute sind die MEISTEN US-Rohölimporte schweres Rohöl, nämlich etwa 70 %. Die USA wollen mehr schweres Rohöl, und Venezuela verfügt über MILLIARDEN Barrel davon.

 

 

Werfen wir nun einen Blick auf die Rohölimporte in die USA: Der Anteil Kanadas an den Importen ist von ~15 % auf ~60 % der US-Importe gestiegen. Unterdessen sind die Importe Venezuelas in die USA praktisch zum Erliegen gekommen. Wenn die USA diese Importe wiederherstellen könnten, wäre dies für die US-Regierung ÄUSSERST profitabel.

 

 

Derzeit verfügt Venezuela über mehr Ölreserven als jedes andere Land der Welt. Es verfügt sogar über 20 % mehr Ölreserven als Saudi-Arabien.

Was ist der „beste” Weg, um diese massiven Importe von schwerem Rohöl in die USA wiederherzustellen? Die Kontrolle über die Ölreserven des Landes übernehmen.

 

 

Gestern hat Präsident Trump es ausdrücklich gesagt:

„Wir werden unsere sehr großen US-Ölkonzerne dort hin schicken, damit sie Milliarden von Dollar investieren, die kaputte Ölinfrastruktur reparieren und anfangen, Geld zu verdienen.“

Trump sagte auch, dass die USA „große Mengen Öl“ verkaufen werden, das aus Venezuela gefördert wird.

 

 

Und für die USA wird es sogar noch strategischer. Neben Venezuela verfügt Russland über einige der größten Schwerölreserven der Welt. Die Erschließung der venezolanischen Schwerölreserven schwächt den Einfluss Russlands weiter.

Dies ist auch ein geopolitischer Schachzug.

 

 

 

Um das Ganze noch zu krönen, ist China der größte Abnehmer venezolanischen Öls. Dies macht etwa 5 % der gesamten jährlichen Ölimporte Chinas aus.

Da die USA die Kontrolle über Venezuela erlangen, verschafft dies Präsident Trump noch mehr Einfluss auf China. Trump erklärte, er werde einen Teil dieses Öls an China verkaufen.

 

 

Die Ereignisse dieses Wochenendes in Venezuela werden erhebliche Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben.

Die Makroökonomie befindet sich im Wandel, und Aktien, Rohstoffe, Anleihen und Kryptowährungen werden sich bewegen.



   
farah.al-musawi, yasmeen90, Siddhartha and 8 people reacted
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(@alioscha)
Vollkornbrot New in Town
Beigetreten: Vor 5 Jahren
Beiträge: 27
 

Venezuelas Rohstoffe: Was hinter den Zahlen steckt

Das Öl-Paradox

303 Milliarden Barrel - Venezuela besitzt die größten nachgewiesenen Ölreserven der Welt, mehr als Saudi-Arabien. Doch zwischen Reserven und Realität klafft eine enorme Lücke: Das Land produziert derzeit nur etwa 1 Million Barrel pro Tag - weniger als ein Prozent der globalen Förderung. In den späten 1990er und frühen 2000er Jahren waren es noch über 3 Millionen Barrel täglich.

Die Gründe für diesen Niedergang sind vielfältig: Mangelnde Investitionen, US-Sanktionen, technischer Verfall und Missmanagement haben die Ölindustrie ausgehöhlt. Die staatliche Ölgesellschaft PDVSA gibt an, dass ihre Pipelines seit 50 Jahren nicht modernisiert wurden. Die Kosten für eine Wiederherstellung der Spitzenproduktion beziffert sie auf 58 Milliarden Dollar. Francisco J. Monaldi, Direktor des Lateinamerika-Energieprogramms an der Rice University, schätzt die notwendigen Investitionen sogar auf über 100 Milliarden Dollar - bei einem Zeitrahmen von mindestens einem Jahrzehnt.

Warum die USA venezolanisches Öl brauchen

Fast 70 Prozent der US-Raffineriekapazität arbeitet am effizientesten mit schwerem Rohöl. Deshalb sind etwa 90 Prozent der Rohölimporte in die USA schwerer als das heimische Schieferöl. Die Umrüstung einer einzigen Raffinerie auf leichteres Rohöl würde zwischen 100 Millionen und einer Milliarde Dollar kosten.

Lange bevor die USA zum Schieferöl-Boom kamen, investierten amerikanische Raffinerien massiv in Anlagen zur Verarbeitung von schwerem, schwefelhaltigem Rohöl - dem Typ, den Venezuela, Mexiko und Kanada liefern. Diese Infrastruktur ist auf Jahrzehnte ausgelegt. Schweres Rohöl ist entscheidend für bestimmte Raffinerieprodukte wie Diesel, Asphalt und industrielle Treibstoffe, die aus leichtem Rohöl kaum gewonnen werden können.

Die Verschiebung der Importquellen

Kanada ist heute mit über 60 Prozent aller US-Rohölimporte der mit Abstand größte Lieferant - etwa neunmal so viel wie der zweitgrößte Lieferant Mexiko. 2013 lieferte Kanada noch 2,7 Millionen Barrel pro Tag, 2024 waren es fast 4,4 Millionen.

Venezuela hingegen ist als Lieferant praktisch verschwunden. Zwischen 1990 und 2005 bezogen die USA noch über eine Million Barrel täglich aus Venezuela. Nach den Sanktionen von 2019 kam der Handel fast vollständig zum Erliegen. Kanadisches Schweröl hat die Lücke gefüllt, die Venezuela hinterließ.

China als Hauptabnehmer

China ist heute der größte Abnehmer venezolanischen Öls und kauft etwa 80 Prozent aller Exporte. Im Dezember 2025 betrugen die Lieferungen durchschnittlich über 600.000 Barrel pro Tag - das entspricht etwa 4 Prozent der gesamten chinesischen Ölimporte. Die Behauptung von 5 Prozent ist also leicht überhöht, aber die Größenordnung stimmt.

Allerdings relativiert sich die geopolitische Brisanz bei näherer Betrachtung: China bezieht Öl aus Dutzenden Ländern. Ein Ausfall Venezuelas wäre ärgerlich, aber keine Krise - und gewiss kein Grund für einen Konflikt mit den USA.

Wo steht Venezuela im globalen Vergleich?

Mit seiner aktuellen Produktion von etwa 1 Million Barrel täglich ist Venezuela ein Zwerg unter den Ölproduzenten:

Selbst bei einer Rückkehr zur historischen Spitzenproduktion von 3 Millionen Barrel wäre Venezuela etwa auf dem Niveau Brasiliens oder der VAE - bedeutend, aber kein dominanter Akteur. Die USA allein fördern das Vier- bis Fünffache dieser Menge.

Erdgas: Verbrannt statt verkauft

Venezuelas Erdgasreserven werden auf fast 200 Billionen Kubikfuß geschätzt - mehr als 60 Prozent aller lateinamerikanischen Reserven. Doch auch hier dasselbe Muster wie beim Öl: Das Land hat es versäumt, diese Ressourcen zu monetarisieren.

Etwa 40 Prozent der täglichen Gasproduktion werden von PDVSA abgefackelt oder in die Atmosphäre abgelassen – eine Menge, die dem gesamten jährlichen Erdgasverbrauch Kolumbiens entspricht. Die jährlichen Opportunitätskosten belaufen sich auf etwa eine Milliarde Dollar. Venezuela könnte Erdgas nach Kolumbien und Trinidad exportieren, doch Missmanagement und fehlgeleiteter Nationalismus haben dies verhindert.

Eisenerz

Die Bewertung mit mehreren hundert Milliarden Euro und vereinfachte Gewinnrechnungen ignorieren jedoch die Realität: Ohne funktionierende Infrastruktur, Stromversorgung und technisches Know-how bleiben diese Reserven Zahlen auf dem Papier.

Die Marktreaktion widerlegt die Dramatik

Die Ölpreise fielen als Reaktion um 1 Prozent, Gas um 4 Prozent. Die Märkte - die bekanntlich nervös auf echte Risiken reagieren - gähnen. Wäre tatsächlich ein geopolitischer Umbruch im Gange, sähe die Reaktion anders aus.

Wa tatsächlich geschehen müsste

Präsident Trump hat angekündigt, dass große amerikanische Ölkonzerne „Milliarden von Dollar investieren" werden, um die „kaputte Ölinfrastruktur" zu reparieren. Zwischen dieser Ankündigung und einer tatsächlichen Wiederbelebung der venezolanischen Ölindustrie liegen jedoch zahlreiche ungeklärte Fragen:

Die politische Lage ist völlig offen. Unter welchem Rechtsrahmen werden Verträge geschlossen? Welche Regierung wird international anerkannt? Kein seriöser Investor steckt Milliarden in ein Land ohne stabile Rechtslage.

58 bis 100 Milliarden Dollar Investitionen organisieren sich nicht über Nacht. Private Investoren werden Garantien verlangen, die derzeit niemand geben kann.

Das Fachpersonal ist größtenteils emigriert. Technische Expertise lässt sich nicht per Dekret wiederherstellen.

Selbst unter optimistischsten Annahmen dauert der Wiederaufbau mindestens ein Jahrzehnt. Die Erschließung venezolanischer Ressourcen ist ein Projekt für die 2030er Jahre, nicht für 2026.

Fazit:

Ja, Venezuela hat enorme Rohstoffvorkommen. Ja, die USA haben ein strukturelles Interesse an schwerem Rohöl. Ja, die Festnahme Maduros verändert die Lage. Aber die USA führen keinen Krieg mit China wegen 4 Prozent chinesischer Ölimporte. Russland wird wegen Venezuela keinen Konflikt mit den USA riskieren.

Francisco Monaldi bringt es auf den Punkt: „Venezuela hat keine Grenzen in Bezug auf die Ressourcen. Es geht um die Politik."

Die eigentliche Geschichte ist nicht der große Knall, sondern ein langer, mühsamer Prozess politischer Stabilisierung, rechtlicher Klärung und wirtschaftlichen Wiederaufbaus.

Quellen:

- CBS News: U.S. seeks to tap Venezuela's vast oil reserves after military strikes (Januar 2026). https://www.cbsnews.com/news/venezuela-oil-reserves-us-strike-trump-what-to-know/
- CNN Business: Trump says US is taking control of Venezuela's oil reserves (Januar 2026). https://www.cnn.com/2026/01/03/business/oil-gas-venezuela-maduro
- TIME: How Trump's Venezuela Takeover Could Change the World (Januar 2026). https://time.com/7343019/venezuela-trump-oil-china/


Diese r Beitrag wurde geändert Vor 3 Monaten 2 mal von Alioscha

   
TomYes, Romez and auewiewiese reacted
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Aliya
(@aliya)
Internationaler Meister Rose
Beigetreten: Vor 1 Jahr
Beiträge: 561
 

Die aktuellen Sedimentverschiebungen bei den Nettoshortpositionen im Schweröl zeigen eindeutig, dass...

.... der Ursprungspost zutreffend ist 😊 

 



   
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