Community

Benachrichtigungen
Alles löschen

Investments Anleihen - ab wann haben sie wieder einen Platz im Depot verdient?


ikigaimondai
(@ikigaimondai)
Schach Internationaler Meister Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 9 Monaten
Beiträge: 905
Themenstarter  

Es scheint ja nun allmählich doch zu einer Art Zinswende zu kommen - zumindest in den USA steht die Zinserhöhung vor der Tür, und auch in Europa drückt die aufkommende Inflation ja mehr und mehr in Richtung einer Zinsanhebung.

Durch die lang anhaltende Niedrigzinsphase sind Anleihen in Ungnade gefallen. Nach meinem Verständnis war der Hauptzweck von Anleihen, ein Depot zu stabilisieren, und der Mechanismus dahinter war: Wirtschaftliche Schwierigkeiten führen zu fallenden Aktienkursen, aber auch zu Zinssenkungen zum Stützen der Konjunktur. Diese wiederum würden zu steigenden Anleihekursen führen, was also die Bewegung der Aktienkurse ausgleicht, Rebalancing ermöglicht und damit insgesamt eine lohnende und gute Sache ist. Das Problem mit der Niedrigzinsphase war nun, dass die Anleihen sich nicht mehr "frei" in beide Richtungen bewegen konnten - klar, wenn der Zins erst mal nahe bei oder auf Null oder sogar darunter ist, dann fällt eine Bewegungsrichtung weg und hebelt damit den "gesunden" Mechanismus aus. Und so war die Empfehlung der letzten Jahre die, statt Anleihen gleich Cash bzw. Tagesgeld zu halten, um den risikoarmen (heißt: schwankungsarmen aber inflationsanfälligen) Teil des Portfolios abzubilden.

Wann wäre eurer Meinung nach der Punkt gekommen, an dem man Anleihen wieder dem Portfolio beimischen kann? Kann man diesen Punkt am Leitzins oder anderen Kennzahlen fest machen? Oder gibt es noch andere Einflussfaktoren, die berücksichtigt werden müssen? Erstmal dürfte es jetzt zu einer doppelten "Katerstimmung" kommen, da die Zinserhöhung weder den Aktien noch den Anleihen hilft, richtig?


Zitat
Presskoppweck
(@presskoppweck)
Schach Experte Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 8 Monaten
Beiträge: 377
 
Veröffentlicht von: @ikigaimondai

Und so war die Empfehlung der letzten Jahre die, statt Anleihen gleich Cash bzw. Tagesgeld zu halten, um den risikoarmen (heißt: schwankungsarmen aber inflationsanfälligen) Teil des Portfolios abzubilden.

Ich würde das für eine urban legend halten, denn die Randbedingung lautete immer schon: bei RK1 < 100.000€ (Einlagensicherungsgrenze). Das mag für viele Anleger erstmal ausreichen, aber mit der Einlagensicherung vertraut man privaten Firmen, mit Staatsanleihen vertraut man dem lender of last ressort. Heuer kommt gegebenenfalls noch Verwahrgebühr/Negativzins hinzu und was man auch nicht vergessen sollte: die Kursverluste von Anleihen kann man steuerlich mit den Gewinnen von ETF verrechnen. Verwahrentgelte sind immer dein privates Vergnügen = steuerlich nicht absetzbar.

Wann wäre eurer Meinung nach der Punkt gekommen, an dem man Anleihen wieder dem Portfolio beimischen kann? Kann man diesen Punkt am Leitzins oder anderen Kennzahlen fest machen? Oder gibt es noch andere Einflussfaktoren, die berücksichtigt werden müssen? Erstmal dürfte es jetzt zu einer doppelten "Katerstimmung" kommen, da die Zinserhöhung weder den Aktien noch den Anleihen hilft, richtig?

Wenn man RK1 streng betrachtet, dann darf darin kein Währungsrisiko verborgen sein. Das wäre es aber bei einer Dollaranleihe und wir kommen zurück zu in Euro ausgeschriebenen Anleihen von Schuldnern mit 2 bzw. 3A-Rating (und kurzer Restlaufzeit). Bevor Du da über Null kommst, bieten Banken wieder Positivzinsen auf Einlagen an. Wenn man nicht auf die zukünftige Festgeldleiter warten will, dann kann man jetzt schon bei CosmosDirect ein flexibles Vorsorgekonto nehmen. Ist ein anderes Sicherungssystem (Versicherung), das kann man positiv als Risikostreuung ansehen.


AntwortZitat
lichtenberg99
(@lichtenberg99)
Schach Internationaler Meister Blackwater Stammleser
Beigetreten: Vor 9 Monaten
Beiträge: 538
 

Ich bespare seit ca. 2 Jahren einen ETF auf US $ Staatsanleihen aus Emerging Markets (Vanguard A143JQ), weil ich einfach nicht den gesamten Risikoanteil meines Portfolios in Aktien stecken wollte. Der ETF hatte letztes Jahr eine Performance von ca. 6%. Aber nicht, weil die Anleihen so gut gelaufen wären, sondern weil der US$ gegen den Euro gestiegen ist. Der ETF schüttet monatlich aus, für die, für die das interessant ist. 

Historisch gesehen, haben EM Hartwährungsanleihen eine mässige Korrelation mit Industrienländer Aktien, also deswegen auch zur Diversifikation geeignet. https://www.gerd-kommer-invest.de/schwellenlaender-staatsanleihen/

Aber wichtig: Das gehört in den Risikoteil des Portfolios.


AntwortZitat

Blackwater.live Community

Die Community ist unser Forum und digitales Wohnzimmer. Wir sind eine Minderheit im Internet. Maximal 1% der Leser von anderen Finanzblogs passen zu uns, vermutlich trifft das auch auf die Gesamtbevölkerung zu. Warum das so ist und was die Bedingungen der Teilname bei uns sind, erfährst Du aktuell immer hier:

Wir sind anders weil:

Bei uns wird niemand ausgegrenzt. Es gibt keine dummen Fragen, nur gute und durchdachte Antworten. Wir entdecken zusammen neues und bleiben neugierig. Oberlehrer und andere Klugscheisser die schon alles zu wissen glauben, haben bei uns keinen Platz. Wir achten gemeinsam darauf, dass die Community ein schöner Ort im Internet ist und bleibt.

Wir haben viele Leserinnen und Leser mit muslimischen Background. Das eröffnete kulturell und perspektivisch einen neuen Blickwinkel. Bei uns sind Zuwanderer und Muslime willkommen! Wir helfen ihnen bei allen Fragen, auch wenn sie noch neu im Thema sind.

Gut 70% unserer Leser sind weiblich. Wir achten auf einen niveauvollen Umgang mit unseren Leserinnen, bei uns sind Frauen willkommen und werden nicht herablassend behandelt, egal ob sie Shopping und Schokolade oder Zahlen und Finanzen lieben. Unsere Themen sind für alle Frauen wichtig, ob Ingenieurin oder Beauty Model.

Aktuelle Artikel, die unsere Community betreffen:

Die Blackwater.live Community hat öffentliche Bereiche, die ohne Anmeldung sichtbar sind. Der viel größere Bereich ist nur mit der Anmeldung im Forum sichtbar. Nach dem man das Level Stammleser mit Kommentaren und Beiträgen erreicht hat, bekommt man einen nochmals erweiterten Zugriff. Unsere Leserinnen haben einen extra geschützten Bereich für sich.

Bei uns bekommt man kostenfrei Expertenwissen zum Thema Finanzen, was auf anderen Seiten für viele hundert Euro teuer verkauft wird. Das haben wir nicht nötig. Unsere Seite wird in erster Linie aus Leidenschaft betrieben, nicht aus monetären Gründen. Wir vermeiden damit Interessenkonflikte mit unseren Leserinnen und Lesern.