Durch die sehr gute Frage von @mrsblackwater ' s Kommentar bin ich bewegt worden diesen Thread für alle am Islam interessierten aufzumachen. Für Anfänger und Fortgeschrittene. 😉
Ich halte mich erst einmal kurz und wir können es bei Bedarf dann vertiefen.
Warum braucht man Quran und Sunna? Was ist überhaupt die Sunna?
Für die meisten Muslime ist der Quran UND die Sunna wichtig. Die meisten Muslime gehören einer der vier Rechtsschulen des sunnitischen Islam an, sind Sunniten. Meistens wird man "reingeboren", weil die Familie entsprechend sunnitisch ist. Aber manche wechseln auch. Ich bin sunnitisch weil meine Familie es ist, aber im Verlauf meines Studiums habe ich für mich den Rahmen weiter gefasst.
Also, was ist die Sunna?
Die Sunna sind Überlieferungen über das Leben des Propheten Muhammad, (ﷺ). Wenn Muslime den Begriff Sunna benutzen, vor allem im theologischen Kontext, dann wird damit in der Regel die Lebensweise des Propheten Mohammed bezeichnet, über die wir unterrichtet sind aus einzelnen Berichten, den so genannten Hadithen. Das arabische Wort „sunna“ bedeutet „Tradition“ bzw. „die vom Propheten eingeführte und bestätigte Praxis“ und Sunna ist auch der Oberbegriff für die großen Hadith-Sammlungen. Die Hadithgelehrten se- parierten die Überlieferungen diesbezüglich in drei Hauptkategorien: in ṣaḥīḥ, ḥasan und ḍaʿīf. Die nicht authentischen Hadithe (ḍaʿīf) unterteilten sie wiederum in solche mit ‚leichten‘ und solche mit ‚starken‘ Schwächen. Neben authenti- schen Hadithen berücksichtigen einige Rechtsgelehrten auch welche mit leich- ten Schwächen in der Rechtsprechung als Beweise. Gänzlich verworfen werden nur Hadithe mit starken Schwächen, das bedeutet, wenn beispielsweise die Tra- dentenkette einen unehrlichen oder einen sehr unzuverlässigen Tradenten hin- sichtlich seiner Präzision beinhaltet. Als "ṣaḥīḥ" anerkannt sind Al-Bukhari und Muslim, es sind die berühmtesten Hadithsammlungen und ein großes Thema für sich. Im Studium der Islamwissenschaften ist Hadithwissenschaften ein eigener Bereich für sich. Die Sunna des Propheten, also die Lebensweise des Propheten auch als eine Art Linse betrachtet oder als ein Prisma, durch das man auf die Offenbarung blickte, um die Offenbarung besser zu verstehen. Eine weitere Sache ist auch, warum die Sunna so wichtig ist, ist ein relativ pragmatischer Grund. Die Religion des Islam an sich ist eine, die sehr viel Bedeutung eben auch auf Handlung legt. Es gibt für viele Bereiche Handlungsrichtlinien sozusagen. Im Detail erfährt man im Koran eben nicht, wie gebetet werden soll, oder welche Sachen man im Fastenmonat Ramadan machen darf, bzw. nicht machen darf etc. Und hier bietet eben die Sunna einen detaillierten Einblick darin.
Allerdings gibt es auch bei der Sunna innerhalb und ausserhalb der vier Rechtsschulen des Islam Interpretationsspielraum.
Das soll also nicht heissen, dass man das alles wissen muss, es ist eher unter Gelehrten und Wissenschaftlern Debatten. Im Alltag kann man den Islam auch auf seinen einfachen klaren Kern konzentrieren. Je nachdem wen ihr fragt wird man auch natürlich widersprechen aber ich lasse das mal so stehen 😉 Man muss immer wieder bedenken, dass in den meisten Bereichen, in denen man die Sunna tatsächlich auch anwenden könnte, die muslimischen Gelehrten eher ein Kann und kein Muss gesehen haben. Die Lebensrealität der allermeisten Muslime spricht für sich.
Der Gesamtquellkorpus der Hadithen sind 90.000 Hadithen und wir haben ungefähr 10.000 - 15.000 Hadithe, von denen die Rechtsgelehrten in der Vergangenheit sagten, dass diese authentisch überliefert sind, also von denen man mit Gewissheit sagen kann, dass sie auf den Propheten ﷺ zurückführen sind.
Das kann schon sehr überfordern aber andererseits ist Islam eben doch klar und einfach. Für als Basic wichtig halte ich persönlich die 5 Säulen des Islam und die richtige Ausführung des Gebets. Und von da schaut man dann weiter bevor man vor der Tiefe der Religion überwältigt wird und gar nichts macht.
Vieles entwickelt sich dann mit eigener Reife weiter wenn die Zeit dafür da ist. Gerade persönliches Verhalten oder um Beispiele zu machen, dass man sich als Frau bedeckt oder nach und nach weniger Alkohol trinkt bis man es ganz lässt. Es ist eine Entwicklung weil man meist einsieht, dass es besser so ist.
Und ich möchte anfügen, besser auch im Leben wenn man sieht dass zum Beispiel das westliche Lebensmodell nicht unbedingt glücklich macht und Leere hinterlässt die man mit Trivialen füllt. Aber mir ist klar, das sieht nicht jeder so 😉 und auch dafür gibt es SubhanAllah gute Gründe, die Quran und Sunna erklären.
Das kann schon sehr überfordern aber andererseits ist Islam eben doch klar und einfach. Für als Basic wichtig halte ich persönlich die 5 Säulen des Islam und die richtige Ausführung des Gebets. Und von da schaut man dann weiter bevor man vor der Tiefe der Religion überwältigt wird und gar nichts macht
Das ist schön ausgedrückt. Weil wir nie alles wissen werden und es so viele Tiefe gibt ist es eine schöne Religion, aber auch weil wir Wissen sammeln sollen und immer dazu lernen. Aber ganz persönlich geht es mir genaus so subhanallah, das Gebet ist am wichtigsten und die eigentliche Verbindung. Manche nennen es in deutsch auch Kontaktgebet. Das ist ein guter Begriff denke ich. Nicht Allah braucht dass wir Beten, wir brauchen das. Diese besondere Zeit den Tag einige Minuten zu unterbrechen und sich über das wichtigste klar zu werden.
mmm, also ohne Sunna wüssten wir manches nicht. Das wollte ich noch sagen. Aber es ist die zweite Quelle des Wissens, Quran ist die erste. Das muss betont werden.
Danke für diese Themen und die Erklärungen, wirklich hochinteressant. Als kulturell vielseitig interessierte Menschen wüssten wir nicht wo man sich darüber informieren kann. Das ist ein echter Mehrwert hier und ein kleiner Einblick in eine ganz andere Welt. Toll!
Vieles entwickelt sich dann mit eigener Reife weiter wenn die Zeit dafür da ist. Gerade persönliches Verhalten oder um Beispiele zu machen, dass man sich als Frau bedeckt oder nach und nach weniger Alkohol trinkt bis man es ganz lässt. Es ist eine Entwicklung weil man meist einsieht, dass es besser so ist.
Du sprichst mir sehr aus dem Herzen damit. Und die Sahaba damals haben auch nicht ihr Leben von heute auf morgen geändert, sondern Step by Step über Jahre. Der Weg ist das Ziel in gewisser Weise und jeder von uns steht an einem anderen Punkt. Jeder muss für sich sehen wie weit er kommt. Aber hey Sisters, ich liebe es dass ihr so viel wisst und shared. Wirkt etwas pushy aber es hilft nachzudenken.
@wuestenrose91 vielen Dank für den Teaser bzw. ersten Einblick in dieses Thema! Ich finde es sehr interessant, solche Hintergründe zu lesen und zu erfahren. Das hilft mir dabei, dich (euch) besser zu verstehen! Ich hoffe, es wird nicht wieder zum Trip "down the rabbit hole" für mich 😉
Zum Anfang erstmal ein paar einfache Fragen:
Für als Basic wichtig halte ich persönlich die 5 Säulen des Islam und die richtige Ausführung des Gebets
Was sind die 5 Säulen des Islam? Ich hoffe, du hast diese Frage nicht schon in einem anderen Thread beantwortet.
Gerade persönliches Verhalten oder um Beispiele zu machen, dass man sich als Frau bedeckt oder nach und nach weniger Alkohol trinkt bis man es ganz lässt. Es ist eine Entwicklung weil man meist einsieht, dass es besser so ist.
D.h. der Quran schreibt euch (Frauen) vor, dass ihr euch bedecken sollt? Alkohol sehe ich übrigens ganz ähnlich. Es ist eine, wenn auch allgemein anerkannte, Droge. Das Suchtpotential von Alkohol ist enorm, auch wenn viele das nicht wahr haben möchten. Ich stimme mit dem Punkt überein, dass es besser ohne Alkohol ist.
Und ich möchte anfügen, besser auch im Leben wenn man sieht dass zum Beispiel das westliche Lebensmodell nicht unbedingt glücklich macht und Leere hinterlässt die man mit Trivialen füllt
Ich denke hier müssen wir das westliche Lebensmodell erstmal definieren 🙂 Ich stimme aber mit dir überein, dass vieles von dem, was uns in den (westlichen) Medien als glückserfüllend suggeriert wird, nichts damit zu tun hat. Es sind kurzfristige Ablenkungen, die über die wahre Leere gestülpt werden. Längeres Thema.
Sorry falls meine ersten Fragen naiv sind. Sie sind trotzdem gut gemeint.
Ich stimme mit dem Punkt überein, dass es besser ohne Alkohol ist.
Wenn man, wie wir, mal alle 1-2 Monate eine Flasche Wein trinkt, dann finde ich das nicht verwerflich.
Wein ist auch Kultur und Lebensqualität in Flaschen abgefüllt.
Aufgrund der Artikel von Martin, behaupte ich mal, dass @mrsblackwater und @deepblackforest das ähnlich sehen.
Aber dennoch ist Alkohol an sich natürlich auch eine Droge, keine Frage.
Die Menge und Häuigkeit des Konsums macht hier den großen Unterschied.
Wenn man, wie wir, mal alle 1-2 Monate eine Flasche Wein trinkt, dann finde ich das nicht verwerflich.
Das sollte keine Wertung sein 🙂 Natürlich gibt es einen grossen Unterschied zwischen "ich lasse mich jedes Wochenende zur Besinnungslosigkeit volllaufen" und "ich trinke alle paar Wochen mal ein Glas Wein". Mein Kommentar war auch nicht absolut gemeint. Für mich persönlich sehe ich, dass ich ohne Alkohol sehr viel klarer denken kann. Nicht weil ich mich ständig besaufe, sondern ich sehe einfach den Unterschied zwischen früher und heute.
Alkohol hat einen negativen Einfluss auf die Zirbeldrüse, weshalb ich in den letzten Jahren davon abgekommen bin Alkohol zu trinken. Gerne mal nach Zirbeldrüse googeln.
Ich stimme mit dem Punkt überein, dass es besser ohne Alkohol ist.
Wenn man, wie wir, mal alle 1-2 Monate eine Flasche Wein trinkt, dann finde ich das nicht verwerflich.
Ich glaub hier spielt auch Kultur eine sehr große Rolle. Denn in der islamischen Welt kennt man entweder Rauschtrinker, die dann in der Familie sehr viel Schaden stiften oder Fromme. Soweit ich informiert bin verbietet der Quran den Alkoholkonsum nicht direkt. Das geht meines Erachtens aus dem Zusammenhang/Kontext hervor. Aber ich müsste die Sure raussuchen. Bei der Sunna / Hadithen sieht es wahrscheinlich anders aus. Das Wein trinken aus reinem Genuss z.Bsp. kennt man in dieser Welt gar nicht. MArtin und ich kennen ganz genau unsere Grenzen und würden uns nicht besaufen. Der Genuss ist hier im Vordergrund. Und nicht zu vergessen Jesus, der Prophet, trank auch Wein. Was wir aber beide nicht machen würden, ist Wein trinken und dann Beten. DAs wäre unwürdig gegenüber dem Schöpfer.
Ich stimme mit dem Punkt überein, dass es besser ohne Alkohol ist.
Spannendes Thema, vielleicht für einen extra Thread. Nur so viel dazu:
Ich will das nicht länger schön reden, weil ich auch in meinem Umfeld** sehe, was Alkohol mit Menschen machen kann. Soll heissen, dass das ein schleichender Prozess ist. Die wenigsten werden psychisch und körperlich innerhalb von Monaten abhängig, sondern über Jahre. Und die Schäden treten auch erst nach Jahren in Erscheinung.
Grundsätzlich wird die Gefahr von Alkohol meistens unterschätzt und da nehme ich mich nicht aus.
Ich habe viele Jahre lang Weine gesammelt (meistens Brunello und Barolo) und bin ein echter Weinliebhaber. Dementsprechend habe ich mir das Thema Alkohol auch immer eher schöngeredet.
Besser ist es allerdings, wenn man gar keinen trinkt. Die medizinischen Daten die es dazu gibt (wenn nicht gerade vom Winzerverband gesponsert) sind da recht eindeutig. Minimalkonsum oder gar nicht.
Wenn man, wie wir, mal alle 1-2 Monate eine Flasche Wein trinkt, dann finde ich das nicht verwerflich.
Wein ist auch Kultur und Lebensqualität in Flaschen abgefüllt.
Aufgrund der Artikel von Martin, behaupte ich mal, dass @mrsblackwater und @deepblackforest das ähnlich sehen.
Aber dennoch ist Alkohol an sich natürlich auch eine Droge, keine Frage.
Die Menge und Häuigkeit des Konsums macht hier den großen Unterschied.
Absolut richtig aus meiner Sicht.
Es ist eine Abwägung von Genuss und Risiko. Wie gesagt, ich halte rückblickend das Risiko für sehr hoch und habe es selbst unterschätzt. Gerade weil diese Gefahr "schleichend" ins Leben kommt.
Insofern ist ein Verzicht absolut gesehen besser. Und ich meine so drückt es auch der Qur'an aus. Sinngemäss: im Wein liegt Nutzen aber das Übel ist größer.
**ich kenne einige Menschen, die über Jahre abhängig wurden und stark abgebaut haben.
Gerade persönliches Verhalten oder um Beispiele zu machen, dass man sich als Frau bedeckt oder nach und nach weniger Alkohol trinkt bis man es ganz lässt. Es ist eine Entwicklung weil man meist einsieht, dass es besser so ist.
D.h. der Quran schreibt euch (Frauen) vor, dass ihr euch bedecken sollt?
Ich bin sicher die Damen gehen darauf noch ein, aber meines Wissen schreibt das der Quran nicht nur Frauen vor sondern auch Männern. Aber er geht nicht auf Details ein wie das Bedecken von Haaren. Ich würde sagen das steht wohl in der Sunna. Ehrlich gesagt ärgere ich mich immer wieder wenn ich muslimische Paare im Sommer sehe, wenn der Herr bei heißen Temperaturen Shorts und T-Shirt (ärmellos) trägt, während die Frau von Kopf bis bedeckt ist.
Ich meine wir haben im "Hijab" Thread auch schon mal darüber gesprochen. Hier der Link nochmals dazu.
https://blackwater.live/community/islam/warum-hijab-tragen/
Juden bedecken ihr Haar im Übrigen auch. Meist dann wenn sie heiraten. Interssanterweise nutzen viele dann auch Echthaarperücken.
Koptische Christen tun das beim Gebet ebenfalls.
Und auch in der Bibel gibt interessanterweise Paulus als auch Petrus einen Tip wie man sich kleiden sollte:
1Tim 2,9-10 (Hoffnung für alle): Ebenso sollen die Frauen unauffällig und schlicht gekleidet zum Gottesdienst kommen. Sie sollen sich weder durch ausgefallene Frisuren noch durch kostbaren Schmuck oder irgendwelche Modetorheiten hervortun. Der wahre Schmuck der Frauen ist es, Gutes zu tun. Damit beweisen sie, dass sie Gott lieben und ehren.
1Petr 3,3-5 (Hoffnung für alle): Nicht äußerliche Dinge - wie kunstvolle Frisuren, wertvoller Schmuck oder modische Kleidung - dürfen für euch Frauen wichtig sein. Nein, euch sollen vielmehr Eigenschaften von unvergänglichem Wert schmücken, wie Freundlichkeit und Güte; denn wahre Schönheit kommt von innen. Und diese Werte zählen vor Gott. So haben sich auch die frommen Frauen zur Zeit unserer Väter geschmückt: Sie setzten ihre ganze Hoffnung auf Gott und ordneten sich ihren Männern unter.
Aber hey Jesus loves you. Also auch das kann man getrost ignorieren. #Ironieoff
@weip321
Da es zu keinem Zeitpunkt meines Lebens eine Phase mit viel Alkoholkonsum gab, auch in jungen Jahren nie, sehe ich das Thema Alkohol entspannter, meinetwegen auch als naiv zu bezeichnen und kann daher auch nicht mit früher vergleichen.
Alkohol ist schon eine Art Gift und da gibt es nichts zu beschönigen.
Insofern ist ein Verzicht absolut gesehen besser. Und ich meine so drückt es auch der Qur'an aus. Sinngemäss: im Wein liegt Nutzen aber das Übel ist größer.
Also lieber Finger weg von syrischem Wein und sich stattdessen dem syrischen Olivenöl zuwenden. 😆
dem syrischen Olivenöl zuwenden.
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Welches wirklich eine absolute Extraklasse ist! Sämig, vollmundig, der Geschmack des Nahen Ostens. Und gesund ist es auch noch.
oh no..
Und griechischer Wein sowieso auch nur noch als Beitrag im "Song des Tages" Thread.
Sooo, das haben wir alle nun davon. 🤣
Sorry, für das viele Offtopic. 😇


