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Wie 10 hoch X Euro das Leben verändern können und wie sich das "X" verändert

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(@gesperrter-nutzer)
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Beigetreten: Vor 2 Jahren
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Themenstarter  

Ich bin in meinem Freundeskreis mit einer paar Menschen gesegnet, mit denen ich mich wirklich gut über Finanzen unterhalten kann. Einer von diesen hat mich neulich gefragt "Angenommen, Du würdest plötzlich 10 hoch X Euro bekommen - wie groß müsste "X" sein, damit das einen nennenswerten Unterschied macht?" Er sagte, sein X wäre 7 (10 Millionen Euro), und ich fand das im ersten Moment ein wenig obszön... aber dann habe ich mal überlegt, was bei mir wäre und wie sich das im Laufe meines Lebens verändert hat.

  1. Kindheit und Jugend - X zwischen 0 und 2
    Als junges Kind ist anfangs selbst ein einzelner Euro eine tolle Sache - und ein Geldschein natürlich noch viel mehr! Freilich hatte ich solche (damals noch DM-)Zuwendungen nie lange, sonder habe sie immer schnell in Gummitiere, Spielzeug oder auch mal eine CD umgesetzt. Aber in den ersten 20 Jahren meines Lebens war jedes dieser "Extras" neben dem Taschengeld "bemerkbar" und hat mich in Bezug auf meine Ziele weitergebracht, so konsum-zentriert sie damals auch gewesen sein mögen.
  2. Bundeswehr- und Studentenzeiten - X zwischen 2 und 3,5
    Die Bundeswehr hat mir erstmals ein eigenes Einkommen beschert. Ich hatte zudem das Privileg, von meinem Vater mit einem Startkapital ausgestattet zu werden (freilich mit der Ermahnung verbunden, dass das gefälligst das Studium hindurch zu reichen habe) und zudem monatlich Geld überwiesen zu bekommen, so dass ich im Vergleich zu einigen (vielen?) meiner Kommilitoninnen und Kommilitonen ziemlich gut davor war. In dem Maße, wie das regelmäßig (durch Sold, Nebenjobs aber auch durch "Entnahme" aus dem Start-Topf zur Verfügung stehende Geld angestiegen war, erhöhte sich auch die Schwelle für einen Betrag, der einen wirklichen Unterschied machte. Zehn Euro hin oder her, das hatte ich hinter mir. Drei Döner halt (das waren noch Zeiten!)... Aber hundert Euro oder gar ein, zwei Tausend Euro, das war wirklich etwas, was Möglichkeiten außer der Reihe eröffnete. Ein Konzertbesuch vielleicht, oder eine Reise zu meiner Verwandtschaft in den USA. Ein neuer PC, ein größerer Monitor, solche Dinge.
  3. Berufseinstieg - X zwischen 3,5 und 4
    Das Studium war geschafft, und jetzt hatte ich den ersten "richtigen" Job. Mit monatlichem Gehalt, aber praktisch ohne Rücklagen. Mal mit Überstunden, mal ohne, aber stabil im Bereich 10 hoch 3,5. Jeden Monat. Wenn es dann aber doch mal "Extras" gab, zum Beispiel Weihnachts- oder Urlaubsgeld, dann war das immer noch wahrnehmbar, weil es zu dem Zeitpunkt im Bezug zum Gesamtvermögen noch nennenswerten Hub generiert hat.
  4. Beruflicher Aufstieg und erster Auslandsaufenthalt - X zwischen 4,5 und 5
    Mit Beförderung zur Führungskraft und erster Entsendung ins Ausland (Stichwort "Buschzulage") stieg das Gehalt weiter, und auch der Puffer auf dem Bankkonto. Irgendwann waren selbst 10.000 Euro nichts, was das Gesamtbild noch "fundamental" verändert hätte: 280T€? 290T€? Jo. Haufen Geld halt. Spätestens mit Kauf der eigenen Wohnung bewegten meine Frau und ich Geld im Bereich oberhalb von 10 hoch 5,5, und so gewöhnten wir uns langsam an Summen, die zehn Jahre zuvor noch Schwindel ausgelöst hätten.
  5. Weiterer Anstieg des Nettovermögens - X zwischen 5 und 5,5
    Vermögensaufbau ist ja "ganz einfach" - verdiene so viel wie möglich; spare so viel wie möglich (*natürlich dabei das Leben nicht vergessen); und investiere das, was Du sparst, möglichst clever. Den Ball ins Rollen brachte da der zweite Auslandsaufenthalt, da das Einkommen hoch (hoher Bonus in extrem billigem Land), die Ausgaben runter (Grüße an die Pandemie mit ihren Einschränkungen...) und die finanzielle Bildung (Shoutout an Blackwater und ein paar andere Finanzblogs) durch die Decke gingen. Am Ende war das Nettovermögen siebenstellig (X=6), und selbst hundertausend Euro hätten keine Auswirkungen mehr gehabt - die Sparpläne wären hochgefahren worden, in dem Jahr hätten wir mehr gespendet - aber an unserem grundsätzlichen Leben hätte sich exakt nichts geändert. Wir haben alles, was wir brauchen.
  6. Stand heute - X ab 6,5
    Die Ziele verändern sich. Ich stelle fest, dass mir das "Corporate Game" nicht mehr so viel Spaß macht, wie früher, weil es sich verändert hat. Kaum noch jemand kann ungestört die Dinge tun, die er mal gelernt hat. Stattdessen hirnrissige Prozesse, entworfen von Leuten, die sie nicht anwenden müssen, und Beauftragte für allen möglichen Schabernack.

    "Wie sieht es denn aus mit Schwangeren in ihrer Werkstatt?"
    "Hmm, keiner meiner drei Mechaniker ist gefährdet, demnächst schwanger zu werden..."
    "Ja aber wenn Sie eine Mechanikerin hätten?"
    "Ja, dann würde ich mir zu gegebener Zeit darüber gedanken machen."
    "Nein, das müssen Sie jetzt schon machen!""..."

    So ein Kram halt. Ich sehe Geld mehr und mehr als Versicherung gegen Säue, die durchs Dorf getrieben werden (sowohl in der Firma als auch im Land), als Garant für eine "Position des Fuck You". Als solches würde ein X=6 noch keinen direkten "lebensverändernden" Unterschied machen (es würde natürlich den Zeitpunkt des Erreichens des "Fuck You"-Status nach vorne ziehen, aber das Leben ginge wohl so weiter wie vorher), X=6,5 aber wäre sofortige Unabhängigkeit von allem und jedem. Und X=7 schließlich hätte wirklich lebensverändernde Auswirkungen jenseits dessen, was ich mir heute auszumalen wage. Und - ich wage mal eine Prognose - ich werde nicht mehr an einen Punkt kommen, an dem das anders wäre.



   
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Khadija
(@khadija)
Schachspieler Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 3 Jahren
Beiträge: 128
 

Das finde ich sehr gut geschrieben und gut zum vorstellen, Dankeschön dafür! Für mich auch interessant wie sich dann die Perspektive verändert. Und das mit dem heutigen Berufsleben habe ich auch schon oft gehört. Vielleicht ist es ein Grund warum viele aus unserer Bubble lieber selbstständig machen. Sicher bin ich mir aber nicht. Jetzt zum japanischen Thread...



   
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khushu
(@khushu)
Blackberry© Gourmet Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 2 Jahren
Beiträge: 121
 

Veröffentlicht von: @Anonym

  1. Die Ziele verändern sich. Ich stelle fest, dass mir das "Corporate Game" nicht mehr so viel Spaß macht, wie früher, weil es sich verändert hat. Kaum noch jemand kann ungestört die Dinge tun, die er mal gelernt hat. Stattdessen hirnrissige Prozesse, entworfen von Leuten, die sie nicht anwenden müssen, und Beauftragte für allen möglichen Schabernack

Ohja! Von irgendwelchen Bubis und Häschen von einer Uni in St. Gallen, denen man ansieht und "hört", dass sie null Interesse an dem Laden haben, den sie gerade beraten müssen - und sie das ganze nur fürs viele Geld machen, und damit sie in ihrem Freundeskreis angeben mit einer "wichtigen Position wo andere machen müssen was sie sagen". Und deswegen Null Liebe entwickeln für ihre Arbeit, ob die von ihrem Bilderbuch-Prozesshandbuch und ihren Uni-Vorlesungen gespeisten Vorschläge überhaupt Sinn machen. Und da rede ich nicht von McK oder BCG, diese Abgehobenheit haben mittlerweile schon mittelmässige bis unterdurchschnittliche Mittelstandsberatungen.

"I'm Getting Too Old For This Shit"  🙃 🙃 🙃 

https://knowyourmeme.com/memes/im-getting-too-old-for-this-shit

 



   
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Gold-oder-Aktien
(@gold-oder-aktien)
Internationaler Meister Blackwater Stammleser
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Eine interessante Skizze, die bei jedem anders aussieht, aber spannend zu lesen. 

Es kommt natürlich immer darauf an wieviel "Glück" und Fleiß man mitbringt, vielleicht einige richtig gestellte Weichen und eine Anschubfinanzierung der Eltern hilft da schon sehr. 

Bei mir sieht es z.B. ganz anders aus, doch meine Startbedingungen war auch etwas "holpriger". Trotzdem denke ich dass man fast alles erreichen kann, wenn man dafür bereit ist etwas mehr zu tun als andere vielleicht müssen.

Und ja, wie überall gehört auch ein wenig Glück dazu, oder auch Zitat: "Chancen sind meist als harte Arbeit getarnt, so dass die meisten Menschen sie nicht erkennen." (Ann Landers) 

 



   
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khushu
(@khushu)
Blackberry© Gourmet Blackwater Stammleser
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Beiträge: 121
 

Veröffentlicht von: @gold-oder-aktien

Eine interessante Skizze, die bei jedem anders aussieht, aber spannend zu lesen. 

Es kommt natürlich immer darauf an wieviel "Glück" und Fleiß man mitbringt, vielleicht einige richtig gestellte Weichen und eine Anschubfinanzierung der Eltern hilft da schon sehr. 

Bei mir sieht es z.B. ganz anders aus, doch meine Startbedingungen war auch etwas "holpriger". Trotzdem denke ich dass man fast alles erreichen kann, wenn man dafür bereit ist etwas mehr zu tun als andere vielleicht müssen.

Und ja, wie überall gehört auch ein wenig Glück dazu, oder auch Zitat: "Chancen sind meist als harte Arbeit getarnt, so dass die meisten Menschen sie nicht erkennen." (Ann Landers) 

 

Bei mir sieht es auch nicht so rosig aus. Aber auch nicht ganz dunkel. Ich würde daran aber auch nicht den Erfolg messen. Jeder Idiot kann "aufwärts fallen". Es ist kismet, wie die Araber ganz relaxed sagen.

Bei dem Zitat dachte ich für eine Milisekunde, dass du dieses Kleinod eines deutschen Finanzministers bringst - hast du aber nicht, deswegen nutze ich jetzt meine Gelegenheit... 🤣 

https://imgflip.com/i/8jopme

 



   
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(@gesperrter-nutzer)
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Beigetreten: Vor 2 Jahren
Beiträge: 2368
Themenstarter  

Veröffentlicht von: @khushu

Bei dem Zitat dachte ich für eine Milisekunde, dass du dieses Kleinod eines deutschen Finanzministers bringst - hast du aber nicht, deswegen nutze ich jetzt meine Gelegenheit... 🤣 

Das kannte ich nicht aber O.M.G.

https://m.youtube.com/watch?v=w0rL6Ju9H2Q

Das ist sehr cringe, einerseits. Andererseits: Drive hatte er, muss man neidlos anerkennen.



   
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(@lichtenberg99)
Internationaler Meister Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 5 Jahren
Beiträge: 1416
 

Danke Iki, äußerst gut geschrieben. Und Anlass zu reflektieren.

Veröffentlicht von: @Anonym

Als solches würde ein X=6 noch keinen direkten "lebensverändernden" Unterschied machen (es würde natürlich den Zeitpunkt des Erreichens des "Fuck You"-Status nach vorne ziehen, aber das Leben ginge wohl so weiter wie vorher), X=6,5 aber wäre sofortige Unabhängigkeit von allem und jedem

Das war mein Treiber in den ersten 10 Berufsjahren - fing bei X=3 mit dem ersten Job an und endete mit X=5,x Es ging mir darum, von niemanden abhängig zu sein und jederzeit sagen zu können: LMAA, ich gehe.

Veröffentlicht von: @Anonym

Die Ziele verändern sich. Ich stelle fest, dass mir das "Corporate Game" nicht mehr so viel Spaß macht, wie früher, weil es sich verändert hat. Kaum noch jemand kann ungestört die Dinge tun, die er mal gelernt hat. Stattdessen hirnrissige Prozesse, entworfen von Leuten, die sie nicht anwenden müssen, und Beauftragte für allen möglichen Schabernack.

Das Problem hatte ich auch, nachdem ich zwei global agierende, amerikanische Corporates durchlaufen habe. Danach war ich einen Konjunkturzyklus, einen Zentralisierungs- + Dezentralisierungszyklus, einen Abbau und Aufbauzyklus, mehrere "Visionszyklen", TQM + six sigma und diverse weitere Schwingungen durch. Und mir war klar, dass ich das nicht noch 25 Jahre bis zur Verrentung aushalten würde. 

So bin ich in der Selbstständigkeit gelandet. Mit ein paar Jahren Stagnation des X und dann wieder weiterem Anstieg. Wobei ich festgestellt habe, dass die Freiheit und die Freude an der Gestaltung viel viel wichtiger ist, als der Anstieg des X. Der war eher ein Nebenprodukt.

Veröffentlicht von: @gold-oder-aktien

Es kommt natürlich immer darauf an wieviel "Glück" und Fleiß man mitbringt.

Definitiv hat das extrem viel mit Glück zu tun. Meistens muss man den richtigen Leuten begegnen - zumindest war das bei mir so. 

Wobei ich glaube, dass es extrem hilfreich ist, dass man eine genaue Vorstellung davon entwickelt, was man möchte. Dann sieht man überall die Chancen, die einem die Welt so präsentiert - auch wenn das im Einzelfall alles Zufälle sind. 



   
challani89, Gold-oder-Aktien, yasmeen90 and 3 people reacted
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