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Islam☪️ Yusuf al-Karadawi tot

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mrtn
 mrtn
(@mrtn)
Super Großmeister Moderator Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 4 Jahren
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Yusuf al-Karadawi ist tot.

Für die islamische Welt ist das sehr interessant, aus mehreren Gründen. U.a. wird das in einem Artikel der NZZ erklärt.

HIER.

 

Hier ein Auszug mit dem Inhalt, auf den ich mich beziehe:

Seinen letzten Höhepunkt hatte er während der arabischen Revolutionen als der weltweit wohl bekannteste muslimische Gelehrte, der die Volksaufstände gegen die autoritären Regimes lautstark unterstützte.

Als im Herbst 2013 seine Show auf al-Jazeera endete, schrumpfte nicht nur sein Einfluss, sondern auch die Ära der grossen TV-Imame. Junge Menschen im Nahen Osten schauen wie überall auf der Welt immer weniger lineares Fernsehen. Durch die Digitalisierung der Öffentlichkeit spielten Figuren wie Karadawi keine Rolle mehr, sagt Reinhard Schulze. Dadurch werde die ohnehin schon fragmentierte islamische Welt immer pluralistischer.

 

Der unterstrichene Teil ist wichtig!

Wie ich schon öfters geschrieben habe (ein Thema, welches ich auch privat immer wieder diskutiere) hat der sunnitische Mehrheitsislam theologisch gesehen keine zentralen Strukturen, Führer oder ähnliches. Klar, es gibt selbsternannte "Führer" ab und an. Aber es gibt keine theologische Grundlage bzw. kein Erfordernis für so eine Art von Führung.

Insgesamt fragmentiert sich die gelebte Religion aber nun durch das Internet mehr und mehr. Es gibt einzelne Prediger mit Millionen von Followern. Manche von denen haben nicht einmal an einer Universität studiert. Tik Tok und Co. legitimiert die.

Das muss nicht immer schlecht sein, aber insgesamt halte ich das für sehr gefährlich. Im Prinzip kann es hier langfristig zu den gleichen Problemen kommen wie im Christentum. Sekten mit selbst ernannten Gurus noch und nöcher. Und das in einer Religion, die sich durch die einfache Mensch zu Gott Verbindung auszeichnet - ohne dass irgendwas oder irgendwer dazwischen steht.

Wir leben in spannenden Zeiten...

 

 

 

NZZ:

haben sich stattdessen einzelne Personen in kleineren, meist örtlich verankerten Kreisen als Meinungsführer etabliert, die eigenmächtig Ratschläge erteilen. In diesen Kreisen fehlten die Prozesse von früheren Gelehrten, die das Recht nach genau vorgegebenen Regeln interpretierten und ihre Ansichten innerhalb grosser ideologischer Debatten teilten. Yusuf al-Karadawi war einer der letzten Vertreter dieser alten islamischen Welt.

 



   
himself63 reacted
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(@himself63)
Fide Meister Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 5 Jahren
Beiträge: 2368
 
Veröffentlicht von: @mrtn

Und das in einer Religion, die sich durch die einfache Mensch zu Gott Verbindung auszeichnet - ohne dass irgendwas oder irgendwer dazwischen steht.

Als ich vor einigen Tagen im Koran gelesen habe, gingen meine Gedanken genau in diese Richtung. Ich dachte auch, dass der Islam als Religion viel robuster sei, als z.B. das Christentum, genau deshalb, weil niemand zwischen Gott und Mensch steht. Wenn ich den Koran bis jetzt richtig verstanden habe, ist der Mensch der Stellvertreter Gottes, jeder einzelne. Aber selbst das scheint ja nicht gegen selbsternannte Experten und Sektenbildung zu helfen. Man lernt nie aus.



   
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mrtn
 mrtn
(@mrtn)
Super Großmeister Moderator Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 4 Jahren
Beiträge: 4751
Themenstarter  

@himself63 Missbrauchen kann man letztlich jede Religion, Philosophie, Politik etc.

Dafür gibt es verschiedene Gründe, aber mir fallen einige auf, die so gut wie immer zutreffen:

- Menschen, die shortcuts und einfache Antworten wollen mit dem Hintergrund, dass sie denkfaul sind. (klar gibt es auch einfache richtige Antworten, in der Religion wäre das zum Beispiel: Schöpfung/intelligent Design. Aber es geht ja meist um andere Fragen. So findet man auf den YouTube Kanälen von Tik Tok Predigern Fragen und Antworten zu: ist es halal dunkle Schokolade zu essen, ist ein Gebet ungültig wenn ich zwischendurch ein Wort vergessen habe etc.

Bei so einem Niveau muss man leider von Menschen ausgehen, die selbst ihr Denken aufgegeben haben.

Und...

 

- diese finden ihre "Führer". Leute mit Sendungsbewusstein und den Antworten auf alle Fragen. Meist aus dem Zusammenhang gerissen und um 150 Ecken herum interpretiert.

 

 

Respekt für den Start mit dem Quran @himself63 Es wurde irgendwo schon geschrieben. Es macht Sinn das Buch eher von hinten zu lesen. Also Sure 1 (ganz kurz, die Al-Fatiha) lesen, eine der wichtigsten Suren überhaupt und die Sure 2 Al-Baqara, die ist sehr eindrucksvoll (die längste Sure des Qur'an).

Aber dann von hinten lesen, weil die Suren sind erst mal leichter zu verdauen und haben einen Kontext den man kennt, wenn man beispielsweise die Grundlagen der Bibel schon kennt.

Beim Qur'an muss man immer bedenken, dass es eine Interpretation des Altarabischen ist und es da durchaus erhebliche Unterschiede in den Varianten gibt. Außerdem ist die Sprache sehr bildlich. Dadurch gibt es auch bewusste Übertreibungen (Hyperbeln). Vieles ist ohne Kontext nicht verständlich. Aber insgesamt ist der rote Faden klar erkennbar. Ich habe für mich unklare Stellen und Unverständliches (SELBST GOETHE SAGTE VIELES IST IM QUR'AN UNVERSTÄNDLICH) dann überflogen und mir die Punkte rausgeschrieben, die eindeutig sind.

Die Übersetzung des Qur'an ist eine Interpretation und er wird zusätzlich durch Überlieferungen (Hadithe) interpretiert. Das ist eine Wissenschaft für sich, da kann man oft nur Personen fragen, die Islamwissenschaften in Ägypten oder Saudi-Arabien studiert haben (@wuestenrose91), sonst kommt man nicht weiter. Das Studium der Islamwissenschaften in Deutschland kann man inzwischen vergessen, ist ähnlich wie Geschichte in DE zu studieren 🤣 - stark einseitig eingefärbt.

Braucht man das um den Kern des Islam zu verstehen? NEIN, die Religion ist einfach und klar. Aber wer in die Tiefe will, bekommt unendlich Tiefe. So hatte mich damals Safiya darauf neugierig gemacht und ich wurde nicht enttäuscht (insbesondere im Vergleich zum Christentum finde ich das Konzept sehr viel logischer).



   
himself63 reacted
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