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Privat Was bedeutet es deutsch zu sein?

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Super Großmeister Moderator Blackwater Stammleser
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Angesichts der politischen Umwälzungen in Deutschland und weil Blackwater.live eine internationale Community ist, habe ich ein paar Gedanken, die ich zum Thema "deutsch sein" mit euch teilen möchte.

Das ist mir sehr wichtig, da ich mich in bestimmten Bereichen für die Positionen der AfD stark gemacht habe und diese auch nach wie vor richtig halte. Mir geht es hier im Wesentlichen um die Positionen, die in jedem anderen Land der Welt als normal gelten: Kontrollierte Migration, Staatsgrenzen, das Handeln der Politik für die eigenen Bürger, eine gesunde Familienpolitik, dass es nur 2 Geschlechter gibt, Vernunft statt Ideologie in der Wirtschaftspolitik. Außerdem sollte Deutschland keine Kriege führen und unterstützen, sondern ein ehrlicher und guter Vermittler sein.

Kritikpunkte an der AfD sind Aussagen, die pauschal gegen Ausländer sind. Diese sind zwar nirgendwo im Parteiprogramm zu finden, aber einzelne Mitglieder haben durchaus problematische Ansichten. Aber ich bin niemals pauschal gegen Migranten (egal welcher Nation und Religion) gewesen. Mir ist klar, dass es in der AfD (und nicht nur dort) aber Leute gibt, die durchaus ausländerfeindlich oder islamophob sind. Das lehne ich komplett ab und sollte ich jemals stärker innerhalb der AfD engagiert sein, werde ich mich dafür auch stark machen.

Deutschland und seine Bewohner und alle die Gäste, die diesem Land positiv gewogen sind haben ein Recht darauf, dass gewählte Politiker sie vertreten und das im Interesse der gesamten Bevölkerung tun - auch den Deutschen selbst. Die Deutschen selbst sind ein bunter Mix an Mentalitäten und kleineren "Völkern". Das wird klar, wenn man die Geschichte betrachtet (was allgemein zu wenige Menschen tun). Und die Deutschen selbst sollten unbedingt lernen, dass ihre eigene Kultur auch ein Recht auf Existenz hat. Und nicht nur das, es gibt viele schöne und liebenswerte Dinge an der deutschen Kultur.

Ja, ich finde es wichtig, dass man andere Kulturen und Religionen achtet und respektiert. Aber das ist keine Einbahnstrasse. Genauso sollte auch die deutsche Kultur und Lebensart geachtet werden. Und das ist eine "Baustelle" im Land. Einerseits weil viele Deutsche sich offenbar selbst hassen (siehe links-grün), andererseits weil es Gäste hier im Land gibt, die sich übergriffig und unverschämt verhalten.

 

Aber, was bedeutet eigentlich "deutsch" zu sein? Davon handelt dieser Aufsatz:

Johann Wolfgang von Goethe, Immanuel Kant, Annette von Droste-Hülshoff, Hildegard von Bingen, Heinrich Heine – sie alle waren keine deutschen Staatsbürger, aus dem ganz einfachen Grund, weil es noch keine deutsche Nation gab, als sie lebten. Dennoch waren sie alle Deutsche.

Da gerade wieder von einigen Leuten behauptet wird, es sei diskriminierend, zwischen Deutschen und deutschen Staatsbürgern zu unterscheiden, möchte ich erklären, warum es gerade nicht rassistisch ist, zu erklären, dass man nicht die deutsche Staatsbürgerschaft haben muss, um Deutscher zu sein.

Völker kommen und gehen. Sie entstehen, bestehen, verwehen. Nicht selten werden Völker von außen bestimmt. Das Wort „Deutsch“ kommt von dem Wort „diutisc“, das so viel wie „zum Volk gehörig“ bedeutet. Mit diesem Begriff wurde die nicht romanisch sprechende Bevölkerung jenseits der nördlichen Grenze des Römischen Reiches bezeichnet. Der erste wichtige Beleg für den Begriff ist eine Textstelle aus dem 4. Jahrhundert, eine Passage in der gotischen Bibelübersetzung des Bischofs Wulfila. In seiner griechischen Vorlage fand er als Gegenbegriff zu „jüdisch“ den Begriff „ἐθνικός“ (zum Heidenvolk gehörig). Die nichtjüdischen Völker, die noch christlich bekehrt werden sollten, wurden mit diesem Wort zusammengefasst. Wulfila übersetzte den Begriff ins Gotische und verwendete dazu das Wort „þiudisko“.

Mit diesem Begriff wurden alle Stämme jenseits der römischen Grenze zu einem Volk subsumiert. Dabei hatten diese Stämme alles andere als eine gemeinsame Identität. Sie glaubten an unterschiedliche Gottheiten und hatten unterschiedliche Führungspersonen. Viele Stämme lagen sogar in blutigen Kriegen miteinander. Niemals wären diese unterschiedlichen Stämme auf die Idee gekommen, sich als Teil eines einheitlichen Volkes zu verstehen. Die Römer jedoch konnten diese Stämme nicht auseinanderhalten. Für die Römer sahen diese Exoten alle gleich aus und waren alle gleich unverständlich. Deshalb subsumierten auch sie diese Stämme unter diesem Begriff.

Nach dem Zusammenbruch des antiken Römischen Reiches war Mitteleuropa für Jahrhunderte ein chaotisches Gebiet der Völkerwanderung mit Scharmützeln an jeder Ecke. Erst die Karolinger brachten wieder Ordnung in die Region, indem Karl der Große von der römisch-katholischen Kirche wieder zum Cäsar (Kaiser) gekrönt wurde. So entstand das karolingische Ostfrankenreich. Aus dem Westfrankenreich sollte sich später Frankreich entwickeln. Aus dem Ostfrankenreich jedoch bildete sich im 10. Jahrhundert unter der Dynastie der Ottonen das Heilige Römische Reich heraus. Ab dem 15. Jahrhundert kam der Zusatz „Deutscher Nation“ hinzu, um das Reich vom antiken Rom zu unterscheiden.

Als dieses Reich im frühen 19. Jahrhundert aufhörte zu existieren, war Mitteleuropa wieder ein Flickenteppich mit dutzenden Landesvätern. „Deutschland“ war der Ort, wo einst all die Stämme gelebt hatten, die die Römer einst als „Deutsche“ bezeichnet hatten. Der Traum, daraus eine Nation zu machen, zerplatzte in der gescheiterten Revolution 1848/49. Den Vorstellungsraum Deutschland dominierten danach das Kaisertum Österreich, das Königreich Preußen, der Rheinbund und der Deutsche Bund unter der Führung Österreichs, der sich im Jahr 1815 gegründet hatte.

Der Deutsche Bund war ein Staatenbund, den die „souveränen Fürsten und freien Städte Deutschlands“ schlossen. Die Mitglieder des Deutschen Bundes waren auch der Kaiser von Österreich und die Könige von Preußen, Dänemark und der Niederlande. Der Deutsche Bund war im Grunde genommen die Europäische Union des 19. Jahrhunderts. Und so wie heute in der Europäischen Union, so entstand damals auch im Deutschen Bund bei manch einem Idealisten der Wille, aus dem Staatenbund eine Supernation zu machen. Länder wie Bayern und Preußen empfanden diese Supernation als großartige Idee, andere Länder wie Dänemark und die Niederlande jedoch sahen das nicht so und verweigerten sich der Gründung und Teilnahme eines Deutschlands. Vermutlich waren diese Länder bei den Idealisten damals so verpönt wie heute manche Kritiker der Supernation Europa.

In den Ländern, die an der Gründung Deutschlands teilnahmen, entwickelte sich schnell die Frage nach dem Königshaus. Welches Haus sollte über Deutschland herrschen? Die Konkurrenz zwischen Österreich und Preußen um die Vorherrschaft im Bund spitzte sich zum deutschen Dualismus zu. Mit dem Deutschen Krieg und der Schlacht bei Königgrätz entschied Preußen 1866 die Vorherrschaft zu seinen Gunsten, führte die diversen Länder zu einem Reich zusammen und gab ihm den Namen „Deutsches Reich“, in Anlehnung an das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, um so eine jahrhundertelange Tradition zu behaupten. So wurde das Deutsche Reich als Nation im Jahr 1871 gegründet.

Für das „Deutsche Reich“ wurde ein Denkmal errichtet, oder besser gesagt, fertiggestellt. Um die Macht des neuen Deutschen Reiches zu dokumentieren, wurde eine über sechshundertjährige Baustelle vollendet. Das Gebäude sollte daraufhin vier Jahre lang das höchste Gebäude der Welt sein. Es war der Kölner Dom! Köln wurde somit im Jahr 1871 deutsch. Davor war die Stadt mal römisch und mal französisch gewesen. Mal wurde die Stadt von Gaffeln regiert, mal von Patriziern. Das Volk, das mit am längsten in Köln lebt, sind die Juden. Sie lebten schon in Köln, bevor sich dort irgendwelche Menschen Deutsche nannten.

Die Nation der Deutschen entstand also erst im Jahr 1871. Das ist auch der Grund, warum die Deutschen bei den verschiedenen Völkern so unterschiedlich heißen. Es gab die Deutschen schlicht und ergreifend noch nicht, als ihre Nachbarn ihnen Namen gaben. Die Deutschen gab es noch nicht, aber an der Grenze der Franzosen lebten die Alemannen, deshalb sagen die Franzosen „Allemands“. An der Grenze der Finnen leben die Sachsen, deswegen sagen sie „Saks“. Die Schweiz gründete sich fast siebenhundert Jahre vor Deutschland. An ihrer Grenze im Norden leben die Schwaben. Darum sagen die Schweizer zu den Deutschen Schwaben. Die Polen nennen die Deutschen Niemiecki und die Engländer Germanen.

Deutsch ist, wer Deutsch spricht, und zu all den deutschen Sprachen gehören die Sprachen, die aus der ersten deutschen Lautverschiebung hervorgegangen sind. Sie fand ungefähr vor 2500 Jahren statt. Die Lautverschiebung wurde 1822 von Jacob Grimm als Lautgesetz formuliert, weshalb die Lautverschiebung im Englischen „Grimm’s Law“ genannt wird – das grimm’sche Gesetz. Ja, Englisch ist eine deutsche Sprache. Eine besondere Entwicklung der Lautverschiebung ist die Lautverschiebung von q nach w. Noch heute beginnen die meisten Frageworte der romanischen Sprachen mit q (quand, qui, quelle, que), während die deutschen Sprachen Frageworte mit w haben (who, where, wieso, weshalb, warum). Die zweite Lautverschiebung führte später zur Herausbildung des Hochdeutschen.

Man muss somit nicht die deutsche Staatsbürgerschaft haben, um ein Deutscher zu sein. Die größten deutschen Dichter und Denker hatten keine deutsche Staatsbürgerschaft – schlicht und ergreifend, weil es zu ihren Lebzeiten noch keine deutsche Nation gab. Aber auch nach 1871 gab es viele deutsche Dichter ohne deutsche Staatsbürgerschaft, zum Beispiel den österreichisch-tschechischen Dichter Franz Kafka und den Schweizer Schriftsteller Hermann Hesse.

Es ist und war über Jahrhunderte sogar ausnahmslos die Sprache, die einen Menschen zum Deutschen machte. Deutscher ist, wer Deutsch spricht. Deutschland definierte sich jahrhundertelang über die Fähigkeit, Deutsch zu sprechen, sich deutsche Märchen zu erzählen und deutsche Lieder zu singen.

Die Familie der Deutschen ist eine Sprachfamilie. Man muss keine deutsche Staatsbürgerschaft besitzen, um zu dieser Familie zu gehören. Man kann Österreicher, Pole, Koreaner, Amerikaner, Franzose, Nigerianer oder Israeli sein – wenn man Deutsch spricht, ist man ein Deutscher. Zu den vielen deutschen Sprachen gehört auch Jiddisch.

Es gibt somit einen besonderen Grund, warum es Muttersprache und Vaterland heißt: Denn es gibt zwei Arten von Deutschen, nämlich jene, die eine deutsche Sprache sprechen (Muttersprache), und jene, die die deutsche Staatsbürgerschaft haben (Vaterland).

Hochdeutsch ist die Sprache, die sich heute im Vaterland Deutschland durchgesetzt hat. Es gibt allerdings sehr viele Länder, in denen von vielen eine andere deutsche Sprache gesprochen wird – und diese Regionen sind heute so verfeindet wie einst die vielen deutschen Stämme. Nirgendwo kann man das besser sehen als in der Art, wie die Deutschen Fußball lieben. Nichts beschreibt Deutschland besser als die deutsche Fußballtradition:

Die einzelnen Regionen kämpfen gegeneinander. Die Berliner gegen die Münchner und die Rheinländer gegen die Westfalen. Sie bekämpfen sich und singen dabei Schlachtgesänge. Aber alle vier Jahre schickt jeder Stamm seinen besten Mann, und dann gründen sie eine Gruppe, die sie Deutsche Nationalmannschaft nennen. In dieser Formation kämpfen sie dann gegen andere Länder. Das ist der Moment, da die Deutschen ihre Fahnen rausholen. Im Kampf gegen einen gemeinsamen Gegner entwickeln sie ihre Identität. So war es übrigens auch in den Jahren kurz vor 1871. Nur der gemeinsame Feind Frankreich sorgte dafür, dass das Deutsche Reich gegründet werden konnte.

Wenn die Fußballweltmeisterschaft allerdings vorbei ist, dann packen die Deutschen wieder ihre Deutschlandfahnen weg. Dann sind sie wieder Rheinländer, Bayern, Sachsen und andere Lokalpatrioten – und sie bekämpfen sich gegenseitig. Und natürlich hassen sie das Bier der anderen.

Wenn Deutschland gegen Holland spielt, dann singen die Holländer übrigens in ihrer Nationalhymne: „Wilhelm von Nassau bin ich, vom deutschen Blut.“

Ja, die Holländer sind auch Deutsche. Sie haben zwar keine deutsche Staatsbürgerschaft, aber sie sprechen Deutsch. Ihre Sprache wird auf Englisch sogar deutsch genannt – „Dutch“ –, während das Hochdeutsche dort germanisch genannt wird: „German“.

Deutsch ist, wer auf Deutsch träumt – egal, welche Hautfarbe er hat, welche Staatsbürgerschaft er besitzt oder an welchen Gott er glaubt. Er kann sogar an Göttinnen glauben, so wie die Ubier am Rhein einst an die Matronen glaubten. Er kann sogar an eine gottlose Ideologie glauben – zum Beispiel an den Kommunismus, der übrigens auch von einem Deutschen entwickelt wurde, so wie die Psychoanalyse, der kategorische Imperativ, das „Lied der Deutschen“ und das Gedicht „Deutschland. Ein Wintermärchen“.

Hautfarbe, Glaube und Staatsbürgerschaft sind völlig irrelevant für die Frage, ob jemand ein Deutscher ist. Wie wenig rassistisch kann es noch sein?



   
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