Es geht nicht um ihr eigenes Geld, aber ihre (mehr oder weniger stichhaltigen) Prognosen beeinflussen das Wohlergehen vieler anderer.
Da haben wir wieder den Bullshitfaktor "Skin in the game". Leider passiert es auch mir immer wieder, dass ich solche Leute zitiere. Ich könnte euch auch mit einem täglichen Horoskop belustigen.
Danke für die Blumen!
Meine Formulierung war in der Tat unglücklich! Falls du dich davon angesprochen gefühlt hast: das war nicht auf dich persönlich bezogen.
Ich versuche es zu erklären. Generell muss man zwischen Makro- und Mikroökonomie unterscheiden. Mit BWL lassen sich Dinge natürlich besser erklären, da man (oft) direkte Auswirkungen in den Zahlen sieht.
Meine Kritik bezieht sich eher auf die Makroökonomen. Die liegen mit ihren Vorhersagen (Stichwort Entwicklung BIP) regelmässig daneben. Zudem werden in den Theorien der Makroökonomie regelmässig Modellannahmen getroffen, mit denen man dann irgendwelche Dinge "beweisen" will. Die Realität schert sich aber nicht darum, ob jemand Modellannahmen trifft.
Ein paar weitere Beispiele: Markowitz hat 1952 die MPT (modern portfolio theory) erstellt und dafür den Nobelpreis bekommen (über die MPT könnte man eine eigene Diskussion starten). Sein eigenes Portfolio bestand allerdings aus 50% Aktien und 50% Anleihen.
Anderes Beispiel: die Gründer von LTCM haben damals ebenfalls den "Wirtschaftsnobelpreis" bekommen. Der von ihnen gegründete Hedge-Fonds ging allerdings 1998 mit einem grossen Knall pleite.
Das wären zwei Beispiele für den Unterschied zwischen Theorie und Praxis.
Stichwort Wirtschaftsnobelpreis: der ist auch eine Erfindung. Alfred Nobel selbst wollte nie einen Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften haben. Die Auszeichnung wurde erst 1968 eingeführt von der Schwedischen Reichsbank. An dem Preis selbst gibt es von vielen Seiten Kritik: en.wikipedia.org - Nobel Memorial Prize in Economic Sciences
Schönes Zitat von Friedrich Hayek aus dem Artikel (der Name sollte einigen etwas sagen):
"The Nobel Prize confers on an individual an authority which in economics no man ought to possess. ... This does not matter in the natural sciences. Here the influence exercised by an individual is chiefly an influence on his fellow experts; and they will soon cut him down to size if he exceeds his competence. But the influence of the economist that mainly matters is an influence over laymen: politicians, journalists, civil servants and the public generally."
Und rate mal, wer den letzten Wirtschaftsnobelpreis bekommen hat? (kannst du dir nicht ausdenken!)
Ben Bernanke! (cnsnews.com - The Good, The Bad, and the Fed, Part I: Bernanke Gets a Nobel. For What?)
Das ist echt ein Treppenwitz der Geschichte. Bernankes Middle Name könnte "corruption" lauten. Aber ich schweife ab...
Du selbst traust dir fundierte Spekulation dagegen zu?
Hier musst du unterscheiden. Es ist das eine, Theorien zu erstellen und zu spekulieren, und etwas anderes, dies als das Ultima Ratio auszugeben. Ja, ich traue mir zu zu spekulieren, weiss aber auch dass es Spekulation ist (und viele Korrelationen und Kausalitäten einfach nur Zufall sind).
Talebs Buch "Fooled by randomness" habe ich leider damals auf die Schnelle nicht bekommen, er erwähnt solche Sachen aber auch in "Black Swan" und "Skin in the game". Ansonsten freu dich schon mal drauf, wenn ich anfangen werde "Antifragility" zu lesen 🤪
Alles gut @weip321!
Mein „Lieblingswirtschaftswissenschaftler“ ist Daniel Kahneman. Immerhin hat auch er bereits einen Nobelpreis erhalten (Zusammen mit seinem Kollegen Amos Tversky) für die bahnbrechende Prospect Theory.
Dass die Ökonomen häufig in die Tonne greifen ist doch klar. Die Prognose für 2020 kam so im Herbst 2019: von Corona keine Spur. Ohne derlei riesig große Erschütterungen ist die Prognose oft (vor Corona 10 Jahre lang immer außer 2018) aber sehr zutreffend gewesen. Sollte 2023/2024 also nichts heute völlig unvorhersehbares mit Riesenauswirkung für alle geschehen, wird die Schätzung ziemlich gut liegen.
Das ist doch nichts wertloses? Auf was sonst als das sollte man seine Vorhersagen machen? Wir alle versuchen doch zu überlegen, wie es weitergeht: wer heute denkt, 2023 kommt der Knall zieht besser sein Geld aus dem Kapitalmarkt ab (Crashjünger, seit mind. 5 Jahren überfällig), wer das nicht denkt, macht buy and hold in der Breite. Wer denkt mit Europa gehts bergab, macht eben dann weniger breites buy and hold. Wer, wie ich denkt, dass da grundsätzlich was dran sein könnte, aber 2023 der Stöpsel noch längst nicht gezogen wird, muss eben möglicherweise aktuell auch noch nicht so richtig aktiv werden, aber vielleicht vorsichtiger.
Wer vor 30 Jahren sagte: „Die EM MÜSSEN bald kommen und dann fleißig in den EM investiert hat, mag zwar Recht behalten, auch zukünftig: auf einen grünen Zweig gekommen ist er dennoch bisher nicht.“
Übrigens: Ich fand Antifragilität in der Sache interessant und wichtig und habe es auch gerne gelesen. Aber vergleichen mit dem schwarzen Schwan empfand ich es als deutlich langatmiger und viel weniger spektakulär.
Mein „Lieblingswirtschaftswissenschaftler“ ist Daniel Kahneman
"Thinking fast and slow" liegt hier bei mir im Regal. Hatte damit angefangen, aber mir war die Schrift im Paperback dann zu klein und ich musste zu oft unterbrechen ob der Informationen.
Kahneman und Tversky sind definitiv positive Ausnahmen!
Auf was sonst als das sollte man seine Vorhersagen machen?
Die Vorhersagen sind halt so eine Sache. In manchen Fällen wäre es besser, erst gar keine Vorhersagen zu treffen. Sonst kommen genau die Gedankenspiele von dir dabei heraus. Ich weiss, dass ich nichts weiss. Je nach Anlagehorizont (je länger, desto besser) kann ich damit einfach stur jeden Monat investieren, ohne mich um das ganze Geschwätz zu kümmern.
Wer vor 30 Jahren sagte: „Die EM MÜSSEN bald kommen und dann fleißig in den EM investiert hat, mag zwar Recht behalten, auch zukünftig: auf einen grünen Zweig gekommen ist er dennoch bisher nicht.“
EM und Small Caps haben Anfang der 90er mal outperformt, seither ist es so naja. Wenn mich nicht alles täuscht, war das eine der Thesen von Fama/French.
Aus meiner Sicht ist auch das ein Problem der Komplexitätsreduktion. Wir hatten damals ganz andere Vorraussetzungen (u.a. Japans Aktienmarkt war bis 1990 der grösste weltweit, ganz andere Verschuldungsgrade etc.) D.h. die Schlussfolgerungen darüber, dass EM und SC outperformt haben, war eigentlich mehr Zufall.
In den letzten 14 Jahren hätte man mit einer US-Übergewichtung massiv outperformt. Die Frage ist halt: hätte man das 2009 schon wissen / ahnen können?
Für mich bleibt der Vanguard All-World deshalb weiterhin das Mass der Dinge, plus evtl. noch ein bisschen Übergewichtung USA (S&P500 bzw. Nasdaq 100)
Übrigens: Ich fand Antifragilität in der Sache interessant und wichtig und habe es auch gerne gelesen. Aber vergleichen mit dem schwarzen Schwan empfand ich es als deutlich langatmiger und viel weniger spektakulär.
Damn, das sagst du mir jetzt? 🤣 Ich habe "skin in the game zuerst" gelesen, aktuell lese ich den Schwarzen Schwan. Antifragility liegt noch ungelesen hier. Naja, schauen wir mal wie es sich so liest.


