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Investments📊 KI und der MSCI World

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mrtn
 mrtn
(@mrtn)
Super Großmeister Moderator Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 4 Jahren
Beiträge: 4753
Themenstarter  

Zuerst: auch an dieser Stelle vielen Dank an meinen treuen Leser H.T. für das Zusenden des Artikels.

Zum Sachverhalt: nun soll also KI zum Maß aller Dinge werden. KI ist m.E. in Teilbereichen bisher total überbewertet, ich sage nur ChatGTP. 🤣 

Dass Computer mit Unmengen an Daten und schneller Reaktion (Hochfrequenzhandel) den Markt schlagen (oder bestimmte Manager) ist bislang nachweislich auch nicht der Fall - und das ist gut so.

Es gibt hier noch viel zu viele Faktoren, die dabei unberücksichtigt bleiben. Was die Zukunft bringt, das weiss natürlich wie immer niemand.

 

Der Artikel:

Besser als Fondsmanager : Wie Künstliche Intelligenz den MSCI-World schlägt

QUELLE:

Aktienauswahl nur durch eine Maschine? Bei der Fondsgesellschaft Acatis funktioniert das erstaunlich gut. Die Unternehmen für ihren Fonds wählt eine KI aus: Apple bleibt dabei auf der Strecke.  .

Derzeit entwickelt es sich zum neuen Volkssport, Dinge bei ChatGPT einzugeben und zu schauen, wie viel die Maschine zu bestimmten Fragen schon weiß. Hen­drik Leber hat diese Faszination schon länger gepackt, und so heuerte er für seine Fondsgesellschaft Acatis vor zehn Jahren einen Mathematiker und einen promovierten Physiker an, um Künstliche Intelligenz (KI) im Fondsmanagement zu testen. Dort sitzen für gewöhnlich hoch bezahlte Finanzfachleute als Fondsmanager, analysieren das Weltgeschehen, Konjunktur und Unternehmensmeldungen, führen Ge­spräche mit den Unternehmenslenkern und fällen am Ende eine Anlageentscheidung. Eine teure und mühsame Angelegenheit.  

Kevin Endler, der Mathematiker, und Eric Endress, der Physiker, sprechen indes nur mit Unternehmenslenkern, um zu lernen, wie sie ihre Künstliche Intelligenz noch schlauer machen können. Sie interessieren sich bei der Aktienauswahl auch nicht für die Weltlage oder die Zinspolitik. Für sie ist nur relevant, frei nach Helmut Kohl, was hinten rauskommt – welche Ergebnisse Unternehmen liefern und geliefert haben. Damit füttern sie ihre Künst­liche Intelligenz, ein grafisches neuronales Netz. Dort fließen Fundamentalzeitreihen und Textanalysen mithilfe des Modells Fin­bert ein. Finbert muss sich auch mit Aussagen der Firmenmanager auf Ana­lys­ten-Pressekonferenzen befassen. Zö­gert das Management oder weicht bestimmten Fragen aus, registriert die KI das genau.

Für 3000 bis 4000 Unternehmen aus gut 20 Industrieländern macht die KI das und damit aus dem Universum, aus dem auch der Weltaktienindex MSCI World seine gut 1500 Unternehmen auswählt. Die KI sucht nur 50 aus. „In jeder Branche lassen wir alle Unternehmen gegeneinander antreten“, sagt Kevin Endler. „Wie in der Bundesliga, jeder gegen jeden, und die KI soll uns jeweils sagen, welchem der beiden Unternehmen es für die nächsten zwölf Monate die besseren Chancen am Aktienmarkt einräumt.“

Am Ende der Millionen Duelle kommt eine Tabelle heraus. Die Bestplatzierten werden in den Fonds übernommen. Die Gewichtung von Ländern und Branchen entspricht dem MSCI World. Aber sonst hat der Acatis AI Global Equities (Kennnummer A2DR2L) wenig mit dem in der Geldanlage in Deutschland beliebtesten Aktienindex gemeinsam. So entscheidet sich die KI derzeit gegen ein Investment in die 300 größten Unternehmens des Index. Apple hat seine Duelle um die besten Zukunftsaussichten ebenso verloren wie Nvidia, Meta, Microsoft oder Tesla. Größtes Unternehmen aus dem MSCI World ist im Fonds Danone, der französische Joghurt-Hersteller.

Härtetest für die KI

Der Erfolg gibt der KI bisher recht. Nach zwei Jahren des Testens und der Entscheidung, die Finanzbranche und die Immobilienbranche wegen schwerer vergleichbarer Zahlen nicht in den Fonds auf­zunehmen, steht für die vergangenen vier Jahre ein Plus von 64 Prozent nach Kosten des KI-Fonds einem Plus von 48 Prozent des MSCI World gegenüber. Gut 13 Prozent jährliche Rendite vergleichen sich demnach mit gut 10 Prozent.

Das erste Halbjahr 2023 war nun ein Härtetest für die KI. Die größten 45 Unternehmen aus dem MSCI World stehen für 69 Prozent der Rendite in diesem Jahr – Big-Tech aus den USA lässt grüßen. Die 1462 anderen Unternehmen kommen zusammen nur auf 31 Prozent Renditebeitrag. Wenn aber die KI nun lieber auf die kleineren Unternehmen setzt und keinen der großen Kursgewinner im Fonds hat, wie schlägt sie sich dann?

Das Ergebnis ist beachtlich. Fonds und MSCI World liegen mit jeweils gut 12 Prozent im Plus seit Jahresbeginn Kopf an Kopf. Statt Apple hat sich beim Acatis AI Global Equities das Unternehmen Tri Pointe zum Schwergewicht gemausert: Börsenwert 3 Milliarden Euro, Kursplus seit Jahresanfang gut 70 Prozent. Geschäftszweck: Hausbau in den USA sowie Finanzierung und Versicherung von Eigenheimkäufern. Heikle Geschäftsfelder, wo angesichts von Zinswende und Trendwende bei Immobilienpreisen derzeit aktive Fondsmanager einen großen Bogen darum machen. „Viele der Unternehmen, die unsere KI aussucht, kennen die Fondsmanager gar nicht“, sagt Endler. „Sie kommen aus der zweiten und dritten Reihe.“

Der Fonds bietet somit eine echte Diversifikation zu den vielen Fonds, die sich sehr an den Schwergewichten im MSCI World, S&P-500 und Nasdaq-100 orientieren. Die KI bevorzugt indes Unternehmen wie World Wrestling Entertainment oder Mueller Water Products, also zum einen den Veranstalter von Wrestling-Shows und zum ­anderen ein Fachunternehmen für Wasseruhren, Ventile und was sonst so für moderne Wasserleitungssysteme gebraucht wird. Deutsche Unternehmen wurden von der KI bisher nur selten ausgewählt, darunter Henkel, Carl Zeiss Meditec und Beiersdorf. Regulatorisch vorgegeben ist, dass ein Fondsmanager letztlich eine Anlageentscheidung treffen muss. „Wir haben aber noch nie eine Entscheidung der KI überschreiben müssen“, sagt Eric Endress.

Prioritäten setzen

Alle sechs Monate müssen die Unternehmen wieder gegeneinander antreten. Das war gerade wieder der Fall, und die KI rechnet nun auf Hochtouren, bevor in den nächsten ein bis zwei Wochen die Ergebnisse vorliegen. „Wir freuen uns darauf und sind auch immer sehr gespannt“, sagt Endler. Dann wird regelmäßig ungefähr die Hälfte der Unternehmen im Fonds ausgetauscht und alle auf ein Gewicht im Fonds von 1,5 bis 2,5 Prozent gesetzt.

Der Erfolg der vergangenen Jahre hat das Interesse an dem Fonds gesteigert. Regelmäßige Präsentationen werden von rund 300 Investoren besucht. „Intern nutzen unsere Portfoliomanager die Ergebnisse als Unterstützung für ihre Arbeit und als Ideengeber“, sagt Endler. Die Investition in den Fonds trauen sich aber nur wenige, tendenziell eher jüngere Anleger zu. Mit 22 Millionen Euro ist er noch klein.

Spannend wird die Phase, wenn der Hype um Apple, Nvidia und Microsoft an den Börsen wieder nachlässt. Denn auch nach der nächsten Revision wird der KI-Fonds höchstwahrscheinlich wieder eher kleinere Unternehmen bevorzugen, mit starken Marktstellungen und hohen Mittelzuflüssen – ganz in der Tradition der Denkweise von Warren Buffett. Hirnschmalz von Menschen fließt auch weiterhin regelmäßig ein. „Wir präsentieren der KI immer wieder neue Datenreihen, aber ob sie die nutzt, ist ihre Entscheidung“, sagt Endress. Die beiden Pioniere können beobachten, in welcher Weise Daten in die Entscheidungen einfließen.

Analystenschätzungen für künftige Gewinne und Umsätze interessieren die KI dabei weniger. Auch spielt die technische Analyse früherer Kursverläufe keine Rolle. Was die Physiker und Mathematiker aber auch feststellen: Mit jedem Training wird die Maschine besser. Ganz nach den Vorstellungen von Hendrik Leber, wonach die KI mit den unfassbar großen Datenmengen irgendwann besser umgehen kann und mindestens die mittelmäßigen Fondsmanager auf der Strecke bleiben.



   
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Schlagwörter für Thema
(@presskoppweck)
Fide Meister Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 5 Jahren
Beiträge: 2503
 

Veröffentlicht von: @mrtn
Wie Künstliche Intelligenz den MSCI-World schlägt
Indem man sich einen passenden Vergleichszeitraum rauspickt.

Veröffentlicht von: @mrtn
Acatis AI Global Equities (Kennnummer A2DR2L)
im 5-Jahres-Vergleich mit einem iShares MSCI World:
https://www.fondsweb.com/de/vergleichen/ansicht/isins/DE000A2DR2L2,IE00B4L5Y983



   
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(@gesperrter-nutzer)
Mitglied Restricted
Beigetreten: Vor 2 Jahren
Beiträge: 2368
 

Veröffentlicht von: @presskoppweck

Indem man sich einen passenden Vergleichszeitraum rauspickt.

Ja! Dieser Artikel ist Finanzpornographie der allerübelsten Sorte. Eine weitere nette Übung zum Thema „Erkenne das Cherry-Picking“ lässt sich beim FW-Blog vom 30. Juni machen.



   
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(@gesperrter-nutzer)
Mitglied Restricted
Beigetreten: Vor 2 Jahren
Beiträge: 2368
 

Und zur Verteidigung von Albert: Der Eintrag vom 6. Juli finde ich zu großen Teilen wirklich stark, auch wenn er immer mal wieder subtil seine Democratic Alpha-Story flashen lässt.



   
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Gerhard
(@gerhard)
Vollkornbrot Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 4 Jahren
Beiträge: 41
 

@ikigaimondai 

Ja, da hast du meine volle Zustimmung!
Diesen  21 Thesen kann ich vom Inhalt nur zustimmen und wie er die formuliert: Ganz großes Kino!



   
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(@geloeschter-nutzerf)
Mitglied Restricted
Beigetreten: Vor 12 Monaten
Beiträge: 3120
 

Veröffentlicht von: @presskoppweck

im 5-Jahres-Vergleich mit einem iShares MSCI World:

0.73% Portfoliokosten sowie 1.89% laufende Kosten. Wow - hätte nicht gedacht, dass es so was noch gibt!

Veröffentlicht von: @Anonym

beim FW-Blog

Hätte nicht gedacht, dass es dieses tote Pferd noch gibt! Vermutlich habe ich gerade den Traffic um 100% gepusht...



   
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mrtn
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(@mrtn)
Super Großmeister Moderator Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 4 Jahren
Beiträge: 4753
Themenstarter  

Veröffentlicht von: @Anonym

Der Eintrag vom 6. Juli finde ich zu großen Teilen wirklich stark

Dem kann ich nur zustimmen.

Ich vermute ganz stark, dass er dem Blog nach und nach eine Wendung geben will wegen seinem Absturz. Es ist ein Marketing Mensch. Deswegen finde ich den Post zwar inhaltlich grosse klasse, aber mehr auch nicht.

Veröffentlicht von: @Anonym

0.73% Portfoliokosten sowie 1.89% laufende Kosten. Wow - hätte nicht gedacht, dass es so was noch gibt!

Bei Dirk Müller und anderen VIP Fonds 🤣 



   
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(@geloeschter-nutzerf)
Mitglied Restricted
Beigetreten: Vor 12 Monaten
Beiträge: 3120
 

Veröffentlicht von: @mrtn

Bei Dirk Müller

Ui. Der Fonds von Mr. Crashkurs hat eine TER von 1,56% sowie 4% Ausgabeaufschlag. Die Performance seit Auflage 2018 ist auch überragend (Vorsicht: Sarkasmus 😉 )



   
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