Community

Benachrichtigungen
Alles löschen

Banking Die goldenen Regeln der Geldanlage

6 Beiträge
6 Benutzer
35 Reactions
1,393 Ansichten
(@hausverwalterderherzen)
Schach Profi Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 5 Jahren
Beiträge: 207
Themenstarter  

Quelle: FAZ

Abschied von Volker Looman nach 25 Jahren

 

Nach 25 Jahren verabschiedet sich unser Kolumnist. Fast alles, was es über den Umgang mit Geld zu sagen gibt, hat er in 1240 Artikeln geschrieben. Zum Abschied gibt er zehn Gebote mit auf den Weg.  

Dear friends, chers amis, cari amici, liebe Freunde meiner Artikel! Nun ist es so weit! Die letzte Stunde dieser Kolumne hat geschlagen. Erinnern Sie sich noch an mein erstes Stück? Es ist am 6. März 1999 erschienen. Damals habe ich geschrieben, die Altersvorsorge sei das Gebot der Stunde. Daran mögen Sie erkennen, wie „zeitlos“ manche Dinge sind. Wer das Gebot befolgt und auch die weiteren 1239 Artikel gelesen hat, ist heute mit hoher Wahrscheinlichkeit ein kleiner Millionär. Damit ist meine Mission erfüllt. Ich habe Ihnen alles gesagt, was es über den Umgang mit Geld zu sagen gibt, sodass ich Sie besten Gewissens in den finanziellen Ruhestand entlassen kann. Zuvor möchte ich Ihnen aber, wenn es Ihnen konveniert, noch zehn Gebote mit auf den Weg geben, die es in dieser Art nur bei mir und in dieser Zeitung gibt.

Meiden Sie, wenn es um Geld geht, den Banker von vorn, den Vertreter von hinten und den Verwalter von allen Seiten. Bitte verstehen Sie mich richtig. Ich habe nichts gegen die Menschen, die in diesem Metier arbeiten. Nur kann ich mich mit den Systemen, in die sie eingebunden sind, nicht anfreunden. Es gibt in Deutschland kaum Finanzberatung, sondern in erster Linie provisionsgetriebene Verkäufe von Finanzprodukten aller Art. Das kann nicht gut gehen, das muss im Chaos enden. Dafür sind letztlich auch Sie verantwortlich, liebe Leser. Wer nicht bereit ist, für neutralen Rat faire Honorare zu bezahlen, bekommt eben wie in der Politik die Kost, die er gewählt hat. Bildung und Erfahrung sind die einzige Vorsorge gegen Reinfälle bei Geldgeschäften!

Bitte denken Sie, vor allem wenn Sie selbständig sind, egal ob als Freiberufler oder Unternehmer, an mein Kleeblatt der Girokonten. Auf dem ersten Konto gehen alle Einnahmen wie Gehälter, Mieten und Zinsen ein. Die festen Ausgaben, wie zum Beispiel die Kreditraten, Mieten und Versicherungen, bezahlen Sie vom zweiten Konto. Das dritte Konto ist das Steuerkonto. Was für Konsum und Vorsorge übrig bleibt, fließt aufs vierte Konto. Mit diesem „Rest“ müssen Sie über die Runden kommen. Mehr geht nicht, und es wird Ihnen nicht gelingen, diese einfache Regel auf den Kopf zu stellen! Sie haben Einnahmen von 500.000 Euro im Jahr? Dann müssen Sie mit Steuern von 250.000 Euro rechnen. Die Ausgaben liegen bei 150.000 Euro? Dann haben Sie noch 100.000 Euro zur Verfügung. Wer mehr Geld ausgibt, wird im Graben landen.

Ein Jahreseinkommen als Notgroschen

Die wichtigsten Versicherungen sind die Haftpflichtversicherungen, die Krankenkasse und die Absicherungen bei Berufsunfähigkeit und Tod. Die Summen in der Privathaftpflicht sollten bei 50 Millionen Euro liegen. Bitte vereinbaren Sie mit der Krankenkasse hohe Selbstbehalte bei ambulanter Behandlung und lange Karenzzeiten beim Krankentagegeld. Die Berufsunfähigkeit können Sie kündigen, sobald Sie eine lastenfreie Kanzlei oder Praxis, ein schuldenfreies Eigenheim und eine Million in Fünfzigeuroscheinen im Tresor liegen haben. Risikolebensversicherungen können Sie aufheben, sobald die Hinterbliebenen ohne Sie ein finanzielles Leben „in Saus und Braus“ führen können.

Ich plädiere für einen Notgroschen in Höhe eines Jahres(netto)einkommens. Falls Sie noch jung sind, sollte es Ihr erstes Ziel sein, diesen Notgroschen anzusparen, und wenn bei Ihnen schon die ersten Haare ausfallen, dann wird es aber allerhöchste Zeit, diese Reserve zu bunkern. Konsumschulden unter besonderer Berücksichtigung von Auto- und Urlaubskrediten sind vom Übel, weil sie Sie zum Sklaven von Banken machen, und das muss ja nun wirklich nicht sein! Bitte schauen Sie beim Aufbau des Notgroschens nicht auf die Zinsen. Erstens sind sie gering, und zweitens spielen sie keine Rolle. Viel wichtiger ist, dass Sie bereit sind, die Reserve aufzubauen, dass Sie willig sind, das entsprechende Geld auf die hohe Kante zu legen.

Beim Aufbau des Vermögens in jungen Jahren sollten die Sparverträge nur kurze Zeit laufen, weil Sie das Geld möglicherweise Jahre später wieder brauchen, beispielsweise für die Gründung einer Praxis oder den Kauf eines Eigenheims. Sie bekommen bei Banken und Bausparkassen für kurze und sichere Verträge kaum Zinsen. Bitte ertragen Sie dieses Übel in Stille und mit Würde und verzichten Sie auf langfristige Verträge. Ich bin ein großer Freund der Börse, doch in dieser Lebenslage halte ich nichts von Aktien. Genauso bin ich in dieser Situation ein Gegner von Basisrenten, Immobilien auf Pump oder Rentenversicherungen. Ich habe als Fallschirmjäger zwei Dinge gelernt: Wie komme ich in das Flugzeug rein und wie komme ich aus der Maschine wieder raus? Nicht anders ist es in der Ehe oder bei der Geldanlage!

Hart verhandeln und zügig tilgen

Verhandeln Sie bei der Gründung beziehungsweise dem Kauf einer Kanzlei oder Praxis, bis der Verkäufer dem Herzinfarkt nahe ist. Jeder ersparte Euro ist bares Gold wert. Wenn Sie sich verschulden, dann zahlen Sie den Kredit so schnell wie möglich an die Bank zurück. Ich halte nichts von „langen“ Schulden, weil der Glaube, der von der Steuer absetzbare Kreditzins sei ein Segen, schnell ins Verderben führt. Schulden sind Schulden, und der Tag, an dem abgerechnet wird, kommt früher, als Sie denken. Daher plädiere ich dafür, auch Betriebsschulden so schnell wie möglich zu tilgen, weil Sie nicht darauf vertrauen sollten, dass der Wert des Unternehmens steigen wird. Der Umweg über Aktien und Beteiligungen ist ein Drahtseilakt, dem in meinen Augen nur wenige Menschen gewachsen sind.

Eigenheime sind keine Geldanlagen, sondern eher Konsumgüter. Daher sind Paläste auf der grünen Wiese nicht das Gelbe vom Ei. Ich bin wie Warren Buffet ein Liebhaber „handelsüblicher“ Eigenheime, die Sie zu gegebener Zeit auch wieder verkaufen können. Bitte denken Sie daran, die Schulden bis zum 50. Geburtstag zu tilgen, weil auf Sie weitere Aufgaben warten. Oder haben Sie vergessen, wie viel Geld die Ausbildung der Kinder kostet und wie wichtig freies Vermögen im Alter ist? Ich weiß aus vielen Kommentaren und Zuschriften, dass die meisten von Ihnen für diese Empfehlung kein Verständnis aufbringen. Sie haben es in der Hand, wie Sie es machen. Bitte ziehen Sie aber im Alter keine Lippe, falls es finanziell eng wird. Sie hätten es in der Hand gehabt!

Wenn die Praxis und das Eigenheim schuldenfrei sind, kommt die „freie“ Altersvorsorge an die Reihe. Ich rate Ihnen zu Anleihen und Aktien, doch ich rate von Ihnen von Einzelwerten ab. Stattdessen empfehle ich Ihnen börsengehandelte Indexfonds mit Wertpapieren aus aller Welt, weil diese Anlagen einfach, flexibel und preisgünstig sind. Bitte lassen Sie die Finger von der Vermögensverwaltung freier Verwalter, von den Investmentfonds selbständiger Vermittler und der „Betreuung“ der Hausbank. Ich weiß aus Erfahrung, dass Angst und Sorgen lästige Begleiter sind. Sie werden aber trotz dieser „Helfer“ nicht verschwinden. Und denken Sie – meine Damen – an die Botschaft meiner professoralen Gefährtin aus dem Holsteinischen, von der ich Sie herzlich grüßen soll: Männer sind keine Altersversorgung!

Testament, aber bitte allein

Hände weg von Steuersparmodellen! Mehr habe ich dazu nicht zu sagen, und wenn Sie es trotzdem tun, dann wissen Sie eben nicht, was Sie tun! Sie werden aber eines Tages merken, was Sie getan haben! Nur wird es dann in der Regel zu spät sein. Sie werden keine Chance haben, aus den überteuerten Beteiligungen und Anlagen herauszukommen, sodass Sie leicht Geld verlieren werden. Brauchen Sie diesen finanziellen Kick? Ich gebe ohne Umschweife zu, dass ich viel Zeit gebraucht habe, um hinter den „Schwindel“ mit Bauherrenmodellen, Containern, Erwerbermodellen, Denkmälern, Schiffen, Solaranlagen und Windkraftwerken zu kommen. Irgendwann hat es aber klick gemacht, und seitdem hoffe ich, dass es bei Ihnen schneller geht!

Bitte denken Sie daran, dass auch Sie nicht ewig leben. Irgendwann wird Ihre letzte Stunde schlagen, und es dürfte zweckmäßig sein, vor dem Abgang ein „brauchbares“ Testament aufgesetzt zu haben. Bitte lassen Sie mich wissen, wenn Sie ratlos sind, was Sie mit Ihrem lieben Geld machen sollen. Für ein kleines Vermächtnis, sozusagen als Dank für meine Bemühungen, Sie durch die Tiefen des Umgangs mit Geld begleitet zu haben, würde ich Sie glatt in meine Abendgebete für ein langes Leben einschließen. Sonst kann ich nur aufzählen, worauf ich in den letzten Monaten gestoßen bin. Hände weg von Testamenten à la Berlin, auch wenn ich diese Stadt liebe! Vorsicht vor Erbverträgen, weil das Leben keine Einbahnstraße ist. Ich liebe als (halber) Friese meine Freiheit, und aus diesem Grund plädiere ich für Einzeltestamente!

Was gibt es sonst noch zu sagen? Eigentlich nicht viel und doch eine Menge! Ich bin stolz darauf, einigen von Ihnen im letzten Vierteljahrhundert mit 1240 Kolumnen etwas Freude bereit zu haben. Mir ist bewusst, vielen Bankern gewaltig gegen das Schienbein getreten zu haben. Dafür bitte ich nicht um Entschuldigung, weil einfach zu sagen war, was zu sagen ist. Bleiben Sie gesund und munter, liebe Leser, und ärgern Sie sich nicht über den Hühnerhaufen, der an der Regierung ist. Erstens haben Sie ihn gewählt, und zweitens sind die Herrschaften nicht grundsätzlich dumm. Sie haben einfach nur viel Pech beim Nachdenken. Falls es bei Ihnen anders ist, wenn Sie etwas in der Zwiebel haben, wie der Berliner sagt, dann gehen Sie doch bitte in die Politik. Wir könnten Sie gut gebrauchen, weil das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht ist! Es war mir eine Ehre, für diese Zeitung und Sie geschrieben zu haben!



   
Gold-oder-Aktien, Martgo, Luto and 10 people reacted
Zitat
Schlagwörter für Thema
(@presskoppweck)
Fide Meister Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 5 Jahren
Beiträge: 2503
 

Danke fürs posten dieser wahren und unterhaltsamen Worte!

.

Wer Loomans Zehn Gebote nochmal kürzer aufgelistet haben will, der schaue beim Lokus nach.
Achwas, ich werfe den Kopierer an. Soviel ist es nicht

Meide provisionsgetriebene Finanzberatung: Bildung und Erfahrung sind die beste Vorsorge gegen Geldreinfälle.

Verwalte deine Konten sorgfältig: Trenne Einnahmen, Ausgaben, Steuern und Vorsorge klar mit eigenen Konten, um Überblick und Kontrolle zu behalten. Verwende für Ausgaben nur, was nach Steuern, Sparen und Vorsorge übrig bleibt.

Priorisiere wichtige Versicherungen: Haftpflicht, Krankenkasse und Berufsunfähigkeitsversicherung braucht fast jeder. Lebensversicherungen brauchen viele. Setze auf hohe Deckungssummen in Haftpflichtversicherungen und sichere Krankenkassenverträge ab.

Baue einen Notgroschen auf: Spare mindestens ein Jahresnettoeinkommen für unvorhergesehene Ausgaben. Achte dabei nicht auf Zinsen. Es geht um Sicherheit.

Wähle Sparverträge mit Bedacht: Kurzfristige und sichere Sparprodukte erhalten in jungen Jahren die Flexibilität.

Verhandle hart und tilge schnell: Verhandle bei Geschäftsabschlüssen und tilge Schulden zügig, um finanzielle Freiheit zu erlangen.

Betrachte Eigenheime als Konsumgüter: Tilge Schulden bis zum 50. Lebensjahr und kaufe erschwingliche Immobilien.

Setze auf breit gestreute Anlagen: Wähle börsengehandelte Indexfonds für die Altersvorsorge und meide teure Vermögensverwalter.

Vermeide Steuersparmodelle: Investiere nicht in undurchsichtige Anlagen, die kurzfristigen Gewinn versprechen, aber langfristig riskant sind.

Plane für den Abschied vor: Setze ein klares Testament auf und denke langfristig über die Verwaltung deines Vermögens nach.



   
Gold-oder-Aktien, trader61, Keksdose and 3 people reacted
AntwortZitat
mrtn
 mrtn
(@mrtn)
Super Großmeister Moderator Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 4 Jahren
Beiträge: 4751
 

Super, diese Gebote der Geldanlage wurden mir auch von jemand von euch zugemailt und ich wollte sie schon posten, aber das ist im Alltagsstress etwas unter gegangen. Umso besser, dass es nun auf diesem Weg funktioniert hat. Besten Dank!



   
AntwortZitat
(@lichtenberg99)
Internationaler Meister Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 5 Jahren
Beiträge: 1416
 

Veröffentlicht von: @presskoppweck

Betrachte Eigenheime als Konsumgüter: Tilge Schulden bis zum 50. Lebensjahr und kaufe erschwingliche Immobilien.

Den finde ich besonders wertvoll.



   
AntwortZitat
(@Anonym 173608504)
Beigetreten: Vor 2 Jahren
Beiträge: 40
 

Ich kann allen Punkten nur meine Zustimmung aussprechen. Vor allem dem Schulden tilgen, auch der vermieteten Immobilie. Nur um dem Finanzamt was entgegenwerfen zu können mehr hebeln habe ich noch nie verstanden (gilt voranging für Privatpersonen die nur eine oder zwei Immobilien vermieten als Vermögensaufbau).



   
Gold-oder-Aktien, mrtn, trader61 and 1 people reacted
AntwortZitat
Luto
 Luto
(@luto73)
Schachspieler Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 5 Jahren
Beiträge: 190
 

Sensationell und sehr unterhaltsam. Und ich für meinen Teil habe zwar sicher nicht alles, aber vieles bereits richtig gemacht 😀 



   
AntwortZitat
Teilen: