Gaskunden in Deutschland müssen 2025 mit drastisch steigenden Netzentgelten rechnen. Trotz sinkender Rohstoffpreise drohen Mehrkosten von bis zu 93,6 Prozent. Experten warnen vor regionalen Unterschieden.
Quelle: Verivox, Anfragen über Netzbetreiber und Anbieter
Im kommenden Jahr droht Millionen von Gaskunden in Deutschland eine böse Überraschung. Trotz moderater Rohstoffpreise steigen die Netzentgelte für Gas drastisch an. Warum ist das so und welche Regionen sind besonders betroffen?
Warum steigen die Kosten?
Die steigenden Netzentgelte sind der Hauptgrund für die Mehrkosten, die auf Gaskunden zukommen. Diese Gebühren machen einen erheblichen Teil des Gaspreises aus. Experten berichten, dass Haushalte, die mit Gas heizen, mit zusätzlichen Kosten von mehreren Hundert Euro rechnen müssen.
Besonders betroffen sind Einfamilienhäuser, die ab 2025 bis zu 445 Euro mehr für Gas ausgeben könnten. Diese Zahlen basieren auf den Berechnungen des Vergleichsportals Verivox, das eine Erhöhung der Netzentgelte um bis zu 56 Prozent prognostiziert.
„Wer ein Einfamilienhaus heizt, muss ab kommenden Jahr bis zu 445 Euro mehr bezahlen. Der durchschnittliche Anstieg beträgt aktuell rund 23 Prozent, was für ein Einfamilienhaus mit einem Jahresverbrauch von 20.000 kWh Mehrkosten von rund 103 Euro (brutto) entspricht.“ zitiert „Bild“ das Vergleichsportal Verivox.
Fokus:
Hintergrund der starken Erhöhungen im kommenden Jahr sind neue Regeln, die die Bundesnetzagentur im Sommer festgelegt hat. Sie stand vor folgendem Problem: Da Deutschland bis 2045 Co2-neutral werden möchte, müssen sämtliche Erdgasheizungen in Wohnungen bis dahin durch klimafreundliche Varianten ersetzt werden. Das bedeutet, dass ab sofort jedes Jahr weniger Kunden Erdgas beziehen werden. Die Verteilnetze können aber nicht in gleichem Maße abgebaut werden, sondern müssen für immer weniger Kunden bereitgehalten werden. Die Netzentgelte sollen den Betrieb dieser Netze bezahlen. Wenn also die Betriebskosten für die Netzbetreiber gleich bleiben, es aber immer weniger Kunden gibt, muss jeder Kunde ein höheres Entgelt zahlen. Zudem würden auch die später anfallenden Rückbaukosten, die ebenfalls über die Netzentgelte bezahlt werden, nur noch von wenigen Kunden getragen werden.
Damit sich die Kosten besser verteilen lassen, erlaubt die Bundesnetzagentur den Netzbetreibern, die Kosten für Betrieb und Rückbau schon ab kommendem Jahr bis 2035 oder 2045 je nach Region zu strecken. Das bedeutet, dass ab kommendem Jahr alle Gaskunden bereits an den künftigen Kosten beteiligt werden. Dafür steigen die Netzentgelte später nicht mehr so stark, wenn die Zahl der Gaskunden immer weiter sinkt.
Das schreibt Merkur.de:
Die Experten rechnen bei einem Verbrauch von 20.000 kWh für einen Familienhaushalt mit durchschnittlichen Gesamt-Entgeltkosten für das Jahr 2025 von 507,90 Euro. Die höchsten Preissteigerungen seien in 72581 Dettingen zu beobachten. Das Gasversorgungsunternehmen ErmstalEnergie werde den spezifischen Arbeitspreis hier drastisch um +93,6 Prozent auf 5,49 ct/kWh erhöhen. Anbei eine Übersicht der stärksten Preissteigerungen:
| Wo? | Netzbetreiber | Veränderungen/Preissteigerungen |
| Dettlingen | ErmstalEnergie | +93,6 Prozent (5,49 ct/kWh) |
| Premnitz | Stadtwerke Premnitz | +74,8 Prozent (3,32 ct/kWh) |
| Detmold | Stadtwerke Detmold | +66,2 Prozent (3,16 ct/kWh) |
| 268 Postorte in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern | E.DIS Netz | +56,3 Prozent (5,18 ct/kWh) |
| 32 Postorte in Baden-Württemberg | MVV Netze | +41,7 Prozent (4,22 ct/kWh) |


